Lexikon der Jugendsünden: Geheime Bilder, die drei Ks und ein Gratis-Joint

Und was rauchst du so? Die Autorinnen Lisa Seelig und Elena Senft verschweigen ihre Jugendsünden nicht, sondern haben sie in einem Buch gesammelt. Diesmal: B wie Botschaften auf Zigarettenschachteln.

Jugendsünden: Verschwörerisch verschachtelt Fotos
REUTERS

Die achtziger und neunziger Jahre hatten einen Hang zu Verschwörungstheorien, die sich bis tief in den eigenen Alltag bohrten. Zielscheibe dieser wüsten Theorien waren gern und oft Zigarettenmarken. Die Entscheidung für eine bestimmte Zigarettenmarke wurde durch diverse moderne Mythen über bestimmte Marken erleichtert oder erschwert.

So gab es immer Leute in der Klasse, die verächtlich schauten, wenn man in der Raucherecke die Marlboro-Packung auspackte, und fragten, ob man denn nicht wisse, dass Marlboro mit dem "Ku-Klux-Klan" unter einer Decke stecke. Belegt wurde diese These mit drei auf der Marlboro-Packung aufgedruckten roten Ks; außerdem mit den angeblich zu erkennenden Zipfelmützen, die sich unter den Beinen des am Philip-Morris-Logo lehnenden Löwen mit einer guten Portion Vorstellungskraft erkennen ließen.

Den wichtigsten Beweis aber lieferte der Name selber: Drehte man das Wort Marlboro auf den Kopf, konnte man aus der Buchstabenfolge "orobl" das englische Wort "horrible" ableiten. Das übriggebliebene "Mar" las sich umgedreht als "Jew", womit sich die zweifelsfrei unerträgliche Kombination "horrible Jew" ergab.

Natürlich war es nur auf den ersten Blick einfacher, stattdessen Lucky Strike zu rauchen, die ja deshalb so hießen, weil in jeder tausendsten Packung ein Joint versteckt war. Diese Zigarettenmarke rief aber umgehend neue pubertäre Verschwörungstheoretiker auf den Plan, die mit finsterer Miene behaupteten, es könne ja nun kein Zufall sein, dass das Lucky-Strike-Logo frappierende Ähnlichkeit mit der japanischen Flagge habe. In Kombination mit dem Namen "Glücklicher Schlag" wäre dies eine unwiderlegbare Anspielung auf Hiroshima!

Bezüglich der Camel-Packung behaupteten viele, in den Kamel-Umrissen (das besonders neunmalkluge Schüler schon damals als Dromedar identifizierten) auf der senfgelben Packung die Silhouette eines Mannes mit Erektion zu erkennen. Das allerdings waren dann wahrscheinlich nur diejenigen, die vorher den Joint in ihrer Lucky-Strike-Packung gefunden hatten.

Das SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch "Wir waren jung und brauchten das Gel" ist beim Fischer Verlag erschienen.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Leute...
Innoa 25.05.2011
... was fuer ein zusammengefaselter Stuss. Das is eher was fuer die Klassenreporter-Zeitung, so zwischen der 6ten und 8en; je nachdem, wann die Blagen mit dem Rauchen anfangen. Dem Alter entstammen wohl auch die Spiegel-Schüler-Reporter hier. Danach wird sowas unerträglich beim Lesen; Stichwort Fremdschämen. Braucht niemand und muss niemand haben. Auch und gerade nicht im Schulspiegel. Vielen Dank. _____________________________________ "What's on your mind, if you will allow the overstatement?" -- Fred Allen
2. s
Rasheed Wallace 25.05.2011
Zitat von Innoa... was fuer ein zusammengefaselter Stuss. Das is eher was fuer die Klassenreporter-Zeitung, so zwischen der 6ten und 8en; je nachdem, wann die Blagen mit dem Rauchen anfangen. Dem Alter entstammen wohl auch die Spiegel-Schüler-Reporter hier. Danach wird sowas unerträglich beim Lesen; Stichwort Fremdschämen. Braucht niemand und muss niemand haben. Auch und gerade nicht im Schulspiegel. Vielen Dank. _____________________________________ "What's on your mind, if you will allow the overstatement?" -- Fred Allen
Sie tun mir echt leid... Zum Bericht: Toll mal etwas abwechslungsreiches auf Spiegel zu lesen, müssen nicht immer Berichte über Anschläge oder Sexaffären sein ;) Die Mythen kenne ich noch zu gut von meiner Kindheit, vorallem der KKK-Mythos ist mir heute noch in Erinnerung :)
3. Unsinn
sevens, 25.05.2011
Zitat von sysopUnd was rauchst du*so?*Die Autorinnen Lisa Seelig und Elena Senft verschweigen ihre Jugendsünden nicht, sondern haben sie*in einem Buch gesammelt. Diesmal:*B wie*Botschaften auf Zigarettenschachteln. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,763062,00.html
Wer heute jemanden braucht, der ihm sagt, was cool (gewesen) ist und was nicht - etwa mit einem solchen Buch - der ist vermutlich Opportunist und kann sich selber nicht leiden.
4. Und nicht zu vergessen...
Axeman 25.05.2011
Zitat von Rasheed WallaceSie tun mir echt leid... Zum Bericht: Toll mal etwas abwechslungsreiches auf Spiegel zu lesen, müssen nicht immer Berichte über Anschläge oder Sexaffären sein ;) Die Mythen kenne ich noch zu gut von meiner Kindheit, vorallem der KKK-Mythos ist mir heute noch in Erinnerung :)
drehte man die Marlboropackung um, und deckte den Schriftzug mit dem Zeigefinger ab, blieben nur die Überhänge vom großen "M" und vom "l" und "b" sichtbar. Dass sah dann so aus wie die baumelnde Beine aufgeknüpfter Menschen. Da der Schriftzug schwarz ist, waren natürlich Schwarze gemeint. Da konnte nur der KKK hinterstecken. Außerdem erinnere ich mich an diverse Gerüchte, dass bestimmte Brauereien Rechtsparteien unterstützen sollen und natürlich, das man für 10000 Wrigeleys-Silberpapiere einen Rollstuhl ergattern könne. Aber das ist ja nun alles gar nichts mit dem Geschwurbel im Internetzeitalter. Nich zuletzt auf diesem Kanal.... A.
5. Eigentlich wollte...
marca 25.05.2011
...ich ja diese Lebensverarschungen zu Papier bringen, aber Kindle & Co. veranlassten mich dann doch den Ast zu retten, auf dem heute vielleicht andere, Tiere eingeschlossen, sitzen. Zum Text: Auch mir kamen diese Gerüchte zu Ohren. Die Quelle waren meist Emanzenweiber der Oberstufe, die damit ihre Gruppenakzeptanz profilieren wollten. Ich als Aussenseiter, Spitzenreiter, dachte damals nur: Dreh wegen dem Finanziellen gegen das Kommerzielle!
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Wir waren jung und brauchten das Gel
Das Lexikon der Jugendsünden.

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Die Sündensammler
Andreas Labes
Lisa Seelig, 31, verbrachte ihre Jugend in einem bayerischen Kaff, Elena Senft, 31, in Berlin. Die Geschmacklosigkeiten der neunziger Jahre haben sich auf dem Land und in der Großstadt erstaunlicherweise ziemlich identisch abgespielt, gemeinsam haben sie sämtliche Peinlichkeiten in dem Buch "Wir waren jung und brauchten das Gel" gesammelt.

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