Lexikon der Jugendsünden: Teenageroberschenkel in engen Schläuchen

Sie gehörten zu den hässlichsten Modetrends des Jahrzehnts. Es gab sie in pink-metallic, neon-türkis, lachsfarben - und für Omas Geburtstag sogar mit Spitzenborte. Lisa Seelig und Elena Senft sammelten diese und andere Jugendsünden. Diesmal: R wir Radlerhosen.

Lexikon der Jugendsünden: Geschmacksverirrungen in neon-türkis Fotos
Corbis

Einer der scheußlichsten Modetrends, die es je gegeben hat: Teenageroberschenkel steckten in hautengen Schläuchen, die über dem Knie endeten. Dazu ein XXL-T-Shirt und Turnschuhe mit Socken.

Dabei handelte es sich nicht um eine nationale Verfehlung, sondern um einen internationalen Stil, denn sogar in "Beverly Hills, 90210" trug man Radlerhose, teilweise sogar in der Variante knielange Radlerhose mit kurzem Rock darüber. Die Radlerhose war eine Uniform und alternativlos. Ebenso wie die Leggings wurden Radlerhosen gerne in irritierenden Farben (pink-metallic, neon-türkis, lachsfarben oder bicolor pro Bein) aus irisierendem Material getragen.

Obwohl es genug männliche Vorbilder gab (zum Beispiel Milli Vanilli), war die Radlerhose ein fast ausschließlich weibliches Phänomen, Jungs trugen sie nur beim Fußball, im Lagenlook mit kurzen Shorts darüber. Die Radlerhose war kein dankbares Kleidungsstück wie etwa das XXL-Shirt, mit dem sie gern kombiniert wurde: In den hautengen Polyamid-Hosen schwitzte man entsetzlich.

Fotostrecke

21  Bilder
Peinlichkeiten von früher: Das Lexikon der Jugendsünden
Ähnlich wie das Bauchfrei-Diktat führte die Radlerhose dazu, dass die etwas Kräftigeren eine unglückliche Figur abgaben, sich darum aber überhaupt nicht scherten. Im Gegenteil, kombiniert mit klobigen Turnschuhen (etwa L. A. Gears, die bei jedem Schritt leuchteten) kamen stämmige Waden und Oberschenkel noch besser zur Geltung.

Eltern hassten die Radlerhose, die im Sportunterricht, im Kino und zu Partys getragen wurde, und sahen ihre Chance, ihr Kind aus der Radlerhose zu bekommen, bei festlichen Anlässen wie Familienfeiern. Dass man in einem solch "sportlichen" Aufzug nicht zu Omas siebzigstem Geburtstag auflaufen konnte, ließ man natürlich nicht gelten. Für solche Fälle hatte man ja schließlich noch die Radlerhose mit Spitzenborte.

Das SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch "Wir waren jung und brauchten das Gel" ist beim Fischer Verlag erschienen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Autschn!!!
Rockaxe 17.10.2011
Also die 2 Mädels erzählen von ihrer "Jugend" in den 90ern. Wer war denn für die Auswahl der Fotos und der Bildunterschriften zuständig ohne etwas zu recherchieren? Aerobic begann (auch in Deutschland) in den 80ern die Standartbekleidung waren Leggins. Bei Milli Vanilli auf dem Bild sind ebenfalls Leggins zu sehen. Deren "Karriere" dauerte auch nur knapp 2 Jahre. Von 1988 -1990. Das einzigste Bild welches stimmt ist das von "Berverly Hills 90210" die Serie war wirklich in den 90ern! Wenn schon Werbung für Bücher im Spiegel-Shop gemacht werden muss, ist es doch nicht nötig, dass falsche Texte eins zu eins übernommen werden müssen oder doch?
2. ...
alexreil 18.10.2011
Die Artikelreihe ist eben nur eine Verkaufsveranstaltung für ein auch noch dermassen schlecht recherchiertes Buch, dessen Autorinnen noch nicht mal den Unterschied zwischen den achtigern und den neunzigern kennen.
3. ...
Silvia 18.10.2011
Enge Hosen bis zum Knöchel sind Leggings und keine Radlerhosen. Radler gehen nur bis zum Knie. Mir ist auch nicht bekannt, dass man sie heute nicht mehr kaufen kann. Und wenn sie nicht aus Jerseystoff sind, sind sie nicht einmal das, sondern ganz normale enge Hosen, wie man sie auch heute zu kaufen bekommt - also weder Radler noch Leggings.
4. praktisch, wenn auch von fraglicher Optik
nordschaf 18.10.2011
Auf bundesdeutschen Grundschulhöfen werden bunte Radler schon seit ein paar Jahren wieder zum Rock getragen. Zweck der Übung ist, dass beim Rumrasen oder Spielen auf Klettergerüsten etc. unter dem Rock der Mädchen die Unterhose nicht zu sehen ist. Offenbar ist das oberpeinlich. Ich fand das ja unnötig verklemmt, aber meine Töchter haben dazu sehr eigene und vor allem sehr entschiedene Ansichten. Als ich in den 70ern in der Grundschule war, hat sich um sowas noch keiner Gedanken gemacht, da waren wir mehr mit Spielen beschäftigt.
5. Leggins
herecomesthebut 18.10.2011
Dieses mal R wie Leggins, schlechter Artikel, falsch benanntes Kleidungsstück. Was kommt als nächstes? S wie Sexualkundeunterricht und dann sind da lauter Fotos von Mathestunden? Diese ganzen Frauenbücher (inkl des miesen Mutterwitzebuches) sind doch der letzte Müll. Kaum durch die Jugend durchgespackt, schon von Dingen schreiben wollen, die man nie erlebt hat, entweder weil es die nie gab, oder man da nicht mitmachen durfte... Wie wäre es mit ner erfolgsversprechenderen Karriere?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leben U21
RSS
alles zum Thema Lexikon der Jugendsünden
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 9 Kommentare
Die Sündensammler
Andreas Labes
Lisa Seelig, 31, verbrachte ihre Jugend in einem bayerischen Kaff, Elena Senft, 31, in Berlin. Die Geschmacklosigkeiten der neunziger Jahre haben sich auf dem Land und in der Großstadt erstaunlicherweise ziemlich identisch abgespielt, gemeinsam haben sie sämtliche Peinlichkeiten in dem Buch "Wir waren jung und brauchten das Gel" gesammelt.

Buchtipp
Lisa Seelig, Elena Senft:
Wir waren jung und brauchten das Gel
Das Lexikon der Jugendsünden.

Fischer Taschenbuchverlag; 256 Seiten; 8,99 Euro.

Einfach und bequem: Direkt im SPIEGEL-Shop bestellen.


Fotostrecke
Fotoprojekt: Jugend in Deutschland

Social Networks