Mein erstes Mal: Phillip, 13, schreibt eine Uni-Klausur

Bei Mathe weiß man wenigstens, was richtig und was falsch ist. Deshalb mag Phillip Lippe, 13, das Fach. Er ist darin so gut, dass er es sogar an der Uni studiert hat, jeden Mittwoch neben der Schule. Seine Abschlussklausur fand er einfach.

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Jürgen Lippe

Phillip Lippe aus Gelsenkirchen: "Ich habe schon früher abgegeben"

"Die Klausur fand ich eigentlich ganz schön. Wenn man zum ersten Mal an der Uni eine Klausur schreibt, ist das etwas Besonderes. Ich war ein bisschen aufgeregt. Ich saß ungefähr in der Mitte des Hörsaals. Es waren vielleicht 60 Studenten da, alle anderen waren in einem normalen Studentenalter. Das Thema hieß "Einführung in die Programmierung".

Um Viertel nach zwölf ging es los, wir hatten eine Stunde Zeit, aber ich habe schon früher abgegeben. Es war auf jeden Fall leichter, als ich dachte. Der Dozent kam zwischendurch und hat gefragt, ob alles gut läuft. Sonst wurde ich wie jeder andere Student behandelt. Es hat mich auch keiner mehr angeschaut. Als ich anfing zu studieren, war das anders, da haben einige verwundert geguckt. Aber angesprochen hat mich niemand auf mein Alter. Das war auch besser so, schließlich wollte ich das normale Bochumer Hochschulleben kennenlernen.

Vier Tage vor der Uni-Prüfung haben die Schulferien angefangen, da hatte ich Zeit zum Lernen. Ich bin das Skript noch mal durchgegangen. Wir durften uns auch einen DIN-A4-Spickzettel schreiben, aber den habe ich gar nicht gebraucht. In der Klausur mussten wir drei Computerprogramme verstehen und drei Programmstücke schreiben, alles in der Programmiersprache Java. Wir mussten zum Beispiel am Code erkennen, dass eines der Programme Primzahlen ausgibt, wenn man es laufen lässt.

Ich war seit April jeden Mittwochvormittag für vier Stunden an der Uni. Der stellvertretende Schulleiter vom Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium hier in Gelsenkirchen, Herr Schürmann, hatte mich gefragt, ob ich das nicht machen möchte. Es war kein Problem, die Deutsch-, Latein- und Mathestunden nachzuholen, die ich verpasst habe. Meine Klassenkameraden waren anfangs etwas verdutzt, dass ich schon studiere. Einige haben gefragt, wie es an der Uni so ist.

Natürlich konnte ich nicht mit den anderen Studenten weggehen. Aber ich weiß auch nicht, ob ich so viel Lust gehabt hätte, abends in einer Bar zu sitzen. Ich bin ja noch nicht alt genug, um Bier zu trinken, und das wäre mir vielleicht komisch vorgekommen. Ich spiele lieber Fußball oder Badminton mit meinen Freunden.

Nach den Sommerferien komme ich in die Zehnte, weil ich in der Grundschule eine Klasse übersprungen habe. Im Matheunterricht weiß ich nicht so richtig, was ich tun soll. Schon bevor wir ein Thema durchnehmen, habe ich es verstanden. Mein Lehrer hat mich schon drei Stunden leiten lassen. Ich habe den Satz des Thales, den Satz des Pythagoras und Sinus und Kosinus erklärt. Ich glaube, meinen Klassenkameraden hat es gefallen.

Zu Hause arbeite ich manchmal am Computer, aber ich bin nicht der Typ, der viel surft. Ich mag logisches Denken, und an Mathe gefällt mir, dass es nur eine Lösung gibt. Bei Philosophie zum Beispiel ist das ja anders, das mag ich gar nicht.

Spätestens Ende Juli weiß ich, ob ich die Klausur bestanden habe. Wenn ja, kriege ich einen Schein, den ich mir später im richtigen Studium anrechnen lassen kann. Ich möchte auf jeden Fall was mit Mathe machen und vielleicht was mit Informatik. Eigentlich war es an der Uni genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mich hat nichts abgeschreckt, im Gegenteil. Ich möchte nächstes Semester gern wieder eine Vorlesung besuchen und auch dann wieder eine Abschlussklausur schreiben."

Aufgezeichnet von Heike Sonnberger

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