Mein erstes Mal: Anna, 16, schreibt einen Roman
Anna Palm beherrschte gerade das ABC, da schrieb sie schon die ersten Geschichten. Anfangs ohne Struktur und roten Faden, doch es hat sich gelohnt: Zehn Jahre später gewann sie einen Schreibwettbewerb und bekam einen Buchvertrag. Ihr erster Roman ist nun fertig, Anna fühlt sich befreit.
"Letztens habe ich gedacht: Es ist fast schon zu spät, in zwei Jahren bin ich erwachsen. Dabei finde ich es cool, als Jugendlicher ein Buch zu schreiben. Das wollte ich auch. Jetzt hat es geklappt.
Ich habe an einem Kurzgeschichtenwettbewerb teilgenommen. 1500 Geschichten wurden eingereicht, ich habe gewonnen. Als ich den Anruf bekam, bin ich total ausgerastet. Natürlich kreischte ich nicht sofort los, das war mir zu peinlich. Aber als ich aufgelegt habe, schrie ich: 'Maaamaaa!' Ich hopste und sprang durch die Gegend, rief alle Freunde an und veranstaltete eine Mini-Party. Einen Monat lang fühlte ich mich nur gut und auch ein bisschen besonders.
Ich gewann 1000 Euro, und der Verlag lud mich nach Berlin ein. Von einem Buchvertrag sprach noch niemand. Mein Vater sagte: 'Anna, es könnte ja sein, dass ' Ich unterbrach ihn: 'Nein, sag es nicht! Sag es nicht!' Es wäre cool, wenn sie mich fragen würden, ob ich ein Buch schreiben will. Aber ich wollte mir nicht zu viele Hoffnungen machen.
Meine Freundinnen freuten sich sehr für mich. Wir spannen rum: Ich werde Spitzenautorin, sie Spitzenfotografin und wir gehen gemeinsam auf Welttournee. Die Jungs sagten: 'Wir werden dein Manager und kassieren das ganze Geld.' Weil ich die 1000 Euro gewonnen habe, meinten sie auch, ich wäre jetzt reich und sollte sie einladen.
Mit fünf Jahren setzte ich mich an den PC und schrieb los
Meine Mutter begleitete mich nach Berlin zum Verlag. Bei einem Latte Macchiato fragten mich die Programmleiterin und meine spätere Lektorin tatsächlich, ob ich Lust hätte, ein Buch zu schreiben. Natürlich hatte ich das!
Das Buch handelt von einem Engel, der einen Jungen beschützen soll. Von mir steckt eine ordentliche Portion in dem Engel Ellen, auch in ihrer besten Freundin könnten sich zwei meiner Freunde wiedererkennen. Ich habe Charakterzüge einfließen lassen und Missgeschicke, die mir oder Freunden passiert sind. Eine Geschichte wirkt besser, wenn der Autor vieles auch selbst erlebt hat.
Als Kind brachte mein Vater mir ein Plakat mit dem Alphabet aus einer Buchhandlung mit. Damit habe ich mir das Schreiben selbst beigebracht.
Mit fünf Jahren setzte ich mich an den PC und schrieb los. Damals sah ich noch nicht ein, dass Geschichten einen roten Faden haben sollten. Ich schrieb 50 Seiten lang über Sterne, Höhlen, Abendbälle und ein Mädchen namens 'Milka'. Dann wurden die Geschichten länger. 120 Seiten, 150 Seiten.
Und jetzt mehr als 300 Seiten. Ich habe ein halbes Jahr an dem Roman geschrieben. Als ich fertig war, fühlte es sich befreiend an. Die Abende waren auf einmal so leer und entspannend. Da dachte ich: Huch, wo ist sie denn? Ich vermisse Ellen, den Schutzengel, und hoffe, dass sie irgendwann noch mal auftaucht.
Durch das Buch bin ich selbstbewusster geworden, glaube ich. Früher dachte ich, es passiert nichts in meinem Leben. Dann habe ich gewonnen.
Jetzt bin ich ein bisschen nervös, ob mein Buch ankommt. Meine Mutter kennt die Geschichte, sie hat alles Korrektur gelesen. Kürzlich fragte ich sie: 'Ist es wirklich gut? Habe ich alles gegeben?' Aber ich glaube, ich kann sehr zufrieden sein."
Aufgezeichnet von Frauke Lüpke-Narberhaus
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