Ich kenne die Fragen schon alle: "Wie soll das gehen?", "Da hast du ja überhaupt keine Zeit mehr!", "Und wie machst du das mit der Schule?" Einige bewunderten meinen Plan, andere verwunderte er. Nach der etwas stressigen Einschreibung war ich einfach nur froh, als mein erstes Semester Mitte Oktober endlich begann.
Denn während sich für die normalen Studenten der Bürokratie-Krieg online abspielte, musste ich als Frühstudentin vor Semesteranfang alles persönlich erledigen. Es gab Zettel für meine Schule, Zettel für die Uni, Zettel für die Lehrer, Zettel für meine Eltern und auch noch Zettel für mich.
Das hätte ich mir auch vorher denken können, schließlich ist es nicht alltäglich, dass eine 16-Jährige unbedingt studieren möchte. Dazu kommt, dass das "Frühstudium" ein recht neues Konzept an deutschen Unis ist. Viele waren einfach nicht auf mich gefasst. Umso mehr freue ich mich, als erste Frühstudentin am Institut für Publizistik in Mainz studieren zu dürfen.
Die Studenten schlafen aus, ich stehe um 6 Uhr auf
Warum das Ganze? Ich weiß schon seit der Grundschule, dass ich Journalistin werden möchte und dachte mir: Je eher, desto besser. Als sich die Chance bot, war ich sofort dabei. Ich kann mir die bestandenen Prüfungen anrechnen lassen, damit muss ich später nicht so lang studieren. Nur Schule wäre mir auf Dauer sowieso etwas langweilig geworden.
Das Studium begann natürlich auch für mich mit der Einführungswoche für "Erstis": Es ging auf Kneipentour in die Mainzer Innenstadt, zum Brunchen und zum Sektempfang. Meine Eltern waren zum Glück mit allem einverstanden, und so war ich überall dabei.
Ein Problem bleibt allerdings: Während die anderen Studenten lange feiern und am nächsten Tag ausschlafen können, muss ich um 6 Uhr aufstehen. Aber bisher hatten alle Verständnis und meine Kommilitonen sind sehr lieb in dieser Hinsicht. Auch die Professoren haben uns alle gutgelaunt empfangen und uns Studien präsentiert. Deren nicht ganz ernstzunehmendes Ergebnis: In Mainz lernen nicht nur die intelligentesten, sondern auch die hübschesten Studenten.
Ich belege alle Kurse eines regulären Bachelorstudiums. Das heißt: Mein Stundenplan ist voll. Ich habe unter anderem Vorlesungen, Übungen und Tutorien zu "Grundlagen des Zeitungsjournalismus", "Nachrichtenproduktion" und Statistik.
Daneben bin ich natürlich immer noch reguläre Schülerin der 11. Klasse. Ich musste also ein bisschen basteln, um Uni- und Schulalltag zu vereinen. Dadurch bin ich viel unterwegs und fahre ziemlich viel Bus. Obwohl meine Schule auch in Mainz liegt, ist es manchmal echt stressig, zwischen Schule und Uni zu pendeln.
In meinen Freistunden liegen oft Vorlesungen und auch nach der Schule bin ich bis abends an der Uni. Hört sich nach viel Stress an - ist aber meist machbar. Ich muss Hausarbeiten, Klausuren und Klassenarbeiten genau takten, und auch Hausaufgaben, Anfahrten und Treffen mit Freunden brauchen Zeit. Wenn ich genau plane und mich gut vorbereite, ist es weniger stressig. Bisher klappt alles super. Ich habe noch Zeit für Freunde und Kraft für die Schule - meine Lehrer unterstützen mich sehr. Und an der Uni komme ich auch mit den etwas älteren Kommilitonen super zurecht. Momentan genieße ich auf jeden Fall das Studium: Denn der Spaß überwiegt!
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