Erste Liebe: Er will mich, er will mich nicht

Es ist schön, es verwirrt und manchmal tut es weh: zum ersten Mal verknallt sein. Warum verlieben wir uns überhaupt? Woran gehen Beziehungen kaputt? Das Jugendmagazin "Yaez" erklärt jungen Liebenden die ersten großen Gefühlsexplosionen - und die ersten großen Abstürze.

Sich verlieben und glücklich sein - wie geht das? "Dafür gibt es kein Geheimrezept", sagen Jessica, Elena und Moritz. Und damit scheinen die drei recht zu haben. Immerhin unterscheidet sich bereits die Art und Weise, wie wir uns verlieben, grundlegend voneinander: Manchen Menschen reicht schon ein flüchtiger Blick ihres Schwarms, um die Gefühlsachterbahn anzuschmeißen. Andere Paare kennen sich wiederum zig Jahre, ehe ihnen Amor urplötzlich zu Leibe rückt. Bei dem 20-jährigen Moritz dauerte es mehrere Monate, bis er sich in seine erste Freundin verliebt hatte. "Sie ist mir nachgelaufen, bei mir kam das Verliebtsein erst mit der Zeit", sagt er. Die 19-jährige Elena und die 18-jährige Jessica kamen dafür reichlich schnell mit ihren Freunden zusammen. "Drei Dates", sagt Elena, "länger brauchten wir nicht."

Ein hübsches Gesicht, ein witziger Spruch, eine herzensgute Tat: Aus welchen Gründen wir uns verlieben, scheint dabei sehr unterschiedlich zu sein. Lassen sich die Ursachen für Liebe denn überhaupt nicht fassen? "Da greifen bio-psychologische und sozio-psychologische Ebenen ineinander", sagt Malte Schlösser, der als systemischer Paartherapeut in Berlin arbeitet. "Deshalb gibt es keine einheitliche Definition für die Liebe, und so ist sie letztlich nicht wirklich zu verstehen." Na toll. Soll das tatsächlich schon das Ende der Fahnenstange sein? Schließlich wollen wir uns alle verlieben und eine möglichst lange Beziehung führen. Dafür muss sich das Geheimnis Liebe doch zumindest ein Stück weit entschlüsseln lassen.

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Liebesgeflüster: Hand aufs Herz

"Als erste Annäherung sollten wir erst mal zwischen Verliebtheit und Liebe unterscheiden", meint Malte Schlösser. Dabei handele es sich um zwei Phasen: Erst komme die emotional intensive Verliebtheit, anschließend die rationale Liebe. "Die hohe Energie des Verliebtseins könnte man so zusammenfassen, dass die Person, in die wir verliebt sind, unser Leben interessant machen und uns verstehen soll", sagt der Paartherapeut. Das heißt: Je weniger wir uns verstanden fühlen und je mehr wir unser Leben als öde empfinden, desto stärker wollen wir geliebt werden. Und umso intensiver projizieren wir dieses Verlangen auf eine bestimmte Person. Das ist schön - aber auch gefährlich: "Wir lernen nicht, mit solchen starken Gefühlen umzugehen", meint Malte Schlösser. "Wir sind eine Kultur, die mehr Wert im Rationalen sieht. Das hat allerdings häufig den gegenteiligen Effekt und schlägt in irrationales Verhalten um."

Die 18-jährige Jessica kann das aus eigener Erfahrung bestätigen: "Mein Ex-Freund hat mich sehr oft angelogen", erzählt sie. "Aber auch als meine beste Freundin mir das verklickern wollte, habe ich ihr nicht geglaubt." In der Verliebtheitsphase steckte Jessica in der sprichwörtlichen rosaroten Welt, unterstellte ihrer Freundin sogar, sie und ihren Freund auseinanderbringen zu wollen. "Völlig verrückt", sagt Jessica heute.

Und was müssen wir tun, damit eine Beziehung funktioniert?

Verliebtheit blendet. Sie kann dafür sorgen, dass wir gut gemeinte Ratschläge ignorieren. Oder uns verstellen, um unserem Schwarm zu gefallen. Und nicht zuletzt kann sie auch dafür sorgen, dass wir uns in die falsche Person vergucken. "Liebe hingegen ist rationaler", sagt Malte Schlösser. "Sie ist eher eine Entscheidung als eine Emotion. Es ist nicht mehr alles nur wunderschön. Die andere Person wird sichtbarer in ihren Macken und Schwächen."

Moritz, Elena und Jessica haben dieses Gefühl von rationaler Liebe bereits alle empfunden. "Es gibt dir so viel Kraft, wenn dich dein Freund versteht", sagt Elena. "Für mich ist eine ernsthafte Beziehung das Allerwichtigste." Trotzdem gingen die Beziehungen der drei alle in die Brüche. Weshalb gelingt es manchmal selbst liebenden Paaren nicht, eine lang anhaltende Beziehung zu führen? Und was müssen wir tun, damit es doch funktioniert? "Daran sind meist zu hohe Erwartungen schuld", meint Malte Schlösser. Dass viele Menschen von ihrer Freundin oder ihrem Freund erwarten würden, gleichzeitig intelligent, witzig, sexy, tiefgründig, sportlich, sinnlich, kreativ und was auch immer zu sein, sei einfach zu viel verlangt. Schlösser rät deshalb, Romantik und Realität einander anzugleichen: "Man kann lernen, Gefühle und Denken in Einklang zu bringen, so dass rationale Entscheidungen und Gefühle gute Teamplayer sind."

Das Herz auch mal aus- und den Kopf dafür einzuschalten soll das Rezept für eine lang anhaltende Beziehung sein - macht das nicht eher die Liebe kaputt? "Dass ich an meine erste Beziehung völlig kopflos herangegangen bin, hat sich nicht als besonders klug herausgestellt", meint Elena. "Ich habe mir vieles schöngeredet. Das will ich in Zukunft anders machen." Und auch Moritz graut es nicht davor, in Liebesdingen stärker auf seinen Kopf zu hören. "Natürlich hat das Herz die Hauptverantwortung", sagt er. "Aber was Beziehungen angeht, hat der Kopf schon ein bisschen mitzuentscheiden. Je älter man wird, desto mehr hat eine Beziehung auch etwas Festes, bei dem sich beide Menschen aufeinander einlassen."

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