Mein erstes Mal: Sam, 14, reitet auf einem Wal

Der Australier Sam Matheson, 14, hat schon oft Wale gesehen, aber noch keinen berührt. Als einer nah an der Küste schwamm, sprang er ins Meer und legte sich auf ihn. Ziemlich cool, fand er - bis er plötzlich weltweit in den Medien war und 10.000 Dollar Strafe zahlen sollte.

Sam Matheson: "Alter, das ist ein Wal!" Zur Großansicht

Sam Matheson: "Alter, das ist ein Wal!"

Als ich den Wal gesehen habe, dachte ich: Das ist meine Chance! Er schwamm nur etwa zehn Meter von der Küste entfernt, und ich wollte ihn mir bei der Gelegenheit gern genauer ansehen. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass ein Wal so nah ran kommt.

Ich bin ins Wasser, mein Kumpel, mit dem ich am Strand war, ist an Land geblieben. Kurz bevor ich den Wal erreicht hatte, tauchte ich ab. Der Wal bemerkte mich und schaute mich an.

Meine Familie und ich wohnen direkt am Meer in Albany in Westaustralien. Ich bin am Strand groß geworden und liebe es, zu surfen, zu angeln, zu tauchen. Wale habe ich schon oft gesehen, aber ich hatte vorher noch nie einen berührt. Er fühlte sich ganz weich an und irgendwie ölig. Angst hatte ich nicht, ich dachte eher: "Alter, das ist ein Wal!"

Ich schwamm an seine Seite und zog mich irgendwie hoch. Für ungefähr 30 Sekunden lag ich auf ihm, die meiste Zeit schwammen wir unter Wasser, aber einmal tauchte er auch kurz auf. Er hob schließlich seine Schwanzflosse, drückte sie wieder runter, und der Druck wirbelte mich etwas durchs Wasser. Das war ziemlich cool.

Ich wusste nicht, dass ich etwas Illegales tue

Ich dachte in dem Moment nicht, dass mein Wal-Ritt so einen großen Wirbel auslösen würde. Ich wusste auch nicht, dass ich etwas Illegales getan hatte.

Als ich zu meinem Kumpel schaute, lachte der mich an. "Das war ziemlich cool", sagte er, und dass es ziemlich gefährlich aussah. Der Wal war etwa 15 Meter lang und wog einige Tonnen, ich wiege 57 Kilo, natürlich war das gefährlich. Aber mein Kumpel und ich machen dauernd verrückte Dinge.

Zuhause erzählte ich meiner Mutter, dass ich gerade einen Wal berührt habe. Sie sagte nur: "Ja? Echt?"

Einen Tag später, ich war gerade bei einem Freund, habe ich zufällig den ersten Artikel entdeckt. Jemand hat mich beobachtet und ein Foto von der Aktion an die Behörden gegeben. Als ich den Artikel las, dachte ich nur: "Oh nein!" Da stand, dass es 10.000 Dollar Strafe kostet. Das hat mich total schockiert.

Wer sich mehr als 30 Meter einem Wal nähert, muss mit so einer Geldstrafe rechnen. Aber das wusste ich damals nicht, sonst hätte ich das natürlich nicht getan.

"Erhängt ihn und statuiert ein Exempel"

Meine Mutter rief mich an und sagte mir, dass alle über meinen Ritt berichten - wobei keiner wusste, dass ich es bin. Die Behörden waren auf der Suche nach einem Jugendlichen, hieß es in den Artikeln.

Ich bin dann ins Internet und habe nachgeschaut. "Australische Behörden auf der Jagd nach Wal-Reiter", schrieb CNN auf der Webseite. Journalisten aus Amerika, England, Kanada, Neuseeland und sogar aus Ghana berichteten darüber. Das war echt beängstigend.

Es gab auch einige böse Kommentare. Einer schrieb: "Erhängt ihn und statuiert ein Exempel!" Aber daraus habe ich mir nicht so viel gemacht.

Schließlich rief meine Mutter bei der Behörde an und bat um ein Gespräch. Ich habe gesagt, dass es mir leid tut. Sie haben mir ein Glück geglaubt, deswegen haben sie mich nur offiziell verwarnt und gesagt, dass ich es nie wieder tun soll.

Das Ganze ist während der Schulferien passiert. Als ich wieder in die Schule musste, haben mich alle komisch angeschaut. Ein Lehrer hat mich als "Legende" bezeichnet, einige Mitschüler nennen mich auch jetzt noch Moby Dick.

Wenn ich die 10.000 Dollar hätte zahlen müssen, würde ich mich jetzt sehr ärgern. Aber so, ohne Strafe, bin ich schon stolz mit einem Wal geschwommen zu sein. Ich meine, wer hat das schon mal gemacht?

Aufgezeichnet von Frauke Lüpke-Narberhaus

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Zubeißen!
ArnoNuem 16.12.2010
Was für Heranachsende cool ist, kann für Erwachsene nur billig sein: vor Teneriffa springen immer wieder Besoffene von Walbeobachtungsbooten, weil sie mt den Delfinen und Pilotwalen "spielen" möchten. Schade, dass die Tiere nicht zubeißen! Aus sicherer Entfernung schaue ich mir auch gerne Delfine an. Doch inzwischen bn ich für ein weltweites Tierbeobachtungsverbot. Weil: es gibt zu viele unvernünftige Menschen, die die gesetzten Grenzen nicht achten. Die Tiere profitieren von den Beobachtungen nicht - sehrwohl aber die Veranstalter. In einigen Teilen der Welt sind Welttierbeobachtungen zudem so teuer, dass sich das nur Reiche leisten können. Und Menschen wie dem Schüler oder den Haifütterer im Roten Meer sollte man saftige Strafen aufbrummen. Laßt doch die Tiere in Ruhe, die können nichts für euer unterentwickeltes Ego.
2. Tierbeobachtungsverbot?
louvainman 16.12.2010
Zitat von ArnoNuemWas für Heranachsende cool ist, kann für Erwachsene nur billig sein: vor Teneriffa springen immer wieder Besoffene von Walbeobachtungsbooten, weil sie mt den Delfinen und Pilotwalen "spielen" möchten. Schade, dass die Tiere nicht zubeißen! Aus sicherer Entfernung....
Finde ich eher eine schlechte Idee... Natürlich gibt immer wieder Idioten die sich nicht benehmen können, aber der "Umwelttourismus" ist noch die beste Chance bestimmte Regionen und ihre Tiere zu erhalten! Denn: Nur wenn die Wale, Delfine etc. lebendig mehr Geld einbringen als wenn sie gejagt und verkauft werden kann sich de Tier- und Umweltschutz bei den ärmeren Nationen auf lange Sicht durchsetzen . Die Leute dort wollen eben auch nür überleben....
3.
paperbag 16.12.2010
Zitat von ArnoNuemWas für Heranachsende cool ist, kann für Erwachsene nur billig sein: vor Teneriffa springen immer wieder Besoffene von Walbeobachtungsbooten, weil sie mt den Delfinen und Pilotwalen "spielen" möchten. Schade, dass die Tiere nicht zubeißen! Aus sicherer Entfernung .....
Diese Wal- und Delfintouren sind sehr wichtig für die Tourismusbranchen und helfen sehr wohl auch den Tieren. Bevor man die Tiere anschauen konnte wurden sie mit eben diesen Fischerbooten, welche heute diese Touren anbieten, gejagt. Erst der Tourismus hat den Fischern eine Möglichkeit gegeben, vom Töten zu dem wesentlich nachhaltigeren Beobachten von Tieren zu wechseln. Wer also jetzt von einem Beobachtungsverbot spricht, hat die soziale Situation der Bevölkerung überhaupt nicht verstanden. Es hat schon Jahre gedauert diesen Menschen beizubringen, dass Sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr auf Kosten der Tiere bestreiten dürfen und nun wollen Sie ihnen die einzige, noch verbliebene Alternative verbieten.
4. ...
Digger69 16.12.2010
Ich denke auch, das es besser ist, wenn sich Leute die Tiere von einem Boot aus anschauen können, um zu begreifen was für wundervolle Geschöpfe es sind und das sie Geschützt werden müssen. Ohne Walewatching etc. gäbe es nicht soviele Menschen (besser gesagt "weniger") die sich mal Gedanken über Überfischung, Walfang etc. machen. Ist so ähnlich wie mit dem Fleisch. Wüssten mehr Leute wie ihr Schnitzel aus Massentierhaltung vor der Schlachtung gelebt hat, sie würden keinen Bissen Runterkriegen und lieber beim Bio-Bauern kaufen. Aber so kauft man lieber "wässrige Faseransammlungen" von Tieren die ihr ganzes/kurzes Leben? nur unter Stress und Qualen erlebt haben. Zu den "Mallorca/Ballermann"-Urlaubern die besoffen von den Booten springen kann ich nur sagen, das es ein Problem der Veranstalter ist, jeden vollidioten aufs Boot zu lassen. Alleine wegen der Sicherheit der anderen sollten Betrunkene oder durch Drogen berauschte an Land bleiben. Da spielt aber der Profit eine Rolle. Genau aus diesem Grund (irgendwelche volltrunkene Urlauber) hab ich vor zwei Jahren eine solche Bootstour NICHT angetreten. Es Roch förmlich nach Ärger weil die "Gäste" schon an Land bereits einige Probleme mit dem Niveau hatten.
5. .
ammoniak 16.12.2010
Zitat von ArnoNuemWas für Heranachsende cool ist, kann für Erwachsene nur billig sein:
Falsch. Bei Erwachsenen und Kindern wird mit zweierlei Maß gemessen. Und das ist gut so.
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