Als ich den Wal gesehen habe, dachte ich: Das ist meine Chance! Er schwamm nur etwa zehn Meter von der Küste entfernt, und ich wollte ihn mir bei der Gelegenheit gern genauer ansehen. Es kommt schließlich nicht oft vor, dass ein Wal so nah ran kommt.
Ich bin ins Wasser, mein Kumpel, mit dem ich am Strand war, ist an Land geblieben. Kurz bevor ich den Wal erreicht hatte, tauchte ich ab. Der Wal bemerkte mich und schaute mich an.
Meine Familie und ich wohnen direkt am Meer in Albany in Westaustralien. Ich bin am Strand groß geworden und liebe es, zu surfen, zu angeln, zu tauchen. Wale habe ich schon oft gesehen, aber ich hatte vorher noch nie einen berührt. Er fühlte sich ganz weich an und irgendwie ölig. Angst hatte ich nicht, ich dachte eher: "Alter, das ist ein Wal!"
Ich schwamm an seine Seite und zog mich irgendwie hoch. Für ungefähr 30 Sekunden lag ich auf ihm, die meiste Zeit schwammen wir unter Wasser, aber einmal tauchte er auch kurz auf. Er hob schließlich seine Schwanzflosse, drückte sie wieder runter, und der Druck wirbelte mich etwas durchs Wasser. Das war ziemlich cool.
Ich wusste nicht, dass ich etwas Illegales tue
Ich dachte in dem Moment nicht, dass mein Wal-Ritt so einen großen Wirbel auslösen würde. Ich wusste auch nicht, dass ich etwas Illegales getan hatte.
Als ich zu meinem Kumpel schaute, lachte der mich an. "Das war ziemlich cool", sagte er, und dass es ziemlich gefährlich aussah. Der Wal war etwa 15 Meter lang und wog einige Tonnen, ich wiege 57 Kilo, natürlich war das gefährlich. Aber mein Kumpel und ich machen dauernd verrückte Dinge.
Zuhause erzählte ich meiner Mutter, dass ich gerade einen Wal berührt habe. Sie sagte nur: "Ja? Echt?"
Einen Tag später, ich war gerade bei einem Freund, habe ich zufällig den ersten Artikel entdeckt. Jemand hat mich beobachtet und ein Foto von der Aktion an die Behörden gegeben. Als ich den Artikel las, dachte ich nur: "Oh nein!" Da stand, dass es 10.000 Dollar Strafe kostet. Das hat mich total schockiert.
Wer sich mehr als 30 Meter einem Wal nähert, muss mit so einer Geldstrafe rechnen. Aber das wusste ich damals nicht, sonst hätte ich das natürlich nicht getan.
"Erhängt ihn und statuiert ein Exempel"
Meine Mutter rief mich an und sagte mir, dass alle über meinen Ritt berichten - wobei keiner wusste, dass ich es bin. Die Behörden waren auf der Suche nach einem Jugendlichen, hieß es in den Artikeln.
Ich bin dann ins Internet und habe nachgeschaut. "Australische Behörden auf der Jagd nach Wal-Reiter", schrieb CNN auf der Webseite. Journalisten aus Amerika, England, Kanada, Neuseeland und sogar aus Ghana berichteten darüber. Das war echt beängstigend.
Es gab auch einige böse Kommentare. Einer schrieb: "Erhängt ihn und statuiert ein Exempel!" Aber daraus habe ich mir nicht so viel gemacht.
Schließlich rief meine Mutter bei der Behörde an und bat um ein Gespräch. Ich habe gesagt, dass es mir leid tut. Sie haben mir ein Glück geglaubt, deswegen haben sie mich nur offiziell verwarnt und gesagt, dass ich es nie wieder tun soll.
Das Ganze ist während der Schulferien passiert. Als ich wieder in die Schule musste, haben mich alle komisch angeschaut. Ein Lehrer hat mich als "Legende" bezeichnet, einige Mitschüler nennen mich auch jetzt noch Moby Dick.
Wenn ich die 10.000 Dollar hätte zahlen müssen, würde ich mich jetzt sehr ärgern. Aber so, ohne Strafe, bin ich schon stolz mit einem Wal geschwommen zu sein. Ich meine, wer hat das schon mal gemacht?
Aufgezeichnet von Frauke Lüpke-Narberhaus
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