Mobbing unter Jugendlichen: "Die Schule wurde meine persönliche Hölle"

2. Teil: Anonym: "Ja, Lisa nervte mich!"

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Frank Grätz

Mobbing unter Jugendlichen: "Ich drehte völlig durch"

Ich war in der sechsten Klasse, 13 Jahre alt, und hatte gerade so meinen Platz an der neuen Schule gefunden. Die Mädels machten ein Drittel der Klasse aus, und so hatten sich schnell feste Grüppchen gebildet. Die Freundschaft zwischen mir und meiner besten Freundin war noch ganz frisch.

Gegen Ende des Schuljahrs kam sie. Die Neue. Hergezogen aus Bayern. Ich nenne sie hier Lisa. Am Anfang waren wir alle unvoreingenommen. Ich besuchte Lisa einmal zu Hause, wir machten Psychotests in Zeitschriften... ganz normal eigentlich.

Dass wir keine richtigen Freunde werden, wurde mir bald klar. Sie war mir zu aufdringlich. Von da an mied ich sie.

Auch einige meiner Mitschüler konnten sie nicht leiden. Wer genau mit dem Mobben angefangen hat? Ich weiß es nicht mehr. Lisa zu beleidigen wurde eine Art Sport: Hier mal ein Witz über ihre bayerische Aussprache, dort mal eine (neidische?) Bemerkung über ihre Unterrichtsbeiträge. Plötzlich war fast die ganze Klasse gegen Lisa.

Gleichzeitig haben meine beste Freundin und ich ein Briefebuch angefangen, in das wir uns Nachrichten schrieben. Darin gaben wir den anderen Mädels Sympathie-Noten. Lisa schnitt nicht gut ab. Ich stufte sie eifersüchtig herab, weil ich Angst hatte, meine beste Freundin an sie zu verlieren.

Und ja: Lisa nervte mich! Weil sie einem hinterherlief und ständig Fragen stellte. Die Jungs erfanden Spottreime und wiegelten sich gegenseitig zu immer größeren Gemeinheiten auf, die Mädels lästerten. Bis die Situation irgendwann eskalierte: In einer Unterrichtsstunde verließ der Lehrer kurz den Raum. Das nutzten die Jungs, um eine Ladung Papierkügelchen auf Lisa zu schießen. Als unser Lehrer wiederkam, schrie er uns an - wegen der Sauerei. Nicht wegen Lisa. Auch die anderen Lehrer bekamen davon nichts mit. Oder wollten nichts mitbekommen.

Mir war nicht klar, dass wir so grausam waren

Lisa ließ nicht locker: Sie lief mir hinterher und fragte, wieso ich nichts mit ihr zu tun haben wolle. Ich antwortete irgendwann "Weil du so aufdringlich bist."

Später schrieb Lisa jedem Mädchen einen persönlichen Brief, in dem stand, wie sie sich fühlte, in dem sie fragte, warum wir sie mieden. Ich merkte, wie schlecht es ihr gehen musste, beachtete sie aber trotzdem nicht mehr. Die anderen reagierten ähnlich.

Dann kam der große Elternabend. Einige Eltern hatten inzwischen - wahrscheinlich durch Lisas Mutter - vom Mobbing mitbekommen und waren schockiert. Wir bekamen alle gewaltige Standpauken von unseren Eltern. Meine erzählten mir, dass Lisa sogar daran dachte, die Schule zu wechseln, dass sie total verzweifelt war und sich jeden Tag in die Schule quälte. Langsam bekam ich Mitleid und vor allem ein schlechtes Gewissen. Ja, ich schämte mich. Mir war nicht klar gewesen, dass wir so grausam waren.

Nach dem Elternabend gingen wir einigermaßen normal mit Lisa um, machten keine Witze auf ihre Kosten und Lisa schrieb sogar in mein Freundebuch. Wenigstens einige versuchten, das Geschehene wiedergutzumachen.

Lisa ging trotzdem von unserer Schule, ich glaube, weil sie noch mal umgezogen ist. Wenn ich heute daran denke, kann ich nur den Kopf darüber schütteln, wie wir uns verhalten haben. Heute würde ich definitiv anders handeln und mich bemühen, neue Menschen in meinen Freundeskreis aufzunehmen. Oder sie zumindest in Ruhe zu lassen.

Text: anonym

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insgesamt 164 Beiträge
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1. Na und?
Alexander Axt 23.12.2012
Auch ich wurde in meiner Schulzeit gemobbt. Das ist längst vergessen und ich habe dadurch gelernt. Es ist mir nie wieder passiert. Als man es während meiner Grundausbildung erneut versuchte, setzte es ein paar gut gezielte Nasenstüber. Ruhe war und ich hatte den Respekt meiner Kameraden, weil die vier größten Idioten des Zuges Wochenlang mit geschienten Nasen herumlaufen mussten. Solche Erfahrungen gehören zum Erwachsenwerden. Mutti kann da nicht helfen.
2. früher...
inecht 23.12.2012
... haben uns die Lehrer geprügelt, vor der ganzen Klasse niedergemacht, uns der Lächerlichkeit preisgegeben. Da einigte die Schüler das gemeinsame Feindbild. Wie viel grausamer, heute Schüler sein zu müssen.
3. -
fördeanwohner 23.12.2012
Richtiges Mobbing ist übel für die Betroffenen. Wenn alle anderen einen permanent schlecht machen und vielleicht noch körperlich drangsalieren, kann das nicht gutgehen. Das Problem ist aber, dass man den Mobbern in der Schule nicht wirklich beikommen kann, wenn deren Eltern nicht mitspielen. Und das ist leider zu häufig der Fall. Da werden dann Maßnahmen seitens der Schule einfach ausgehebelt. Mordrohungen in sozialen Netzwerken werden kommentiert mit: "Das ist doch nun wirklich nicht schlimm. Das sind doch nur Worte." In diesem Fall kann man Eltern von betroffenen Kindern nur empfehlen, Anzeige zu erstatten, wenn die Mobber 14 oder älter sind. Bei jüngeren Schülern ist das natürlich schwieriger. Das Thema "Mobbing" steht im Fokus, wird aufgearbeitet und diskutiert. Es gibt Prävention. Das ist alles berechtigt. Aber dadurch ergibt sich ein neues Problem. Schüler kennen die Problematik und verwenden Mobbing als Ausrede. "Ich werde gemobbt", dient z.B. dazu, nicht zur Schule gehen zu müssen. Eigentlich haben diese Kids ganz andere Probleme, meist durchs Elternhaus bedingt. Und dann gibt es noch Schüler, die von zuhause "geeicht" sind, selbst austeilen, aber behaupten gemobbt zu werden, wenn andere sich revanchieren. Da werden dann sogar Atteste vorgelegt, die das "Mobbing" belegen. In solchen Fällen kommt es dann schließlich genau dazu, dass diese Kinder von ihren Mitschülern ausgegrenzt werden. Ein Teufelskreis, den man nicht brechen kann. Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich bin davon überzeugt, dass es Mobbing gibt. Aber mir ist es ein Anliegen aufzuzeigen, wie komplex das Thema eigentlich ist und was es erschwert, das Problem richtig anzugehen.
4. Und dass schlimme ist,
robrob 23.12.2012
Dass die hier dargestellten noch in "normalen Mobbing Ausmaß" sind. Ich kenne durchaus noch schlimmere Fälle. Zurückbleiben, wie im artikel ansatzweise angesprochen, emotionale Wracks.
5. Mobbing unter Strafe stellen!
BettyWuth 23.12.2012
Für den Tatbestand des Mobbings fehlen deutsche Gesetze, die ein solches Tun deutlich und massiv unter Strafe stellen. Hier sind die Rechtshüter gefordert. Und nicht morgen, sondern am liebsten noch vorgestern! Denn was den betroffenen Opfern hiermit angetan wird, ist in keinem Falle hinzunehmen.
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Cybermobbing unter Jugendlichen
Was ist das?
Wenn jemand einen anderen Menschen absichtlich und über längere Zeit beleidigt, bedroht, bloßstellt oder belästigt, und wenn das im Internet oder per Handy geschieht, spricht man von Cybermobbing. Gerade unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter meist aus Schule, Verein oder Wohnviertel. Cybermobbing zwischen Personen, die sich noch nie gesehen haben, ist sehr selten.
Wie entsteht es?
Spannungen in der Klasse verlagern sich oft ins Internet, wo unbeliebte Schüler dann verspottet und belästigt werden. Manchmal brechen auch Freundschaften auseinander und ehemals gute Freunde tragen ihren Konflikt im Netz aus. In manchen Gruppen gehört es zum alltäglichen Umgang, sich gegenseitig herunterzumachen. Cybermobbing kann aber auch aus Unachtsamkeit oder Langeweile entstehen. Oft ist Jugendlichen nicht bewusst, wie verletzend ein flapsiger Kommentar sein kann.
Wie erkennt man es?
Opfer von Cybermobbing sind oft bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt. Viele können schlecht schlafen und haben morgens vor der Schule Schmerzen oder andere Beschwerden. Sie werden selten zu Geburtstagen oder Partys eingeladen und wollen lieber von ihren Eltern angeholt werden, statt mit dem Schulbus zu fahren. Wenn man sie darauf anspricht, spielen Jugendliche ihre Situation vor Erwachsenen oft herunter.
Wie schützt man sich?
Gebt möglichst wenige persönliche Daten im Internet preis, ladet möglichst wenige Bilder und Videos von euch hoch und macht niemals eure vollständige Adresse oder Handynummer öffentlich. Überprüft eure Sicherheitseinstellungen und gebt euren Privatbereich nicht für jeden frei.
Wie kann man sich wehren?
Nehmt beleidigende E-Mails, Bilder oder Posts nicht einfach hin, aber antwortet auch nicht direkt darauf. Fragt lieber zuerst eure Eltern, einen Lehrer oder einen guten Freund, wie ihr damit umgehen sollt. Redet mit Menschen an, denen ihr vertraut, und fresst den Ärger nicht in euch hinein. Speichert SMS oder E-Mails und macht Screenshots von Seiten, auf denen ihr beleidigt werdet. Sperrt Leute, die euch belästigen du meldet Kommentare an den Betreiber der Webseite. Geht in besonders ernsten Fällen zur Polizei und erstattet Anzeige.
Was droht den Tätern?
Cybermobbing ist kein Staftatbestand, aber in Cybermobbing vereinigen sich einzelne Straftaten. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung oder Gewaltdarstellung. Alle diese Vergehen können mit bis zu einem Jahr im Gefängnis bestraft werden, in manchen Fällen sogar härter. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafunmündig. Bei Jugendlichen steht nicht die Bestrafung, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. In Betracht kommen deshalb in erster Linie erzieherische Weisungen und Auflagen im Sinne des Jugendstrafrechts.

Quellen: www.klicksafe.de, www.polizei-beratung.de

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