Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Pornos, Gewalt, Extremismus im Netz: Jugendschützer schlagen Alarm

Kinderpornografie, Anleitungen zu Würgespielen und rechtsextreme Propaganda: Jugendschützer haben 2010 deutlich mehr Internetangebote als gefährlich für Kinder und Jugendliche beanstandet als im Jahr zuvor. Automatisierte Filtersoftware scheint nicht zu funktionieren.

NPD bei Facebook: Jugendschützer warnen vor Rechtsextremen in sozialen Netzwerken Zur Großansicht
DPA

NPD bei Facebook: Jugendschützer warnen vor Rechtsextremen in sozialen Netzwerken

Die Zahl neu registrierter Verstöße gegen den Jugendschutz im Internet stieg im Vergleich zu 2009 um sieben Prozent auf 2582, wie jugendschutz.net in ihrem Jahresbericht ( hier als pdf) mitteilte.

jugendschutz.net ist eine Organisation, die 1997 von den Jugendministern aller Bundesländer gegründet wurde. Sie soll das Internet nach jugendgefährdenden Angeboten durchsuchen. Die länderübergreifende Stelle kontrollierte 2010 nach eigenen Angaben unter anderem rund 11.800 Websites, 8000 Videoclips und 16.500 Profile in Web-2.0-Diensten wie sozialen Netzwerken.

Zahlenmäßig bleibe Pornografie das größte Jugendschutzproblem, aber mit rückläufiger Tendenz. Dagegen steige unter anderem die Anzahl deutschsprachiger Angebote, auf denen Magersucht verherrlicht werde. Ein vergleichsweise neues Phänomen seien Sauf-Foren und Online-Videos, die Würgespiele zeigten. In den zum Nachahmen animierenden kurzen Filmen strangulierten sich die Akteure bis zur Ohnmacht, teilte jugendschutz.net mit. Bilder und Videos von Saufgelagen, Anleitungen zu Trinkspielen oder zum Bau von Saufmaschinen betonten den angeblichen Spaßfaktor exzessiven Alkoholkonsums und verharmlosten die Suchtgefahr.

Es sei schwierig, Kinderpornografie im Netz zu bekämpfen, denn die Täter seien oft schwer zu ermitteln. Die meisten kinderpornografischen Fotos würden anonym und kostenlos über Downloadplattformen verbreitet. Oft seien die Bilder als Model-Fotos getarnt. Angebliche Model-Agenturen präsentieren Kinder in lasziven Posen, um sie sexuell zu vermarkten.

Wie automatische Filter versagen

Für Rechtsextreme spielen soziale Netzwerke und Videoplattformen eine immer wichtigere Rolle. Die Jugendschützer sichteten nach eigenen Angaben 6000 Profile, Videos und Kommentare - dreimal so viele wie 2009. Um für neue Kampagnen, Materialien und Aufmärsche zu werben, nutzten die Rechtsextremen unter anderem Facebook, YouTube, eigene Blogs und Twitter.

Und die Gegenmaßnahmen scheinen nur notdürftig zu funktionieren. Automatische Jugendschutzfilter arbeiten den Experten zufolge nur mangelhaft und bewerten jede fünfte Webseite falsch. Nur Sexangebote und Pornografie würden einigermaßen zuverlässig erkannt, andere problematische Seiten könnten die Filter häufig passieren. Kein System könne bislang Beiträge in Videoplattformen und Communitys differenziert bewerten: Web-2.0-Angebote würden entweder vollständig blockiert oder komplett angezeigt.

Wenn jugendschutz.net auf jugendgefährdende Inhalte hinweise, zeigten sich viele Anbieter kooperativ, teilte die Organisation mit. In vier von fünf Fällen würden problematische Seiten aus Deutschland schnell geändert oder gelöscht. Komme ein unzulässiges Angebot aus dem Ausland, habe sich der Kontakt zu Providern bewährt, um die Inhalte löschen zu lassen.

otr/dpa/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Blablabla...
snickerman 31.05.2011
Die professionellen Kinderschützer schlagen STÄNDIG Alarm und sehen den Untergang der Welt, wenn nicht SOFORT das Internet zensiert und blockiert wird... Die immergleiche Leier, mit der man Aufmerksamkeit, Fördermittel und Spendengelder heischt. Dass es längst Studien gibt, die einen viel geringeren Einfluss obiger Inhalte im Netz konstatieren, wird wie immer einfach unterschlagen, Kritikern wird ein "alternativloses": "Es geht doch um den Schutz den Kinder, da MUSS man doch was machen!" entgegengehalten.
2. Politisch motiviert?
t.o`malley 31.05.2011
Zitat von sysopKinderpornografie, Anleitungen zu Würgespielen und rechtsextreme Propaganda: Jugendschützer haben 2010 deutlich mehr Internetangebote als gefährlich für Kinder und Jugendliche beanstandet als im Jahr zuvor. Automatisierte Filtersoftware scheint nicht zu funktionieren. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,765955,00.html
So wichtig die Hinweise auf jugendgefährdende Seiten im Netz auch sein mögen, so verständnislos nimmt man zur Kenntnis, daß die Autoren offensichtlich das Thema Linksextremismus für unwichtig halten. Es liegt der Verdacht nahe, daß entsprechende Bereiche eines solchen Berichtes aus politisch-ideologischen Gründen kassiert wurden, um der Öffentlichkeit kein vollständiges bzw. ein verzerrtes Bild der Realität zu geben. Der staatstragende Demokrat lehnt Extremismus in jeder Form ab - eine Filterung durch die Autoren ist daher ebenso deplatziert wie entlarvend. Zur Info: es gibt keine "guten" Extremisten, auch den Opfern ist es egal, ob ihr Vorgarten von einem Nazi verwüstet oder aber ihr Auto von einem Antifa-Stalinisten abgefackelt wurde.
3. wie üblich
sirdoom, 31.05.2011
Eine weitere Einrichtung in der großen, antifreiheitlichen Tradition deutscher Obrigkeitszensur(FSK, USK, KJM, Landesmedienanstalten, usw.). Das komplette Internet hat kinderfreundlich zu sein und alles was nicht ins Bild passt ist "böse"(TM) und muss auch Erwachsenen vorenthalten werden. Als Todschlagkeulen werden dann wahlweise Kindesmissbrauch(es gibt keine Kinderpornographie, man sollte bei populistischen Propagandabegriffen mal die Bedeutung nachschlagen) und oder Terrorismus genutzt. Bei Glücksspiel siehts dann schon finster aus, die eigentliche Begründung "Wir wollen selber und alleine abkassiern" kommt nicht ganz so gut. Jugendschutz.net ist sowieso eine höchst zwielichte Gesellschaft. Als Unternehmen in Form einer angeblich gemeinnützigen GmbH - Zensur ist also gemeinnützig, interessant - übernimmt die Firma im Grunde hoheitliche Aufgaben des Staates und hat dabei im Sinne der Akquisition von Projekten ein Interesse daran, das Internet als für Kinder und Jugendliche gefährlich darzustellen. Bock und Gärtner... @t.o'Malley: Ich sehe schon einen Unterschied in der Qualität, wenn Linksextreme Sportwagen abfackeln oder Rechtsextreme Ausländer oder "anders Aussehende" totschlagen. Ist aber nur meine Meinung...
4. ----------
boeseHelene 31.05.2011
früher konnte man im Namen der Gotteslästerung zensieren heute im Namen des Jugendschutzes anstatt mal endlich die Eltern in die Pflicht zu nehmen sollen auch die Erwachsenen auf Teletubbie Niveau unterhalten werden nur damit die heile Kinderseele keine Krater bekommt. Was den Jugendschützerin in ihrem bigottem Weltbild nicht passt muss zensiert werde, anstatt die Kinder aufzuklären und Kinder erst ab einem bestimmtem Alter sagen wir mal 13-14 alleine surfen zu lassen wird lieber Zensur geübt, den Eltern ist das ja recht dann kann der PC Nanny spielen und sie müssen nicht ihre Sprösslinge aufpassen. Ich möchte nicht wissen was Kinder früher bevor der Luxus des eigenen Kinderzimmers aufkam und Kinder noch im selben Raum wie die Eltern schliefen alles mitbekommen hat. Die Leute hatten bestimmt alle deswegen eine Störung und die heile Kinderseele hat davon bestimmt schon im Kleinkinder einen Knacks weg.
5. Würgespiele: der Bürger würgt, angesichts dieser Spielregierung
roterschwadron 31.05.2011
Zitat von sysopKinderpornografie, Anleitungen zu Würgespielen und rechtsextreme Propaganda: Jugendschützer haben 2010 deutlich mehr Internetangebote als gefährlich für Kinder und Jugendliche beanstandet als im Jahr zuvor. Automatisierte Filtersoftware scheint nicht zu funktionieren. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,765955,00.html
Vielleicht besteht das Problem gar nicht bei den Kindern und Jugendlichen, sondern bei den Erwachsenen? Man muß sich halt entscheiden, was man lieber will. Ein Volk von souveränen Bürgern, die sich nicht von irgendwelchen Deppen in Berlin oder Brüssel vergackeiern lassen, oder lieber ein Volk von Deppen, das sich leichter regieren lässt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Social Networks