Für den elfjährigen Kaan Aydogdu läuft es ziemlich gut, deswegen ist er heute auch etwas müde. Er kommt gerade vom Dreh für die Kinderserie "Siebenstein", jetzt muss er noch seine Hausaufgaben machen. Am vorvergangenen Donnerstag ist der Film "Almanya" in den Kinos angelaufen, in dem Kaan den achtjährigen Muhamed spielt. Außerdem hat er in dem Film "Sprich mit!" die Hauptrolle übernommen. Dieser Film wird nur in Schulen und Kindergärten laufen, um Kindern Deutsch beizubringen. Der Produzent des Films, Christopher Zwickler, sagt: "Ich bin mir sicher, dass wir noch viel von Kaan hören werden."
SPIEGEL ONLINE: Durch deine Rolle in dem Film "Sprich mit!" bist du der jüngste Deutschlehrer im Land. Wie fühlt sich das an?
Kaan Aydogdu: Das ist cool.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele Schulstunden musstest du für die Dreharbeiten schwänzen?
Kaan: Ich habe zwei Tage schulfrei bekommen und die Stunden schon nachgeholt.
SPIEGEL ONLINE: Du spielst in dem Film den neunjährigen Elias. Er ist neu in Berlin, spricht kein Deutsch und verliert plötzlich seinen Vater beim Stadtbummel. Viel Text musstest Du nicht lernen. Wie hast Du Dich vorbereitet?
Kaan: Ich habe einen Tag vor dem Dreh erfahren, was ich machen muss. Ich habe aber immer erst am Drehort geübt. Fünf Minuten, das reichte.
SPIEGEL ONLINE: Elias spricht die Sprache nicht und fühlt sich hilflos. Warst Du schon mal in einer ähnlichen Situation?
Kaan: Hmm, eigentlich nicht. Nur einmal im Italien-Urlaub, als ich mir was beim Bäcker kaufen wollte. Ich habe dann Englisch gesprochen. Das ging.
Kaan: Ich besuche die eigentlich nie.
SPIEGEL ONLINE: Sprichst Du denn Türkisch?
Kaan: Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, meine Eltern auch. Deswegen spreche ich fast kein Türkisch. Mein Englisch ist besser.
SPIEGEL ONLINE: Elias erster Satz im Film ist: "Ich heiße Elias". Kannst du dich an deinen ersten Satz erinnern?
Kaan: Hmm, nein. Aber mein erstes Wort war "Bravo". Ich habe irgendwas Tolles gemacht und meine Eltern haben "Bravo" gesagt. Das plapperte ich nach.
SPIEGEL ONLINE: Was ist dein Lieblingswort?
Kaan: "Brainstorming" hört sich cool an. Und cool hört sich auch cool an.
SPIEGEL ONLINE: Hast du Mitschüler, die nicht so gut Deutsch sprechen?
Kaan: Nur einen Chinesen. Der ist vor einem Monat gekommen. Er spricht kein Deutsch, kein Englisch nur Chinesisch.
SPIEGEL ONLINE: Wie verständigt ihr euch?
Kaan: Mit Zeichensprache oder wir schauspielern. Wenn zum Beispiel Hofpause ist, tut einer so als ob er sich eine Jacke anzieht. Wenn wir Mittagspause haben, nehmen wir ein Brot und beißen rein.
SPIEGEL ONLINE: Fragen deine Mitschüler dich schon nach Autogrammen?
Kaan: Nee, so übertrieben ist das nicht. Die wissen, dass ich Schauspieler bin, aber deswegen bin ich ja nicht anders als sie. Manchmal gehe ich mit ihnen ins Kino und schaue mir die Filme an.
SPIEGEL ONLINE: Wie war es, dich zum ersten Mal im Kino zu sehen?
Kaan: Der erste Film war "Teufelskicker", den habe ich zusammen mit meinen Freunden und meinen Eltern gesehen. Das war richtig cool. Ich konnte das gar nicht fassen.
SPIEGEL ONLINE: Werdet ihr euch auch "Sprich mit!" angucken?
Kaan: Ja, meine Lehrerin hat schon gefragt.
SPIEGEL ONLINE: Wirst du sie bald im Deutschunterricht ersetzen?
Kaan: Nee, ich mag Deutsch eigentlich nicht so. Sport gefällt mir besser.
Das Interview führte Frauke Lüpke-Narberhaus
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