Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Shootingstars Lena und Helene: Projekt 18

Lena Meyer-Landrut fährt nach Oslo, Helene Hegemann macht Bambule im Bücherland. Beide sind 18 und dick in den Charts. Folgt Weltruhm oder ein Job bei 9Live? Wie kokst man hygienisch korrekt? Und was hat Peer Steinbrück damit zu tun? Hendrik Steinkuhl kennt die Antworten - und die Zukunft.

Fotostrecke

13  Bilder
Lena-Meyer Landrut: Und alle so... Yeaahh!

  • Singt wie Kermit, tanzt wie Grobi: Lena M.-L. geht mir jetzt schon furchtbar auf den Kranz. Muss ich Angst haben, dass sie den Eurovision Song Contest gewinnt und fortan auf Briefmarken gedruckt wird?

Ganz ruhig. Für Liederdeutschland gilt auch Zwanzigzehn: Vor den Erfolg hat Gott den Ukrainer gesetzt. Und den Letten. Und den Esten, den Litauer, den Moldauer, den Georgier. Und die Balkanclique aka Restjugoslawien. Und wenn wir nicht bald überweisen, dann in diesem Jahr auch den Griechen. Die null Punkte aus der Schweiz gehen auf Peer Steinbrück. Der Österreicher, seit Olympia a net mehr so kreuzfidel (nenn Mozart einen Deutschen, mach einen Kellerwitz nach dem anderen, aber lass den Ösi wenigstens beim Schifoan gewinnen), tritt aus Furcht vor einer weiteren Niederlage gar nicht erst an.

Klare Sache: Wir sind von Feinden umzingelt. Und das wird bei diesem Außenminister in den nächsten Jahren auch eher noch schlimmer.

  • Mein Freund liest eigentlich nur Bücher darüber, wie man ein besserer Teamleiter wird, einen Fisch ausnimmt oder einen Carport baut, und alles stets in zehn Schritten. Ich würde ihn gern behutsam an Belletristik heranführen. Hat es Sinn, ihm das Buch von Helene H. zu schenken?

Absolut. "Axolotl Roadkill" funktioniert auch hervorragend als Sachbuch. Ihr Freund erfährt darin unter anderem, dass man mit einem Kassenbon deutlich hygienischer kokst als mit einem Fünfziger, dass man statt Koks auch Ritalin nehmen kann und Hasch sich hervorragend mit Lebkuchen verlängern lässt.

Nutzwert, Amateurporno, Wohlstandsverwahrlosungsdoku und acht bis zehn kluge Gedanken: eigentlich ein Roman für die ganze Familie. Trotzdem im Bücherregal bitte so hoch einsortieren, dass die Siebenjährigen nicht drankommen.

Fotostrecke

7  Bilder
Helene Hegemann: Von 0 auf 18

  • Das alte Spiel: Ein Teeniemädchen (diesmal gleich zwei) wird Popstar, der Presseonkel braucht eine Überschrift, und kommt… nach langem Nachdenken… auf… na? Richtig, "Fräuleinwunder". Mal was anderes. Gelegentlich liest man auch von "Fräulein Wunder", das trauen sich aber nur die Überregionalen. Wir machen es dem Presseonkel zu leicht. Wir brauchen Justus und Kevin in den Charts. Aber was machen die eigentlich? Wo sind unsere 18-jährigen Jungs, wenn man sie mal braucht?

Die sitzen gerade mit einem riesigen Sennheiser-Kopfhörer vorm Rechner und liquidieren im Sekundentakt Pixelmenschen. Seit sie wegen ihres völlig normalen Hobbys ständig erklären müssen, dass sie sich weder gemobbt fühlen noch über einen Nachschlüssel für Papas Waffenschrank verfügen, haben unsere Jungs auch nicht mehr so richtig Bock auf Öffentlichkeit.

Wir sind selber schuld. Immer nur auf Schulnoten und Siegerpokale gucken, null Respekt vor Kill-Rates und digitaler Geiselbefreiung. Setzen Sie sich doch einfach mal ein paar Stunden hinter Ihren Sohn und beobachten, mit welcher Virtuosität er Handgranaten schmeißt. Schönheit entsteht im Auge des Betrachters, es gibt ein Leben im Falschen. Wie sagte doch mein alter StUffz: "Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil."

  • Westerwelle, Oettinger, Meyer-Landrut: Wer spricht das beste Englisch?

Immer noch Lothar Matthäus. I hope we have a little bit lucky.

  • Heute noch "Wetten dass?" und Leipziger Buchmesse, morgen vielleicht schon Möbelhaus-Einweihung und Lesung in der Pfarrbücherei. Bitte einen kurzen Blick in die Glaskugel: Wie gehen die Karrieren von Lena und Helene weiter?

Nächstes Jahr wird Nora Tschirner 30. Im deutschen Fernsehen kann sie dann durchaus noch starke Frauen spielen, die in Afrika eine Farm aufmachen; als jugendliche Liebhaberin von Til Schweiger aber ist sie verbraucht. Die gefeierte Tierfilmreihe "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" ist allerdings noch lange nicht zu Ende erzählt. Für sämtliche Fortsetzungen - von "Dreyfusschnecken" (Ludo und Anna heiraten in Paris) bis "Neunschwänzigekatzen" (die als Hausfrau und Mutter gelangweilte Anna rutscht ins SM-Milieu) - engagiert Til Schweiger das Multitalent Lena Meyer-Landrut.

Die hatte sich nach ihrem guten achten Platz beim norwegischen Wettsingen erst mal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, war wie jede normale Abiturientin mit ihrem Jahrgang für ein paar Monate nach Lloret de Mar gefahren und hatte sich sodann für ein freiwilliges ökologisches Jahr im Hannoveraner Zoo verpflichtet.

"Mir war das alles irgendwann einfach krass too much", sagt sie im großen Interview mit der "Bunten". Dort berichtet sie auch von den unfassbaren Zuständen hinter den Kulissen von "Unser Star für Oslo": Knebelverträge, schlechtes Catering, ein ständig grapschender und Herrenwitze erzählender Matthias Opdenhövel - "und dann hat Stefan Raab hinter der Bühne auch noch ständig sein Gebiss rausgenommen!"

Deutschland hat Mitleid, alle gehen in "Dreyfusschnecken", und Lenas Titelsong, das Blümchen-Cover "Kleiner Satellit (piep, piep)", ist wochenlang Nummer eins in den Charts.

  • Natürlich. Was aber wird nun aus Frollein Hegemann?

Die verschwindet völlig von der Bildfläche. Erst eine Horch&Guck-Truppe der "Bunten" findet heraus, dass sie sich auf ihrem Landsitz im Hunsrück hinter hohen Mauern verbarrikadiert hat. Das schmälert nicht ihren Ruhm und literarischen Einfluss: Helene Hegemann hat nun zahlreiche Epigonen, im Gegensatz zu ihr aber alle miese Stilisten. Den größten Erfolg hat noch eine Fünfzehnjährige, die in ihrem Roman "Ein Spiel für die ganze Familie" die Liebesbeziehung zu ihrem zwölfjährigen Bruder aufarbeitet.

Nach dem Vorbild von Helene Hegemann kehren auch die deutschen Studenten in ihren Hausarbeiten wieder zur bewährten Arbeitsmethode "Copy & Paste" zurück. "Ich habe nicht geklaut, das ist ein Remix!" - es wird die Jugendparole der Zehnerjahre.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ein ätzender Artikel
jürgenkl 28.04.2010
Also ich habe mir nun den Artikel in Spiegel Online durchgelesen und ich muss sagen ich hätte mir diese Zeit echt sparen können. Ich fand diesen Artikel echt ätzend :-(
2. diese....
JacksonBlood 28.04.2010
...zwanghafte Witzigkeit ätzte mehr als der gesamte Artikel, was ansich schon eine Leistung ist. Ebenfalls interessant: Der Autor und ich sowie gefühlte 100 bekannte von mir, haben wohl alle den selben StuffZ gehabt....
3. Über Humor...
pesi82 28.04.2010
Zitat von jürgenklAlso ich habe mir nun den Artikel in Spiegel Online durchgelesen und ich muss sagen ich hätte mir diese Zeit echt sparen können. Ich fand diesen Artikel echt ätzend :-(
...lässt sich ja schlecht streiten. Immerhin haben Sie ihn ja durchgelesen ;) Ich für meinen Teil fand es eine gelungene Abwechslung im Stil und recht amüsant.
4. Haha...
Kosmopolit08 28.04.2010
Endlich ist MTV beim Journalismus angekommen. Als Volontär hat man mir solche Artikel noch um die Ohren gehauen. Klasse das SpOn sich mal traut, stilistisch gegen den journalistischen Einheitsbrei zu gehen...
5. Boaa eij ...
job48 28.04.2010
wie humorlos. Ich, für meinen Teil, musste einfach lachen! Hat gut getan!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Senkrechtstarter: Teenager des Jahrzehnts

Fotostrecke
Jugendszenen: Harte Jungs, schrille Mädchen


Social Networks