Springreiter Maximilian, 17: Arroganz verbietet sich
Mit 17 schon deutscher Meister mit monströsem Turnier-Lkw und einem riesigen Hof als Zuhause? Springreit-Nachwuchstalent Maximilian Lill weiß, wie sich das anfühlt - und was daran gar keinen Spaß macht.
Mehr Pokale als Möbel - schon das Zimmer von Maximilian "Maxi" Lill zeigt, was seine Leidenschaft ist. Zum Interview kommt er direkt aus dem Stall. Er trägt eine enge Reiterhose mit aufgedrucktem Namen, dreckige Reiterstiefel, dicke Daunenjacke - und ein Lächeln, als er meinen Blick auf die Pokale sieht: "Du denkst, das sind schon alle? Ich hab ungefähr achtmal so viele!"
Sein Großvater kauft vor 30 Jahren das Gestüt Katharinenhof in Oberbayern, um es auszubauen und so seiner Passion nachzugehen - dem Reiten. Seine Familie steckt er schnell mit seiner Begeisterung an. Auch seinen Enkel Maxi. "Mit drei Jahren hab ich mein erstes Pony bekommen, das lebt immer noch hier."
Und der Enkel hat Talent, besonders im Springreiten, bei dem Reiter und Pferd einen komplizierten Hindernisparcours überwinden müssen. Mit 15 wird er bayerischer und deutscher Meister bei den Junioren. Wie sich so ein Sieg genau anfühlt, lässt er sich nicht entlocken: "Angeben gehört sich nicht. Es gibt genug Reiter, die arrogant sind."
"Wenn es nicht für die Weltspitze reich, möchte ich studieren"
Jeder seiner Erfolge ist hart erarbeitet. "In den Ferien und am Wochenende trainiere ich den ganzen Tag, reite sieben bis acht Pferde und helfe am Hof. In der Schulzeit schaffe ich nur drei bis vier Stunden." Sein Freundeskreis besteht hauptsächlich aus Reitern, die er auf Turnieren trifft.
Die Schule muss immer wieder zurückstehen. In der zehnmonatigen Turniersaison sieht man Maxi meist nur bis Mittwoch in der Klasse. Letztes Jahr hat er 30 Prozent des Unterrichts versäumt, und in manchen Fächern "fehlen schon die Grundlagen", wie er selbst zugibt. Dafür wird vor Klausuren umso mehr gebüffelt. Doch Maxi will auf jeden Fall durchhalten: "Der Plan ist, erst mal mein Abi zu machen. Danach will ich ein Jahr lang auf einem anderen Gestüt reiten, um etwas dazuzulernen. Wenn es nicht für die Weltspitze reicht, möchte ich studieren, vielleicht wie mein Opa Arzt werden. Alles, um mir später noch Pferde leisten zu können."
Warum nicht einfach nur Reiten? "Ich träume natürlich davon, vom Reiten zu leben. Aber wenn ich es wirklich jeden Tag machen muss, in der Früh bei minus 20 Grad raus, spät nachts heim, will ich es dann immer noch?"
Doch trotz der Zweifel bleibt Maxi seinem Traum treu: "Es gibt bestimmt viele Momente, die ich durchs Reiten zu Hause verpasst habe. Aber wenn ich ein, zwei Tage darauf verzichte, merke ich wieder, dass ich es ohne nicht aushalte."
Von Erik Veenstra für das Jugendmagazin "Spiesser"
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