Von Heike Sonnberger
Erdrückend viele Hausaufgaben, Tests in der Schule oder nervige Eltern und Geschwister: Das macht Kindern schon in der zweiten und dritten Klasse zu schaffen - und zwar ziemlich vielen. Jedes vierte Kind zwischen sieben und neun Jahren fühlt sich oft oder sogar sehr oft gestresst. Das hat eine repräsentative Umfrage unter Schülern ergeben, die der Deutsche Kinderschutzbund und das Prosoz-Institut für Sozialforschung am Mittwoch vorstellten.
Demnach ist es vor allem die Schule, die Zweit- und Drittklässler aus der Ruhe bringt. Jedes dritte Kind gab an, sich davon gestresst zu fühlen. Jedes fünfte Kind wühlt außerdem Ärger und Streit besonders auf und gut jedes sechste hat Stress mit Eltern oder Geschwistern. "Uns hat vor allem überrascht, dass die Schule schon so früh bei relativ vielen Kindern Stress auslöst", sagte Anja Beisenkamp aus dem Autorenteam der Studie, die von einem Schuhhersteller gesponsert wurde. Fast 4700 Schüler aus elf Bundesländern beantworteten dafür einen Fragebogen zu den Themen Gesundheit, Ernährung, Stress und Bewegung.
Fast zwei Drittel der Kinder wünschen sich, dass sie sich öfter einfach mal ausruhen könnten. Um sich zu entspannen und herunterzukommen, schalten Sieben- bis Neunjährige aber nicht automatisch den Fernseher oder Computer an. Deutlich mehr als die Hälfte geht nach draußen oder spielt drinnen, liest, malt oder treibt Sport. Den Fernseher empfindet etwa jedes zweite Kind als entspannend, am Computer spielen etwa vier von zehn Kindern, wenn sie Stress abbauen wollen.
Weitere Ergebnisse im Überblick:
"Wir müssen endlich aufhören, bereits bei Neun- bis Zehnjährigen die Weichen für das gesamte weitere Leben zu stellen", sagte Friedhelm Güthoff, Sprecher des Kinderschutzbundes in Nordrhein-Westfalen. Es könne Kindern viel Stress ersparen, wenn nicht bereits in der vierten Klasse entschieden werde, auf welche weiterführende Schule sie wechseln sollten. In Berlin, wo Schule nicht den ersten Platz im Ranking der Stressfaktoren belegte, dauert die Grundschule sechs Jahre.
Die Macher der Studie untersuchten auch, was Grundschüler über einen gesunden Lebensstil und gesunde Ernährung wissen und was sie tun, um sich fit zu halten. Diese Ergebnisse wurden teilweise bereits in den vergangenen Monaten veröffentlicht, nun liegt erstmals die gesamte Studie vor. "Leider beziehen viel zu viele Kinder ihr vermeintliches Wissen über Gesundheit aus der Werbung", sagte der Mediziner Dietrich Grönemeyer, der die Studie wissenschaftlich begleitete. Hier müssten die Schulen gegensteuern.
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