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StudiVZ und die Rivalen: Wie neue Communitys Schüler umgarnen

Von Florian Steglich

Nach dem verblüffenden StudiVZ-Verkauf für 85 Millionen Euro buhlen Netzwerke jetzt um die Zielgruppe Schüler. Alle teilen die gleichen Vorbilder. Klonen kann sich lohnen: Wer wird als nächster Millionär? Ein SPIEGEL-ONLINE-Überblick über das Sixpack der Rivalen.

Es war der erste ganz große Community-Deal in Deutschland: Für rund 85 Millionen schnappte sich der Holtzbrinck-Verlag zum Jahreswechsel StudiVZ - eine verblüffende Volte im Web-2.0-Hype, zumal das Studentennetzwerk bis dato keinerlei Umsätze einspielt und monatelang durchaus umstritten war. Den Investor überzeugte das rasante Wachstum: von null auf, laut StudiVZ, "über eine Million aktive Mitglieder".

Die jungen Gründer Ehssan Dariani, Michael Brehm und Dennis Bemmann konnten über das Geschäft ihres Lebens frohlocken - die Aufbauarbeit machte sie schlagartig reich. Dabei ist StudiVZ nur ein auf Deutschland zurechtgesägter Klon des großen US-Vorbilds Facebook. Jetzt will StudiVZ sich selbst klonen und auch die Schülerwelt erobern. Aber das wollen andere Plattform-Betreiber ebenso. Vom halben Dutzend Rivalen sind manche seit einigen Wochen online, andere starten demnächst.

Die sechs Schüler-Communitys sehen sich zum Verwechseln ähnlich - kein Wunder, sie haben alle die gleichen Vorbilder. Bisher glänzt keine durch eine spektakuläre eigene Idee. Bei StudiVZ kann man "gruscheln", anderswo jemanden "stupsen", auch "flüstern" und "einladen". Die Kommunikation dreht sich um die Profilseiten der Mitglieder und die mal hilfreichen, oft harmlos-albernen Gruppen.

Alle Gründer suchen noch nach dem "Killer-Feature". Anja Kazda von Schuelerprofile.de betont den Chat und die Möglichkeit zum Bloggen. Philip Conrath von SchuelerRG nennt die "Brieffreunde"- Funktion. Bei Schueler.CC bekommt jede Klasse einen eigenen Bereich mit Diskussionsforum. Und Mystubz.com und Schuelernetz.de wollen den Schulalltag erleichtern - Moritz Helten spricht etwa von einem Vokabeltrainer.

Das Wettrennen läuft

"Ich hoffe sehr, dass sich der Innovativste durchsetzt", sagt Philip Conrath. Das Wettrennen läuft, für sechs oder noch mehr Schüler-Netzwerke ist auf dem Markt kein Platz. In den letzten Wochen gab es unter den Machern Gespräche über mögliche Kooperationen, wie der Berliner Student Karsten Wenzlaff in seinem Blog verrät. Dabei war unter anderem Christian Beilborn, zuvor Sprecher der Jugendpresse Deutschland und frisch angeheuert vom SchuelerVZ-Team. Aus Allianzen scheint indes nichts zu werden. Die Gründer von Schueler.CC und SchuelerRG schließen das derzeit aus; auch mit StudiVZ habe man zwar geredet, aber keinerlei Absprachen getroffen. Alle setzen nun auf den Aufbau der eigenen Plattform.

Ein wenig fiebrig wirken die Betreiber. So raunen die SchuelerCC-Gründer in einer Pressemitteilung vom "nächsten heißen Internet-Startup". Weil vor allem Mundpropaganda den Erfolg sozialer Netzwerke ausmacht, ist Zeit Geld. Wer sich einmal bei einem Netzwerk angemeldet und dort Freunde angetroffen hat, wechselt so bald nicht. Philip Conrath hofft, dass es nicht auf einen Monopolisten hinausläuft wie bei den Studenten-Communitys: "Ich glaube, dass auch kleinere, lokale Netzwerke eine Chance haben." Denn Schüler sind untereinander nicht so stark bundesweit vernetzt wie Studenten.

Es gehe nicht darum, "möglichst schnell Millionär zu werden", beteuert Conrath. Wenn SchuelerRG soviel erwirtschaftet, dass es für den Betrieb ausreicht, genüge ihm das. Mit Herstellern von Abi-Merchandising hat sein Team schon über Werbung und Kooperationen gesprochen. Nervende Banner solle es aber nicht geben. Das sagen auch die SchuelerCC-Gründer: Möglichst lange soll die Community werbefrei bleiben und sich aus Überschüssen anderer Projekte finanzieren. Auch Moritz Helten von Schuelernetz.de sähe lieber dezente Provisionsmodelle als klassische Bannerwerbung. Mystubz geht einen anderen Weg: Neben Werbung setzen die Gründer auf kostenpflichtige Features, verraten aber noch nicht, welche.

Ein Paradies für Pädophile?

Der Werbemarkt für soziale Netzwerke ist ohnehin knifflig. "Communitys sind erst dann wirklich interessant, wenn sie echte 'Brands' sind", so Damian Spyra vom Onlinevermarkter AdLink. Nur dann kämen sie in Frage für eine exklusive Vermarktung mit höheren Einnahmen als bei breit gestreuten Kampagnen. Und auch das Google-Adsense-Modell mit kontextbasierter Werbung bringt Communitys oft weniger ein als anderen Webseiten - statt Informationen will man in Communitys Unterhaltung und klickt daher seltener auf Werbelinks.

"Der Onlinewerbemarkt für die Zielgruppe Schüler ist eher dürftig", sagt auch Stefan Klingberg vom Häfft-Verlag, auf Schüler-Publikationen spezialisiert und mit der Community haefft.de seit 1998 im Web. Zudem: Lukrative Werbeformen etwa von Banken und Versicherungen, bei denen direkt Geschäfte abgeschlossen werden können, seien bei Minderjährigen schlicht nicht möglich.

Bei Schülern könnten noch heiklere Probleme drohen. StudiVZ kämpfte mit Datenschutzlücken und Stalkergruppen - in einer Schülercommunity werden das Fragen des Jugendschutzes. Netzwerke leben davon, dass die Mitglieder viel von sich preisgeben. Das könnte eine Schülercommunity schnell zum Pädophilen-Paradies machen. Um das zu verhindern, braucht man viel Personal. Und das kostet.

"Wenn man auf so einer Plattform zum Beispiel das Hochladen von Videos erlaubt, muss man die alle kontrollieren - rund um die Uhr", sagt Klingberg. Alle Gründer setzen auf Moderatoren und verlassen sich auch auf die Nutzer, die Regelverstöße melden können. "Wir löschen dann lieber, als um der Masse willen Leute drinzulassen, die wirklich Ärger machen", so Sebastian Schmitt von SchülerCC.

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Forum - Web-Communities für Schüler - Erfolg programmiert?
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1.
descartes101, 09.02.2007
---Zitat von sysop--- Nach dem StudiVZ-Verkauf für 85 Millionen Euro buhlen Netzwerke jetzt um die Zielgruppe Schüler. Das Vorbild ist klar - Unterschiede sind kaum auszumachen. Kann ein ähnlicher Millionen-Deal gelingen? ---Zitatende--- Wen juckt's? Ein Haufen Nachfolgetäter, die auf dem Erfolgswagen trittbrettfahren wollen, wobei ja die 'Vorbilder' bekanntermassen schon Trittbrettfahrer wahren. Mit wenig Aufwand viel Kohle machen zu können ist halt eine starke Motivation, vor allem wenn man sonst nix kann. Früher wurde wer nichts wird Wirt, heute macht er eine Online-Community auf.
2.
Archer 09.02.2007
---Zitat von sysop--- Nach dem StudiVZ-Verkauf für 85 Millionen Euro buhlen Netzwerke jetzt um die Zielgruppe Schüler. Das Vorbild ist klar - Unterschiede sind kaum auszumachen. Kann ein ähnlicher Millionen-Deal gelingen? ---Zitatende--- StudiVZ war ja schon ein Meisterstück der dotcom-Blase-Reloaded. Man hole sich relativ ahnungslose Wirtschaftsbindestrichstudenten und BWLer, gebe ihnen seitens Holtzbrink Risikokapital und kopiere facebook. Weil facebook aber nicht wirklich kaufen will, kaufe Holtzbrink von Holtzbrink die Firma ab, um den Preis ein wenig in die Höhe zu treiben und die Bücher zu schminken. Dabei versüße man den Vorzeigekaspern den Abschied mit ein paar Millionen. Nur leider will facebook mit der Offerte jetzt noch nicht so rüberkommen, aber man hat ja noch ein wenig Zeit. Alldieweil werden Daten gesammelt und gesammelt und die Studenten gruscheln sich brav alle an und hinterlassen super Profile für Marketing und sonstige Zwecke. Wenn dann die Daten ins Ausland vertickt werden sind sie auch endlich von deutschen Datenschutzgrundsätzen befreit. Und als wäre das nicht genug, beginnt jetzt auch noch das Wettrennen der "wie mach' ich's am besten nach?"-Jungs. Grausam, einfach grausam, womit man heutzutage Tauschmittel abgreifen kann.
3.
El Ackabar, 10.02.2007
Ich habe eine viel bessere Idee: Eine Community-Seite für die Wirtschaftsgenies, die unheimlich viel Geld für den Aufkauf anderen Community-Seite verbrannt haben. Da dürfte betreffs der Mitgliederzahl ja einiges an Wachstumspotenzial drin sein. Finanziert wird das ganze durch Werbung, kostenpflichtige Zusatzfunktionen ("Die neuste Businessenglish-Floskel für dein Handy!") und die vage Aussicht, wiederum von einer Community-Seite übernommen zu werden.
4. Schlecht recherchiert
marchilger 11.02.2007
Hallo, schöner Artikel, aber leider echt schlecht recherchiert. Die genannten Communities sind allesamt echt schlechte Kopien des Original "facebooks" mit sehr wenigen Mitgliedern und Nutzern. Dabei gibt es in Deutschland schon seit über 10 Jahren eine sehr erfolgreiche Schüler-Community: http://www.young.de. Es handelt sich dabei um eine sehr umfangreiche Mischung aus Myspace, Facebook, einer Hausaufgabensammlung und einem Online-Magazin. Dass ausgerechnet Spiegel Online ein "deutsches Original" so vergisst finde ich schade. Ich selbst bin seit ca. 3 Jahren bei young.de sehr aktiv (in Foren und Clubs) und habe dort sehr viele nette Menschen kennengelernt. Liebe Grüße aus Kolping, Marc Hilger
5.
Zweitausendsieben, 11.02.2007
---Zitat von marchilger--- schöner Artikel, aber leider echt schlecht recherchiert. Die genannten Communities sind allesamt echt schlechte Kopien des Original "facebooks" ---Zitatende--- Du hast aber schon gemerkt, daß es genau darum in dem Artikel geht, oder? Es steht übrigens auch "neue Communitys" in der Überschrift. Ich mein' ja nur.
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