Tattoo als Lebensbeichte: "Ich wollte es auf der Haut tragen"

Dudelsack-Tattoo auf dem Rücken, Kreissäge über dem Herzen, eine geflügelte Schreibmaschine - was mag das nur bedeuten? Das Jugendmagazin Jetzt.de hat fünf Jugendliche gefragt, was sie mit ihrem Körperschmuck ausdrücken wollen. Die Erklärungen sind verblüffend.

Mit Tattoos ist es so eine Sache: Wer sich leichtfertig irgendein Motiv sticheln lässt, schämt sich vielleicht ein paar Jahre später für die Jugendsünde. Andere basteln jahrelang am geeigneten Bild unter.

Das Jugendmagazin Jetzt.de hat fünf Jugendliche befragt, die sich besonders viele Gedanken um ihr Tattoo gemacht haben, um ihr Leben in Körperkunst zu verpacken. Sie erzählen, warum sie sich in stundenlangen Sitzungen haben pieken lassen - und welche Geschichte sie mit ihrer aufwändigen Körperkunst verbinden.

Jo: Heilige Maria trifft auf Kubismus

All Style Tattoo

"Anfangs hatte ich keine Vorlage für mein Motiv, es ist dann aus meinen eigenen Ideen und Recherchen entstanden. Es besteht aus zwei Teilen, einem spirituellen und einem stilistischem. Was die Kunstform angeht: Ich mag den Stil des Kubismus sehr gerne. Ein kubistisches Kunstwerk basiert meistens auf geometrischen Formen, das gefällt mir.

Und zum Spirituellen: Ich bin definitiv ein gläubiger Mensch. Ich bin nicht streng gläubig erzogen worden, aber da ich in einem kleinen Dorf in Süddeutschland groß geworden bin, hatte ich schon früh einen Bezug zum Glauben. Ich bin heute nicht mit der Kirche im Einklang, ganz im Gegenteil. Ich sehe Religion einfach spirituell. Durch ein persönliches Erlebnis, den Tod meiner Mutter, habe ich mir viele Gedanken über mein Verhältnis zu meinen Eltern gemacht. Ich kann nur Gutes darüber sagen, hatte eine wunderbare Kindheit und konnte meine Gedanken frei ausleben, habe gelernt, Respekt zu haben und viel Liebe mitbekommen.

Die heilige Maria steigt im Motiv über zwei Grabsteinen auf, deren Symbole einmal für 'Vater' und einmal für 'Mutter' stehen. Das sind hebräische Schriftzeichen. Die Schriftzeichen, die im oberen Teil des Motivs eingearbeitet sind, das ist das sechste Gebot: 'Du sollst Vater und Mutter ehren, damit du lange lebst auf Gottes Erden.' Das Tattoo ist für mich eine persönliche Danksagung an meine Eltern."

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