Mutproben für Jugendliche: Was uns Angst macht

Kathi fürchtet Vorträge, Yassin traut sich nicht, der besten Freundin seine Liebe zu gestehen, und Leonie will irgendwann Fallschirmspringen. Im Jugendmagazin "Yaez" erzählen Jugendliche von ihren Ängsten und wie sie Mut sammeln, um sie zu besiegen.

Manchmal müssen wir etwas wagen - das fällt aber meistens schwer. Weil Mut verdammt viel Überwindung kostet und wir auch ein bisschen Angst vor dem Ungewissen haben. Das ist eigentlich schade, denn Mut macht glücklich! Leonie, Yassin und Kathi erzählten dem Jugendmagazin "Yaez" von ihren Mutproben.

Leonie, 15: Hat vor acht Monaten ihr Facebook-Profil stillgelegt Zur Großansicht
Lisa-Marie Schmidt

Leonie, 15: Hat vor acht Monaten ihr Facebook-Profil stillgelegt

Was ist für dich mutig?

Wenn man etwas macht und hundertprozentig dahintersteht - ganz egal, wie andere das finden.

Wofür sammelst du gerade Mut?

Fürs Fallschirmspringen! Jetzt habe ich noch Angst davor. Aber ich weiß: Wenn man diesen einen Moment überwindet, freut man sich im Nachhinein total, dass man es geschafft hat.

Warst du schon mal mutig?

Ich habe schon immer gern gesungen, aber nur für mich - bis ich zusammen mit einem Freund unsere Band "Amandary" gegründet habe. Als es darum ging, unser erstes Video ins Internet zu stellen, hatte ich einfach Angst vor Kritik: Würden die Leute denken, dass ich einfach nur berühmt werden will - dass es mir also gar nicht wirklich um die Musik geht? Da habe ich gemerkt, dass ich zu viel auf die Meinung der anderen gebe. Das hat am Ende nur noch Druck in mir ausgelöst. Ich habe dann vor acht Monaten mein Facebook-Profil stillgelegt. Seitdem geht es mir viel besser - und ich habe genau die gleichen Freunde wie vorher!

Yassin, 19: Will seiner besten Freundin sagen, dass er verknallt in sie ist Zur Großansicht
Lisa-Marie Schmidt

Yassin, 19: Will seiner besten Freundin sagen, dass er verknallt in sie ist

Wofür sammelst du gerade noch Mut?

Vom Zehnmeterbrett springen. Aber ich schaffe es noch nicht mal, die Treppe hochzugehen. Und meiner besten Freundin sagen, dass ich heimlich in sie verknallt bin. Aber ich traue mich seit zwei Jahren nicht.

Wann warst du mal mutig?

In meiner Klasse war ein Typ, der von anderen immer fertiggemacht wurde. Okay, der war auch ein bisschen komisch. Aber jemanden wegen seiner roten Haare zu dissen, finde ich echt daneben. Das hat sich über Monate hochgeschaukelt. Nach der Sportstunde wollten ein paar Jungs aus meiner Klasse diesen unbeliebten Typen schlagen. Ich bin dazwischengegangen, habe gerufen: "Bevor ihr ihn kloppt, müsst ihr erst an mir vorbei!"

Was konkret hat dich Mut gekostet?

Ich habe mich mit allen in der Klasse gut verstanden und wusste, dass ich meine eigene Beliebtheit riskiere, wenn ich mich auf die Seite des unbeliebten Typen stelle. Aber ich habe meinen Mut zusammengenommen - mir was es wichtiger, dass es nicht weiter so ungerecht in der Klasse zugeht. Hinterher habe ich dann auch mit allen gesprochen und ihnen klargemacht, dass wir zusammenhalten müssen. Der Typ und ich, wir wurden danach auch richtig gute Freunde.

Kathi, 16: Hat eine Rede vor der ganzen Schule gehalten Zur Großansicht
Lisa-Marie Schmidt

Kathi, 16: Hat eine Rede vor der ganzen Schule gehalten

Was ist für dich Mut?

Wenn man eine Angst überwindet, die man schon lange hat. Das muss gar nichts Außergewöhnliches sein. Bammel vor etwas ist ja immer was sehr Persönliches - was andere vielleicht gar nicht verstehen können. Ich finde zum Beispiel Leute mutig, die ein Auslandsjahr machen. Das würde ich mich nicht trauen.

Hast du schon mal was mit ganz viel Mut geschafft?

Ich war jahrelang Klassensprecherin und auch Tutorin - habe mich aber nie getraut, Schülersprecherin zu werden. Irgendwann haben mich die Vertrauenslehrer angesprochen und ein bisschen überredet. Vor zwei Jahren habe ich dann meinen ganzen Mut zusammengenommen und eine Wahlrede vor der ganzen Schule gehalten. Vorher habe ich natürlich eine Rede geschrieben, sie in meinem Zimmer geübt und auch meinen Eltern gezeigt. Vor der Rede war ich total aufgeregt, habe fast geheult. Ich hatte echt Angst davor, dass ich mich verspreche oder dass ich was sage, was meine Mitschüler nicht gut finden. Ich war damals in der 9. Klasse, gerade die Leute aus der Oberstufe kannten mich ja nicht. Und dann hatte ich natürlich Schiss, dass ich nicht gewählt werde und mein ganzer Mut umsonst war.

Wie hast du dich nach deinem Auftritt gefühlt?

Total gut! Und stolz! Manche sind auch zu mir gekommen und haben gesagt, dass sie die Rede gut fanden. Und meine Eltern waren natürlich auch richtig stolz. Mittlerweile bin ich ja schon das zweite Jahr Schülersprecherin.

Von Kira Brück (Text) und Lisa-Marie Schmidt (Fotos) für das Jugendmagazin "Yaez"

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