Schüler und ihre Smartphones: "Am Esstisch ist handyfreie Zone"
5. Teil: Lehrer Andreas Hamborg: "Wir sind Kontrollhunde"
"Ich hatte mal einen Sechstklässler, der Fotos gemacht hat, wenn ich mich über etwas aufgeregt habe. Die Fotos hat er tatsächlich ins Internet gestellt. Damit so etwas nicht passiert, müsste man eigentlich sämtliche Taschen untersuchen oder die Handys auf den Tisch legen lassen. Auch während des normalen Unterrichts und nicht nur während Klausuren. Das ist aber schwer umzusetzen.
In der Schule sind Handys verboten. Das ist das einzige, was wir machen können. Wenn ein Schüler erwischt wird, sammeln wir es ein. Dann muss er es beim Direktor abholen. Das ist natürlich für das Sekretariat und den Schulleiter sehr nervig, wenn dort immer 15 Handys liegen. Auf Klassenfahrten haben wir abends Handyverbot, weil sonst ohne Ende gequatscht wird. Im Grunde sind wir nur Kontrollhunde, die die Handys einsammeln.
Bei unseren Musikproben lesen die Schüler immer wieder in ihren Handys und bekommen dann nicht mit, wo sie im Musikstück einsetzen müssen. Wir machen etwas Schönes zusammen, aber jeder hat so ein Smartphone, das immer wichtiger ist als der eigentliche Moment. Es geht nicht mehr um den Nächsten, mit dem ich mich unterhalten will.
Ich war mal mit Schülern auf einer Ski-Freizeit, da lassen sie ihre Handys irgendwo liegen, in einem Ski-Schuh zum Beispiel. Man denkt sich: '500 Euro liegen einfach rum.' Sie müssen ihre Handys immer um sich haben, egal, ob es abhanden kommen könnte. Als ob sie denken: 'Ich brauche den Porsche oder den BMW - selbst wenn ich damit nur zum Briefkasten fahre.' Es ist offensichtlich schick, ein neues Gerät zu haben. Es ist ein Statussymbol.
Vielleicht ist mein Blickwinkel eingeschränkt, wozu ein Smartphone nützlich ist. Ich bin Jahrzehnte ohne solche Sachen zurechtgekommen. Für mich ist die direkte Kommunikation viel mehr wert, als über so ein Ding zu reden.
Da ich echt kein Profi bin, kann ich nicht sagen, ob die Schüler viel mit Smartphones spicken. Ich habe sie noch nicht erwischt, weiß aber natürlich, dass Schüler immer spicken. Ich weiß allerdings nicht, was technisch möglich ist. Uns muss eigentlich gezeigt werden, welche Möglichkeiten wir haben, mit Smartphones an Informationen heran zu kommen. Das wäre wirklich erhellend."
- 1. Teil: "Am Esstisch ist handyfreie Zone"
- 2. Teil: Marijana, 15 - "Das Spicken geht sehr gut mit einem Smartphone"
- 3. Teil: Benedict, 15 - "Nur 30 Sekunden... Aber es dauert immer länger"
- 4. Teil: Jacob, 15 - "Ich fühlte mich ein wenig ausgeschlossen"
- 5. Teil: Lehrer Andreas Hamborg: "Wir sind Kontrollhunde"
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- Freitag, 11.01.2013 – 09:48 Uhr
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