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Nordrhein-Westfalen: Jurist hält Besoldung von Lehrern für verfassungswidrig

Bio-Unterricht einer achten Klasse: gleiche Ausbildung, unterschiedlich viel Geld Zur Großansicht
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Bio-Unterricht einer achten Klasse: gleiche Ausbildung, unterschiedlich viel Geld

Grundschullehrer verdienen oft weniger als ihre Kollegen an Gymnasien. In Nordrhein-Westfalen sei das rechtswidrig, sagt nun ein Würzburger Rechtsprofessor. Der Grund: In dem Bundesland studieren alle künftigen Lehrer gleich lang.

Die Ausbildungsdauer ist gleich - der Kontostand aber nicht. Dass Lehrer in Nordrhein-Westfalen je nach Schulform unterschiedlich bezahlt werden, ist aus Sicht eines Rechtsexperten verfassungswidrig.

Demnach lasse es sich nicht länger rechtfertigen, dass Lehrer an Grundschulen und in der Sekundarstufe I weniger verdienen als Lehrer an Gymnasien, Berufskollegs und in der Sekundarstufe II. Zu dem Schluss kommt der Würzburger Jura-Professor Ralf Brinktrine in seinem Gutachten für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Nachdem 2009 ein einheitlicher Ausbildungsrahmen für alle Lehrer in Nordrhein-Westfalen beschlossen wurde, seien alle Rechtfertigungen für unterschiedliche Besoldungen entfallen, erläuterte Brinktrine. Für alle Lehrämter müssen seitdem zehn Semester Hochschulstudium plus 18 Monate Referendariat absolviert werden.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann sagte eine gründliche Prüfung des Gutachtens zu. Viele andere Bundesländer mit gleich langer Lehrerausbildung hätten bislang die Besoldung auch nicht geändert. "Nicht jede Forderung, die ich nachvollziehen kann, kann ich auch direkt umsetzen", sagte Löhrmann.

Die Besoldung von verbeamteten Lehrern ist - wie deren Ausbildung - von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Gewerkschaften monieren immer wieder, dass das System ungerecht sei.

Mehr Geld für Lehrer in Schleswig-Holstein

"Alle Lehrkräfte müssen heute Schlüsselqualifikationen vermitteln, Schüler mit Migrationshintergrund integrieren, inklusiven Unterricht auch für behinderte Kinder anbieten und mit Heterogenität in ihren Klassen umgehen", sagte der Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen, Udo Beckmann. Der VBE führe seit Längerem ein gerichtliches Verfahren, um festzustellen, ob die Besoldung von Lehrkräften verfassungswidrig sei. Es liege beim Verwaltungsgericht Arnsberg zur Entscheidung.

In Schleswig-Holstein hatte der Landtag am Mittwoch für eine bessere Bezahlung der Lehrer an Gemeinschaftsschulen gestimmt. Sie rücken in die Besoldungsgruppe A13 auf, nach der bereits die Lehrer an Gymnasien vergütet werden. Grundschullehrer bleiben dagegen in der Besoldungsgruppe A12. Damit verdienen sie laut GEW bis zu 450 Euro weniger im Monat als ihre Kollegen an weiterführenden Schulen.

Auch in Schleswig-Holstein absolvieren alle Lehrer eine gleich lange Ausbildung. Die Besoldung richte sich aber nicht nach der Ausbildung, sondern nach der Tätigkeit, sagte Bildungsministerin Britta Ernst im Landtag.

Ich bin Lehrer, und so viel verdiene ich

lov/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
Abel Frühstück 22.01.2016
Na ja, mit Verlaub. Die Prüfungsanforderungen und das Lernniveau für Sek I und Sek II waren - jedenfalls zu meiner Studienzeit - doch deutlich unterschiedlich.
2.
Phil2302 22.01.2016
Was für ein Unsinn!Es mag zwar stimmen, dass die Lehrer gleich lange studieren - aber nicht gleich schwer! Ich kenne viele Kollegen, die nur die S I unterrichten dürfen, weil ihnen das Studium für die S II zu schwer war. Vor allem, was ich am allerwenigsten verstehe: Ich weiß doch vorher, dass ich als Grundschullehrer nur A12 bin. Wenn mir das nicht passt, muss ich eben auch für die A13 Stelle studieren. Aber wem sage ich das, der Religion/Sport Lehrer verdient ja auch soviel wie der Lehrer, der MINT Fächer unterrrichtet (und vor allem studiert hat).
3. Vom falschen Ende her argumentiert
coyote38 22.01.2016
Die Beamtenbesoldung bzw. das Angestelltengehalt ist doch nicht von der Studiendauer abhängig, sondern von der haushalterischen Einwertung der Stelle bzw. des Dienstpostens. Und dass ein Oberregierungsrat (A14), der Mathe-, Chemie- oder Physik-Leistungskurs in der Oberstufe eines Gymnasiums unterrichtet, anders besoldet/bezahlt wird als jemand der in der 1. Klasse 6-jährigen Kindern Schreibschrift beibringt, dürfte einleuchten ... sogar einem Jura-Professor ...^^
4. ...
jujo 22.01.2016
Wenn die Studienlänge gleich ist, die Inhalte vergleichbar ähnlich sollte auch die Besoldung gleich sein. Es ist schon gerecht, wenn ein Hauptschullehrer mit 90% Migranten in der Klasse gleich besoldet wird wie der Gymnasiallehrer auf einem kuscheligen elitären Gymnasium im Speckgürtel von HH, wo die wenigen Migranten eher als exotische Bereicherung als eine Belastung gesehen werden.
5. Bis Heute habe ich die Besldungsunterschiede bei Lehren nicht verstanden!
sikasuu 22.01.2016
Der Unterschied zw. dem Vermitteln von Grundkenntnisssen wie lesen DŚchreiben, und Sachkunde (mit viel paedagogischem Wissen wichtige Grundlagen legen) und der Vermittlung von linearer Algebra, den Texten von z.B Sturm und Drang, moderner Literatur erschliest sich mir nicht! . MMn. ist es sogar leichter mit grösseren Kindern, so ab 14-16 zu Arbeiten, als mit den noch sehr emotionalen KLienen die Grundlagen zu erarbeiten. . Auf das Gutachten und die darin enthaltenen Begründungen bin ich mal gespannt! . Die Reine UNI-Zeit zu rechnen .ist doch ein wenig schmal gesehen.
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