Leibesvisitation bei Schülern: Polizei sucht in Unterhosen Fünf-Euro-Schein

Der Polizist besuchte die Schule, um zu helfen. Er sollte Schülern beibringen, sich vor Gewalt zu schützen. Doch das ging in die Hose: Als ein Mädchen fünf Euro vermisste, ordnete er eine Leibesvisitation an - und die Schüler mussten sich ausziehen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Polizist in Bayern (Archiv): Nach einem Präventionsseminar ermittelt die Staatsanwaltschaft Zur Großansicht
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Polizist in Bayern (Archiv): Nach einem Präventionsseminar ermittelt die Staatsanwaltschaft

Die Schüler sollten von dem Polizeibeamten eigentlich lernen, wie sie sich vor Gewalt schützen können, vor Mobbing und Ausgrenzung. Dafür hatte er am Dienstagvormittag eine Münchner Schule besucht. Doch statt zu lernen, litten einige Schüler offenbar: Denn wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen des Anfangsverdachts der Nötigung.

Die Zeitung schildert den Vorfall so: Der Polizist besuchte die achte Jahrgangsstufe der Schule im Rahmen des Präventionsprojektes "Zsammgrauft", 29 Schüler nahmen teil. Während des Seminars habe dann eine Schülerin gesagt, ihr seien fünf Euro aus der Jackentasche gestohlen worden. Der Polizist habe zu den Schülern gesagt, sie könnten das Geld anonym und freiwillig im Nebenraum deponieren. Als das nicht passierte, habe der Beamte Verstärkung für eine Leibesvisitation angefordert.

Viele Schüler kamen am nächsten Tag nicht zur Schule

Insgesamt seien vier Polizisten an der Schule gewesen, zwei Männer und zwei Frauen, sagte der Polizeisprecher Wolfgang Wenger. Sie durchsuchten die Schüler, ließen die Hosentaschen ausleeren, die Kleidung kontrollieren. Das ist in so einem Fall durchaus üblich. Doch bei einigen Schülern seien die Kollegen offenbar zu weit gegangen: "Zum Teil mussten Schülerinnen kurz den BH öffnen, bei manchen Schülern wurde in die Unterhose geschaut", sagte der Sprecher der Zeitung. Die fünf Euro fanden sie nirgends. Offenbar war auch ein Lehrer dabei, als die Polizei die Schüler durchsuchte. Er soll nichts unternommen haben.

Angehörige einer Schülerin hätten am Nachmittag die Polizei kontaktiert, daraufhin seien sofort Beamte an die Schule gefahren, um den Fall aufzuklären. Noch hätten sie nicht alle Schüler und Eltern befragt, aber die Vorwürfe hätten sich nach derzeitigem Stand erhärtet.

Einige Schüler hätten diese Situation als so traumatisierend erlebt, dass sie am nächsten Tag die Schule nicht besuchten. Eine Sprecherin des Schulreferats wollte die Ereignisse nicht bewerten, sie sagte der "Süddeutschen Zeitung" nur: "Wir nehmen aber das, was uns die Schüler erzählt haben, sehr ernst und wollen die pädagogische Verantwortung für die Aufarbeitung übernehmen." So könnten die Schüler sich an einen Schulpsychologen wenden.

Der Vorfall müsse geklärt werden, sagte Polizeisprecher Wenger. Ob die Beamten mit disziplinarrechtlichen Konsequenzen rechnen müssten, sei noch offen.

fln/otr

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insgesamt 158 Beiträge
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1.
flaschenöffner 30.11.2012
Jaja, das ging in die Hose, was das Ansehen der Polizei betrifft. Klassischer Fall von: Andere Länder, andere Sitten. Schade. Tut mir echt leid, dass die Polizei das Vorurteil der Linksradikalen mal wieder bestätigt hat. Aber jetzt wieder schön zurück zum sich über Russland empören, ja?
2. Total normal!
Humboldt 30.11.2012
Zitat von sysopDPADer Polizist besuchte die Schule, um zu helfen. Er sollte Schülern beibringen, sich vor Gewalt zu schützen. Doch das ging in die Hose: Als ein Mädchen fünf Euro vermisste, ordnete er eine Leibesvisitation an - und die Schüler mussten sich ausziehen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leibesvisitation-polizei-durchsucht-schueler-bis-auf-die-unterhose-a-870305.html
"Einige Schüler hätten die Situation als traumatisierend erlebt" Ach Gottchen! Das war doch nur ein realer Vorbereitungskurs für die Drangsalierungen, welche Demonstranten auf Castortransporten und Antifa-Demos regelmäßig drohen. Und auch unsere normalen Fußballfans (nicht gewaltätige Hooligans) werden ein Liedchen davon singen können, sich regelmäßig ins Unterhöschen von den Bullen schauen zu lassen (könnte ja Pyrotechnik drinnen sein). Also, liebe Bürgersöhnchen, habt Euch mal nicht so!
3. Da fragt man sich ernsthaft...
Hupert 30.11.2012
Zitat von sysopDPADer Polizist besuchte die Schule, um zu helfen. Er sollte Schülern beibringen, sich vor Gewalt zu schützen. Doch das ging in die Hose: Als ein Mädchen fünf Euro vermisste, ordnete er eine Leibesvisitation an - und die Schüler mussten sich ausziehen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leibesvisitation-polizei-durchsucht-schueler-bis-auf-die-unterhose-a-870305.html
...welchen Anforderungen diese Beamten gerecht werden müssen um überhaupt eine solche Laufbahn einzuschlagen. Einfach nur noch peinlich, und dann auch noch wundern, daß man vom Bürger nicht mehr ernstgenommen wird. Angesichts dieser Umstände ist für den mündigen Bürger nur noch Fremdschämen angesagt...
4. Schlimm
FrankDr 30.11.2012
Solch ein Verhalten ist maßlos übertrieben und auch in pädagogischer Hinsicht mehr als zweifelhaft. Aber wenn ich dann schon höre: "traumatisiert"; "Schulpsychologe", "kamen nicht mehr in die Schule",... man kann es auch wieder übertreiben. Die Eltern schwingen dann wieder ein paar Stufen zu hoch und die Schüler nutzen schulfrei und da ihnen die Aufmerksamkeit gewiss ist, bauschen sie es natürlich auf. Dennoch ist und bleibt das Verhalten der Polizei hier inakzeptabel, sollte es denn wirklich so drastisch gewesen sein (ich bezweifle stark, dass man die Schüler wirklich hat ausziehen lassen, sondern eben nur mal gesagt hat "zeig mal, ob du es nicht einfach in XY geschoben hast" und hier überdramatisiert wird)
5. Gemach, gemach
ausländer33 30.11.2012
Zitat von sysopDPADer Polizist besuchte die Schule, um zu helfen. Er sollte Schülern beibringen, sich vor Gewalt zu schützen. Doch das ging in die Hose: Als ein Mädchen fünf Euro vermisste, ordnete er eine Leibesvisitation an - und die Schüler mussten sich ausziehen. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leibesvisitation-polizei-durchsucht-schueler-bis-auf-die-unterhose-a-870305.html
Das ist das bayerische System. Denn Bayern ist ein *Rechts*staat. Regensburg am 30. April 2009 Pfaffenhofen am Inn am 15. November 2010 Aschaffenburg am 7. Oktober 2010 München Rosenmontag 2011 Rosenheim am 3.9.2011 usw. usw. Aber das sind alles nur Einzelfälle!!!
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