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Vokabeln pauken: Diese Lernmethoden sind die besten

Von und Claudia Malangré (Video)

Lernexperiment: Eine Stunde Dänisch Fotos
SPIEGEL ONLINE

Wer eine Sprache lernt, muss Vokabeln pauken. Sind Karteikarten oder der Vokabeltrainer besser? Helfen Eselsbrücken auf die Sprünge - oder Yoga? Acht Schüler haben es ausprobiert.

Hamburg, in den Redaktionsräumen von SPIEGEL ONLINE: Acht Schüler der zwölften Klasse treten zum Praxistest der Lerntheorien an. David, Philipp, Milena und Marike, alle 17 Jahre alt, besuchen das Theodor-Heuss-Gymnasium Pinneberg. Eçe, Merle, Lena und Michel, alle 18 Jahre alt, kommen vom Matthias-Claudius-Gymnasium in Hamburg-Wandsbek. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie können kein Dänisch.

Heute aber sollen sie hundert dänische Wörter lernen, von "Agurk" bis "Vandmand". Dabei ist die Methode entscheidend: Eine Stunde lang büffeln die Schüler nach einem vorgegebenen Prinzip. Ein anschließender Vokabeltest soll zeigen, ob darunter besonders effektive Methoden sind, um viele Vokabeln schnell in den Kopf zu kriegen.

Bestimmte Mnemotechniken, also Merkhilfen, versprechen etwa eine Leistungssteigerung des Erinnerungsvermögens mithilfe von Grafiken, Reimen oder Merksätzen. Meister des Mentaltrainings können sich mit diesen Kniffen mühelos tausendstellige Zahlen einprägen. Der deutsche Gedächtnissportler Gunther Karsten, 53, hielt mehrere Jahre lang den Weltrekord im Einprägen von willkürlichen Zahlenabfolgen: Er schaffte 1949 Ziffern.

Vokabeltrainer für Handy oder Computer setzen auf einen anderen Effekt: Entertainment beim Pauken. Soll der Lernprozess so spielerisch sein wie bei einem Online-Game? Oder bringt es mehr, wenn Körper und Geist durch Yoga und Musik entspannt bleiben, wie Vertreter der Superlearning-Methode behaupten? Die Hamburger Schüler probieren es aus.

Methode A: Lernen mit Bildern

Michel, 18, und Ece, 18, lernen mit 100 Bilderkärtchen. Der Aufwand für diese Methode ist groß, denn für jede Vokabel muss ein Bild gefunden, ausgedruckt, ausgeschnitten und beschriftet werden. Der Vorteil: "Das Gedächtnis funktioniert visuell besser", sagt Gunther Karsten, Gedächtnisweltmeister und Buchautor. Allerdings lassen sich abstrakte Begriffe, Füllwörter oder Konjunktionen nur schwierig bildlich darstellen. Im Video erklärt Michel, wie er mit dieser Methode zurechtkam:

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Methode B: Assoziationssätze

David, 17, und Lena, 18, arbeiten mit Assoziationssätzen. Die Idee: Das zu lernende Wort wird mit seiner Übersetzung durch eine Eselsbrücke verknüpft. Im Experiment bekommen David und Lena eine Liste mit hundert Assoziationen, darauf steht etwa für die Vokabel "hest" (Pferd): Das Pferd frisst ein Nest. Das Wort "Nest" soll dabei auf die ähnlich klingende Vokabel "hest" hinweisen. Dabei kommt es nicht darauf an, dass der Merksatz Sinn macht. "Wer sich eine Eselsbrücke ausdenkt, hat den Großteil der Information schon gespeichert", erklärt Gedächtnis-Weltmeister Karsten. Die Assoziation benötigen Sprachschüler nur in den ersten Lerntagen, danach wandert die Vokabel ins Langzeitgedächtnis. Schüler David über die Methode:

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Methode C: Superlearning

Marike, 17, darf sich mit Dänisch entspannen, denn sie probiert das ganzheitliche Superlearning aus. Anhänger dieser Lernmethode glauben, dass im Zustand größtmöglicher Entspannung das Gedächtnis besonders aufnahmefähig sei. Marike liegt deshalb auf dem Sofa, auf dem Couchtisch brennen Kerzen mit Papaya-Duftnote. Ihre Dänisch-Vokabeln hört sie sich über Kopfhörer an, dazu studiert sie die Schreibweise der Wörter mit einer Liste. Alle zehn Minuten macht Marike fünf Minuten Yoga. Beim "Sonnengruß" achtet sie nur auf ihren Atem und hört Musik von Jeffrey Thompson, einem amerikanischen Neuroakustiker, der unter anderem erforscht, welche Klänge das Gehirn leistungsfähiger machen. "Diese Methode kann interessant sein für Menschen, die vom Lernen gestresst sind", vermutet Lern-Meister Karsten. "Wer gern lernt, braucht das aber nicht." Wie sich Marike beim Superlearning fühlte, sehen Sie hier:

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Methode D: Die Vokabeltrainer-App

Milena, 17, lernt mit einem Vokabeltrainer auf dem Handy. Die kostenlose App der Firma Pons übernimmt festgelegte Lektionen einer Sprache oder kann online mit ausgewählten Vokabeln bestückt werden. Milenas Lernprozess ähnelt einem Spiel: Sie rubbelt mit dem Finger versteckte Wörter frei, muss Vokabeln im Zeichengewimmel markieren und Buchstaben in die richtige Reihenfolge bringen. "Der Spaß am Handy kann absolut förderlich sein", meint Gedächtnissportler Karsten. "Kleine Belohnungen wie Sterne und Geräusche motivieren Lernende sehr." Was Milena über die App berichtet, sehen Sie hier:

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Methode E: Die Vokabel-Liste

Philipp, 17, und Merle, 18, bekommen nur eine Liste mit den hundert Vokabeln ausgehändigt. Sie lernen, wie sie es zu Hause immer tun: Durchlesen, zuhalten, aufsagen - und wieder von vorn. "Das Kurzzeitgedächtnis kann die Vokabeln auf diese Weise vermutlich aufnehmen", prophezeit Mentalsportler Gunther Karsten, "doch in das Langzeitgedächtnis kommen nur Inhalte, die häufig gebraucht werden oder besonders einprägsam sind." Im Video beschreibt Merle, wie sie mit der Methode zurechtkam:

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Auswertung:

Mit welcher Technik bleiben die meisten Begriffe hängen? Mnemo-Meister Gunther Karsten tippt im Vorhinein auf die Assoziations-Methode. "Die Steigerungsrate des Gedächtnisses ist enorm, wenn man Assoziationen verwendet. Auch langfristig wirkt die Technik. Für die zweitbeste Strategie halte ich die Vokabeltrainer-App - die macht immerhin Spaß. Doch nach ein paar Tagen wird viel wieder weg sein."

Im zweiten Teil lesen Sie, wie die Jugendlichen im anschließenden Vokabeltest abschneiden.

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insgesamt 53 Beiträge
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1. je länger...
les2005 03.11.2014
Ich denke (so zumindest meine Erfahrung), daß die Überlegenheit der Assoziationsmethode mit größerem Abstand (1 Monat, halbes Jahr...) nochmals deutlicher würde.
2. Wertlos.
RobinB 03.11.2014
1 oder 2 Schüler sind statistisch nicht relevant. Nach 1 Woche scheint auch noch die Hälfte der Probanden abgesprungen zu sein. Warum schreibt man darüber einen Artikel?
3. Es gibt nicht die beste oder die schlechteste Methode
annoo 03.11.2014
Welche Methode zum besten Ergebnis führt ist doch abhängig davon, was für ein Lerntyp man ist. Dies sollte man erst mal herausfinden, zum Beispiel mit so einem Test: http://www.philognosie.net/denken-lernen/lerntypen-test-welcher-lerntyp-bin-ich Und dann die dazu gehörigen Lerntechniken wählen. Im Durchschnitt (also auf alle Testpersonen bezogen) werden wohl die Methoden am besten abschneiden, die die meisten Sinne mit ansprechen, aber für das Individuum nützt das Wissen wenig, welches für alle im Durchschnitt die beste Methode ist, sondern mit welcher Methode die jeweilige Person am besten lernen kann. Und ob diese Methode (z.B. wenn man ein visueller Lerntyp ist) dann mit einer App, mit Mind Maps oder bildhaften Plakaten oder sonstwie gelernt wird, wird dann fast zweitrangig. Wichtig ist, dass möglichst viele und vor allem die abhängig vom Lerntyp relevanten Sinne angesprochen werden.
4. Himmel, Leute...
wdiwdi 03.11.2014
wer keine Statistikvorlesung gehört und verstanden hat, sollte dann zumindest einen Statistiker zum Experimentdesign und zur Auswertung zu Rate ziehen. Die Stichproben sind *VIEL* zu klein um überhaupt irgend eine Aussage treffen zu können. Der Aufwand für diese Pseudostudie war völlig sinn- und wertlos (für die Studie in diesem Design, eine vernünftige Evaluierung verschiedener Lernmethoden ist natürlich durchaus interessant - aber bitte nicht so!).
5. Pauken....
marty_gi 03.11.2014
Ich halte von keiner Methode wirklich viel. Es werden zwar die Woerter gelernt, aber keinerlei sinnvoller Verwendung und Zusammenhaenge. Erinnerungsbruecken und akustische Stimulanz verspricht da bessere Ergebnisse - und die kann man sogar darueber hinbekommen, dass man sich mit Pop-/Rock-Musik in der jeweiligen Sprache auseinandersetzt. Die Texte uebersetzt, und bei jedem Hoeren werden die Woerter wieder in Erinnerung gerufen. Und man lernt direkt auch noch was ueber Satzbau und Verwendung der Woerter.
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