Leseverbot: US-Schulbehörde verbannt Sherlock Holmes 

Sherlock Holmes gehört eigentlich zu den Schätzen der Literaturgeschichte, doch einige Eltern im den USA sehen das anders: Der Roman beleidige ihren mormonischen Glauben. Die Behörde gab ihnen recht und strich das Buch vom Lehrplan. Der Detektiv befindet sich damit in guter Gesellschaft.

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Corbis

Sherlock Holmes: Wo ist denn nur die Beleidigung in meiner Geschichte?

Sherlock Holmes, der Detektiv schlechthin, hat schon etliche Rätsel gelöst und Banditen überführt - doch jetzt musste er sich ein paar Mormonen ergeben. Denn in einem Bezirk im US-Bundesstaat Virginia wurde der Roman "Eine Studie in Scharlachrot" vom Lehrplan genommen. Einige Eltern hatten sich wegen einer angeblichen Beleidigung des mormonischen Glaubens beschwert, berichtet die "Washington Post".

In dem besagten Roman lässt Arthur Conan Doyle seinen Meisterdetektiv erstmals auftreten, um einen Fall zu lösen. In der Geschichte geht es in einer Passage auch um eine erzwungene Heirat im Mormonen-Milieu. Das empfanden die mormonischen Eltern eines Kindes im Bezirk Albermale im US-Bundestaat Virginia als herabwürdigend und beschwerten sich zusammen mit anderen Eltern. Ein Ausschuss der Bezirksschulbehörde gab ihnen recht, das Buch wurde vom Lehrplan der Schule gestrichen.

Einige an der Schule seien nicht glücklich über diese Entscheidung gewesen, sagte sagte Josh Davis, Chef der öffentlichen Schulen in dem Bezirks, der Zeitung. Sie meinten, es sei Zensur im Spiel gewesen. "Aber das stimmt nicht." Das Buch bleibe auch in der Bibliothek stehen, versicherte Davis. Von einem kompletten Verbot könne also keine Rede sein.

Harry Potter kommt bei Eltern nicht an

In den USA ängstigen sich Eltern häufiger vor einem gefährlichen Einfluss von Büchern.Einige Werke halten sie für so schlecht und schmutzig, dass sie immer wieder offizielle Anträge stellen, diese Bücher aus dem Unterricht und den Regalen zu verbannen. So kam vor anderthalb Jahren an einer anderen Schule in Virginia die ungekürzte Fassung von Anne Franks Tagebuch auf die schwarze Liste. Manche Gedanken der pubertierenden Anne waren Eltern zu anzüglich. "Ich möchte daraus keine große Sache machen", sagte damals ein Verantwortlicher der Schulbehörde der örtlichen Zeitung "Star Exponent". Sie hätten einfach auf die Eltern gehört und es vom Plan gestrichen.

Am häufigsten beschwerten sich US-Eltern im vergangenen Jahrzehnt übrigens über den Zauberlehrling Harry Potter. Auch Huckleberry Finn kommt nicht besonders gut an - genauso wie der "Fänger im Roggen" von J.D. Salinger.

fln/dpa

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