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Geschlechterklischees: Mädchen überschätzen ihre Angst vor Mathe

Mädchen im Unterricht: Die Mathe-Angst vieler Schülerinnen ist eingebildet Zur Großansicht
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Mädchen im Unterricht: Die Mathe-Angst vieler Schülerinnen ist eingebildet

Formeln, Graphen, Vektorräume - für viele Schüler klingt das nach Folter. Dass aber Mädchen Mathe mehr fürchten als Jungen, stimmt nur bedingt. In Prüfungssituationen sind sie nicht ängstlicher als ihre männlichen Mitschüler.

Mädchen und Mathematik - das passt nicht zusammen. Das ist ein gut gepflegtes Klischee, das immer noch dafür sorgt, dass viele Mädchen sich eher für vermeintliche Mädchenfächer wie Sprachen oder Kunst entscheiden. Manche entwickeln tatsächlich eine regelrechte Mathe-Angst, allerdings auch deshalb, weil Lehrerinnen ihnen die Schwäche einreden. Und das, obwohl Mädchen in Mathe vergleichbare Leistungen erbringen wie Jungen.

Bisherige Befragungen von Schülern und Schülerinnen haben meist ergeben, dass Mädchen deutlich größere Angst vor Mathe haben als Jungen. Eine Studie aus Deutschland zeigt nun: Es kommt auch darauf an, wann man die Schüler befragt.

Die Forscher der Universität Konstanz wählten für ihre Studie "Do Girls Really Experience More Anxiety in Mathematics?" ein anderes Forschungsdesign: Anstatt wie üblich Schüler nur ganz allgemein zu ihrer Angst vor Mathe-Unterricht und -Prüfungen zu befragen, haben Bildungsforscher Thomas Götz und seine Kollegen insgesamt fast 700 deutsche Gymnasiasten zusätzlich auch während einer Prüfung oder einer Mathe-Stunde um die Einschätzung ihrer Angst gebeten. Erschienen sind die Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift "Psychological Science".

Gender-Stereotype

Bei der allgemeinen Befragung zeigten sich die gleichen Ergebnisse wie bei Vorgängerstudien: Mädchen schätzten ihre Angst deutlich höher und ihre eigene Mathe-Kompetenz signifikant niedriger ein als ihre Schulkameraden. Wurden die Gymnasiasten jedoch während einer laufenden Mathe-Prüfung oder im Verlauf einer Unterrichtsstunde befragt, schätzten die Schülerinnen sich keinesfalls ängstlicher ein als ihre Klassenkameraden. Zudem erbrachten sie die gleichen Prüfungsleistungen.

Es gebe also einen Unterschied zwischen allgemeiner, also habitueller, und situationsbezogener Mathe-Angst. Das zeige vor allem eines: Mädchen haben nicht wirklich mehr Angst vor Mathe als Jungen - sie überschätzen diese in Befragungen bloß. Diese "Angst" fuße vor allem in einer pessimistischen Einschätzung der eigenen Kompetenzen in Mathematik - die nicht mit den tatsächlichen Leistungen übereinstimmt. Die Vermutung liegt nahe, dass es vor allem Gender-Stereotype sind, die diese Selbstwahrnehmung prägen.

Das sei um so ärgerlicher, da die Angst vor Mathematik viele Mädchen und Frauen dazu bewegt, mathematikintensive Ausbildungs- und Berufsbereiche zu meiden. In den sogenannten MINT-Fächern sind sie nach wie vor stark unterrepräsentiert.

seh

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Überflüssige Studie
swamp_thing 30.08.2013
Wenn man die Leistungen von zwei Gruppen vergleicht, wird immer Platz eins und Platz zwei vergeben. Und Priming ist keine Lehrerdomäne, das können die "Genderwissenschaftler" viel "besser". Dumm nur das dies mittlerweile allgemein bekannt ist.
2. Egal
awoth 30.08.2013
Bei welchem Geschlecht ist es jedoch eine Tatsache, dass 'Leistungen' in Prüfungen wie zB Klassenarbeiten oder Klausuren nur sehr bedingt etwas mit BEGABUNG zu tun haben!
3.
Pfeiffer mit drei F 30.08.2013
Das ist übrigens nicht nur bei der Mathematik so. Im Allgemeinen unterschätzen sich Frauen eher, während Männer zu leichter Überschätzung ihrer Kompetenz, Leistung o.ä. neigen.
4. A & Bange
cassandros 30.08.2013
Zitat von sysopCorbisFormeln, Graphen, Vektorräume - für viele Schüler klingt das nach Folter. Dass aber Mädchen Mathe mehr fürchten als Jungen, stimmt nur bedingt. In Prüfungssituationen sind sie nicht ängstlicher als ihre männlichen Mitschüler. http://www.spiegel.de/schulspiegel/maedchen-ueberschaetzen-ihre-mathe-angst-a-919453.html
Und wie "überschätzt" man seine Angst? Wie wird das von außen beurteilt? Angst ist ein Gefühl, das ich habe. Wie stark es ist, weiß ich allein. "Mädchen überschätzen ihre Angst vor Mathe": eine unsinnige Aussage.
5.
Metalhead 30.08.2013
Zitat von sysopCorbisFormeln, Graphen, Vektorräume - für viele Schüler klingt das nach Folter. Dass aber Mädchen Mathe mehr fürchten als Jungen, stimmt nur bedingt. In Prüfungssituationen sind sie nicht ängstlicher als ihre männlichen Mitschüler. http://www.spiegel.de/schulspiegel/maedchen-ueberschaetzen-ihre-mathe-angst-a-919453.html
Schlecht in Mathe sein hat meiner Erfahrung nach weniger mit dem Individuum an sich zu tun, sondern vielmehr mit der Qualität der Matheausbildung abgehend von der Grundschule. Ein Jahr mit einer didaktisch unterdurchschnittlich begabten Lehrkraft lassen in diesem Fach nur schwer wieder schliessbare Wissenslücken entstehen. Haben die Schüler dann erstmal Mathe abgeschrieben, bleibt das dann oft auch so.
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