Segelunfall: Luca, 12, wird vom Blitz getroffen

Luca und der Blitzschlag: "Mir war so kalt in dem Moment" Fotos
Sven Ellger

Bei seiner ersten Segelregatta kommt Luca, 12, in ein schweres Gewitter. Dann kracht es, und als er wieder zu sich kommt, klafft ein Loch in seinem kleinen Boot. Hier erzählt Luca, wie er beinahe vom Blitz erschlagen wurde.

"Ich feiere ab jetzt ein zweites Mal meinen Geburtstag, denn mein Segeltrainer hat gesagt, dass es seltener als ein Sechser im Lotto ist, wenn man vom Blitz getroffen wird und das überlebt.

An einem Samstag Anfang Juni war ich mit meinem Vater, der mir auch das Segeln beigebracht hat, und ein paar Vereinskameraden unseres Dresdner Segelclubs an der Talsperre Quitzdorf in der Lausitz. Ich wollte dort bei einem Segelwettbewerb mitmachen, dem 1. Lauf zum Sächsischen Pokal im Jollen-Mehrkampf.

Wochenlang hatte ich für meine erste Regatta trainiert, ich fühlte mich fit. Das Wetter war gut. Schon am Vorabend hatten mein Vater und ich das Boot aufgetakelt. Als es am Samstagvormittag losgehen sollte, schien zwar die Sonne, aber es war windstill. Deshalb mussten erst einmal alle zu den Landdisziplinen antreten. Dabei muss man eine Bootsleine so weit wie möglich werfen und schneller als die anderen Seemannsknoten binden.

Erst am Nachmittag kam endlich ordentlich Wind auf. Ich hab mich von meinem Vater verabschiedet und bin zum Startpunkt mitten auf dem See gesegelt. Als die Regatta startete, wurde der Wind immer stärker. Auf einmal waren dicke Wolken am Himmel. Dann fing es auch noch an stark zu regnen. Ich hatte zu tun, dass mein Boot nicht kentert. Es ist vom Typ Optimist und sehr klein. Bei so einem Sturm bin ich vorher noch nie gesegelt, aber ich habe es geschafft. Klatschnass bin ich im Ziel angekommen und wollte nur noch zurück an Land.

Ich dachte, ich muss sterben

Auf dem Rückweg sah es ungefähr 50 Meter vor meinem Boot so aus, als hängt der Regen wie ein dunkler Vorhang direkt über dem Wasser. Es hat so stark geschüttet, dass es sogar so aussah, als prassle der Regen von unten nach oben.

Als ich noch einen halben Kilometer vom Ufer weg war, kam der Blitz. Ich weiß nur noch, dass es einen lauten Knall gab, und eine Druckwelle warf mich nach hinten. Meine Hände waren fest verkrampft, ich konnte sie nicht bewegen. Ich hab um Hilfe geschrien. Mir war so kalt in dem Moment, und ich lag zitternd auf dem Boden meiner Jolle.

Mein Trainer war mit seinem Motorboot in der Nähe und kam gleich zu mir. Hinterher hat er mir erzählt, ich hätte ihn als erstes gefragt, ob ich jetzt sterben muss, und das hat ihn ganz schön mitgenommen. Er hat mich in das Trainerboot gezogen, und dann hat er die Wettkampfleitung über den Blitzeinschlag informiert. Die haben die Regatta sofort abgebrochen und einen Rettungswagen gerufen. Als ich am Ufer ankam haben sich viele Leute um mich gekümmert. Sie haben mich abgetrocknet und gewärmt.

Sogar der Alumast ist geschmolzen

Richtig sicher hab ich mich aber erst gefühlt, als der Notarzt da war, weil der sich ja auskennt. Sie haben mich mit Blaulicht in die Kinderklinik nach Görlitz gebracht, zwei Tage musste ich auf der Intensivstation bleiben. Die Ärzte wollten sichergehen, dass mein Herz wirklich nichts abbekommen hat.

Dort habe ich auch erfahren, dass ich bei der Regatta den neunten Platz gemacht habe. Ein bisschen stolz war ich da schon. Mein Vater hat im Krankenhaus die ganze Zeit auf einer Liege neben meinem Bett geschlafen. Hinterher hat er mir erzählt, ich hätte dort wie ein Murmeltier geschlafen. Dafür hat ihn nachts immer der Alarm des Überwachungsgeräts erschreckt.

Als ich wieder nach Hause durfte, hat der Arzt gesagt, ich soll jetzt zwei Wochen keinen Sport machen. Aber ein paar Tage später war ich wieder bei meinem Verein und habe im Schatten ein bisschen Knotenbinden geübt.

Das Boot meines Vereins ist bei dem Blitzeinschlag leider total kaputtgegangen. Der Blitz ist oben in der Spitze des Segels eingeschlagen und hat sogar das Aluminium des Mastes geschmolzen. Durch den Boden ist er wieder raus. Dort sind jetzt viele kleine Löcher, wie mit einem Luftgewehr geschossen, und ein riesiger Riss. Aufs Wasser kann man damit nicht mehr. Jetzt brauche ich ein neues Boot. Ich will weitersegeln, die nächste Regatta ist schon bald. Aber ich segle sicher nie mehr bei Gewitter."

Aufgezeichnet von Tobias Wolf

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Verdammt noch mal...
kenterziege 25.06.2013
Zitat von sysopBei seiner ersten Segelregatta kommt Luca, 12, in ein schweres Gewitter. Dann kracht es und als er wieder zu sich kommt, klafft ein Loch in seinem kleinen Boot. Hier erzählt Luca, wie er beinahe vom Blitz erschlage wurde. Mein erstes Mal: Luca, 12, wird vom Blitz getroffen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/mein-erstes-mal-luca-12-wird-vom-blitz-getroffen-a-907586.html)
....wer lässt die Kinder denn bei Gewitter auf das Wasser? Außerdem sollten Kinder in dem Alter dieses gelernt haben. Ein Mast ist doch wie ein Blitzableiter.
2. offensichtlich
Luke1973 25.06.2013
kam das Gewitter sehr überraschend. Das kann sehr schnell gehen. Und so ein kleiner Optimist macht vielleicht 3 Knoten und muss eventuell auch noch kreuzen.
3. Glückwunsch an den jungen Mann
hartungp 25.06.2013
Aber: Das ist nicht selten, dass ein Freizeitsegelboot vom Blitz getroffen wird. Er kracht in den Verklicker am Masttopp und knallt am Mastfuss in den Kiel. Mit unterschiedlich großen Schäden am Boot.
4. Verletzung der Aufsichtspflicht
ppansen 25.06.2013
Bei allem sportlichen Ehrgeiz: Die Wettkampfleitung und Trainer haben hier absolut verantwortungslos gehandelt und die Jugendlichen unnötig in Lebensgefahr gebracht. Bei Sturm haben Optis und Jollen nichts auf dem See zu suchen, bei Gewitter schon gar nicht. Man kann von Glück sagen, dass keine weiteren Verletzungen zu beklagen sind. Jeder Profi-Segler hat gehörigen Respekt vor Sturm und Blitzschlag. Kinder in Jollen bei derartiger Gefahr zu einer Regatta zu bewegen bzw. diese nicht abzubrechen grenzt an vorsätzlicher Körperverletzung. Wie kann es sein, dass die Regatta erst abgebrochen wurde, nachdem der Junge dem Trainer den Blitzschlag gemeldut hat? Hat hier keiner genau hingeschaut oder aufgepasst? Sind den Verantwortlichen die Gewitterwolken und der Donnerschlag nicht aufgefallen, obwohl sie als Segelausbilder hier doch kompetent sein sollten? Und was ist mit dem Wetterbericht? Wurde keiner eingeholt? Hier wurde eindeutig fahrlässig gehandelt. Gegen die Verantwortlichen sollte Strafanzeige erstattet werden und der DSV sollte die Befähigung zum verantwortungsvollen Ausbilden überprüfen! Ich würde diesen Menschen meine Kinder nicht anvertrauen.
5. Fahrlässig
ppansen 25.06.2013
Zitat von Luke1973kam das Gewitter sehr überraschend. Das kann sehr schnell gehen. Und so ein kleiner Optimist macht vielleicht 3 Knoten und muss eventuell auch noch kreuzen.
So schnell kommt ein Gewitter nicht. Es kündigt sich durch entsprechende Wolkenbildung an, sodass man noch Maßnahmen ergreifen kann. Das zu erkennen lernen Segelsportler in der Grundausbildung. Trainer und Regattaleiter sollten das erst recht beherrschen. Abgesehen davon gibt es heutzutage sehr zuverlässige Wettervorhersagen, man hätte damit rechnen müssen. Auffällig: Die Regatta wurde erst abgebrochen, nachdem der Junge dem Trainer mitgeteilt hatte, dass sein Boot vom Blitz getroffen worden ist. Scheinbar war das Gewitter also schon da und die Regatta lief immer noch und keiner hat Maßnahmen ergriffen. Ein Mast auf einem See bei Gewitter ist wie ein einzelner Baum auf einem einsamen Feld: absolut gefährlich. Und bei Starkwind haben Optis auch nichts auf der Seemitte zu suchen. Man kann froh sein, dass nicht mehr passiert ist. Die Verantwortlichen können hierauf nicht stolz sein.
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