Missbrauch an katholischen Schulen: Canisius-Schulleiter geißelt Sexualmoral der Kirche

"Verstaubt" sei für die kirchliche Sexualmoral ein noch zu schwaches Wort, kritisiert der Leiter des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes. Die Kirche müsse offener über Themen wie Homosexualität sprechen. Zugleich verteidigte er das Entschädigungsangebot an Missbrauchsopfer in Höhe von 5000 Euro.

Schulleiter Mertes: Verteidigt Entschädigungangebot Zur Großansicht
dpa

Schulleiter Mertes: Verteidigt Entschädigungangebot

Im Missbrauchsskandal bei den Jesuiten hat der Leiter des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, die angebotene Entschädigung von 5000 Euro verteidigt. Im Deutschlandfunk sagte Mertes, bei rund 200 Opfern komme für den Jesuitenorden so bereits eine Summe von einer Million Euro zusammen.

"Das ist viel Geld für uns." Vielen Missbrauchsopfern ist das Angebot zu niedrig. Sie fordern mindestens 80.000 Euro für jeden Betroffenen.

Mertes äußerte in dem Interview auch Kritik an der katholischen Sexualmoral - "verstaubt" sei dafür noch ein zu schwacher Ausdruck. "Da steht Homosexualität direkt neben Prostitution, neben Ehebruch und vorehelichem Geschlechtsverkehr - und das sind vier vollkommen verschiedene Dinge." Die Kirche müsse mit Jugendlichen jedoch über Themen wie Masturbation oder Homosexualität so sprechen können, dass ein angstfreier Diskurs möglich werde.

Das Canisius-Kolleg hat das schwierigste Jahr seiner Geschichte hinter sich. Im Januar 2010 musste das vom Jesuitenorden getragene Gymnasium eingestehen, dass Patres über Jahre hinweg schutzbefohlene Kinder und Jugendliche missbraucht hatten. Der Skandal weitete sich auf Jesuitenschulen im gesamten Bundesgebiet aus, auf das Bonner Aloisius-Kolleg, die Hamburger Sankt-Ansgar-Schule und das Schwarzwälder Kolleg St. Blasien. Die Enthüllungen ermutigten auch Opfer sexueller Gewalt außerhalb der katholischen Kirche, sich zu Wort zu melden, etwa an der hessischen Odenwaldschule, dem Vorzeigeprojekt deutscher Reformpädagogik.

Dennoch verzeichnet das Canisius-Kolleg nach eigenen Angaben nur eine Abmeldung unter Bezug auf den Missbrauchsskandal und fast 300 Bewerbungen für 90 Plätze im kommenden Schuljahr.

otr/dpa

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1. Spiegel: Thema verfehlt!
Tastenhengst 24.01.2011
Zitat von sysop"Verstaubt" sei für die*kirchliche Sexualmoral ein noch zu schwaches Wort, kritisiert der Leiter*des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes.*Die Kirche müsse offener über Themen wie Homosexualität sprechen. Zugleich verteidigte er das Entschädigungsangebot an Missbrauchsopfer in Höhe von 5000 Euro. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,741079,00.html
Das Originalinterview ist hier (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/idw_dlf/1370809/). Ich finde es keine journalistische Leistung vom Spiegel, dasselbe nur verkürzt zu bringen. Am wichtigsten ist das Problem des Korpsgeistes, den P. Mertes SJ anspricht. Und den hat man auch in der Polizei. Deswegen wird man auch eine Verurteilung der Beamten lange warten, die in Stuttgart einem Mann mit ihrem Wawe die Augen ausgeschossen haben.
2. .
frubi 24.01.2011
Zitat von sysop"Verstaubt" sei für die*kirchliche Sexualmoral ein noch zu schwaches Wort, kritisiert der Leiter*des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes.*Die Kirche müsse offener über Themen wie Homosexualität sprechen. Zugleich verteidigte er das Entschädigungsangebot an Missbrauchsopfer in Höhe von 5000 Euro. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,741079,00.html
Als ob sich durch "mehr miteinander reden" Straftaten pauschal verhindern liesen. Hier muss es um konkrete Maßnahmen gehen. In Kirchen braucht man einen Ansprechpartern für eventuelle Missbrauchsfälle, an den sich Opfer ggf. wenden können. Dieser Ansprechpartner darf nicht der Kirche unterstellt sein. Aber gegen konkrete Maßnahmen weis sich die Kirche zu schützen.
3. arme Kirche
genugistgenug 24.01.2011
Wahnsinn, der kann tatsächlich rechnen - doch was will er damit bezwecken? Sollen die Opfer sich mit 500 EUR zufrieden geben weil das dann nur noch 100.000 sind oder am besten gleich auf die Entschädigung verzichten? Zum alleinigen Wohl der Kirche. Scheinheilig und bigott! Wie hoch dürfte wohl die Dunkelziffer sein? Also weitere Kosten für die Kirche.
4. ...
Tomcic 24.01.2011
Zitat von sysop"Verstaubt" sei für die*kirchliche Sexualmoral ein noch zu schwaches Wort, kritisiert der Leiter*des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes.*Die Kirche müsse offener über Themen wie Homosexualität sprechen. Zugleich verteidigte er das Entschädigungsangebot an Missbrauchsopfer in Höhe von 5000 Euro. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,741079,00.html
Wenn in der katholischen Kirche mal mehr Leute soviel Mut hätten 1. eine wirkliche Aufarbeitung, aus eigener Überzeugung pro-aktiv durchzuführen. 2. die institutionelle Schuld zu akzeptieren und eindeutige Fehlentwicklung, wie die systematische Vertuschung/Duldung, im System Kirche/Orden auch zu benennen. 3. nicht mit dem Finger auf andere zu zeigen um von dieser Schuld anzulenken, und sie auch noch zu relativieren. 4. über tatsächliche Entschädigung für Opfer und Bestrafung von Tätern nachzudenken (wobei man über den Inhalt noch streiten kann). 5. einen klaren Maßnahmenkatalog, wie so etwas in Zukunft verhindert werden soll. Mit so einem Menschen kann man auch als Nichtgläubiger konstruktiv reden - wenn mehr Kirchenverantwortliche solch ein Verantwortungsbewusstsein, analytischen Scharfsinn und so eine tabulose Bereitschaft zum öffentlichen Diskurs hätten, dann könnte man der katholischen Kirche fast wieder Respekt zollen.
5. ...eher geht ein kamel durch ein nadelöhr
hermesgolf 27.01.2011
Zitat von sysop"Verstaubt" sei für die*kirchliche Sexualmoral ein noch zu schwaches Wort, kritisiert der Leiter*des Canisius-Kollegs, Klaus Mertes.*Die Kirche müsse offener über Themen wie Homosexualität sprechen. Zugleich verteidigte er das Entschädigungsangebot an Missbrauchsopfer in Höhe von 5000 Euro. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,741079,00.html
mertes: "Das ist viel Geld für uns." diese aussage ist vor dem hintergrund, dass die dt. kirchen auf einem vermögen von € 500 mrd sitzen eine frechheit. sie ist nur möglich, weil die kirchen sich in 80.000 "strohmänner"- einrichtungen, von denen das c.-kolleg eines ist, aufteilen. diese struktur ist genau zum zwecke des haftungsausschlusses - wie vorliegend - errichtet. abhilfe könnte schaffen, dass staatl. gelder nur ausgezahlt werden, wenn "patronatserklärungen" der auf dem geld hockenden kirchl. einrichtungen abgegeben werden. der "bischöffliche stuhl", der auf mio und abermio euro sitzt, böte sich ebenso an wie kirchl. siedlungsverbände. will sagen: die kirche lässt sich ggf von zehn glaubensartikeln neun nehmen, aber wenns ums geld geht, gibt es kein pardon, k-h deschner.
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Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs
Notruf "Wir sind Kirche"
Das "Wir sind Kirche"-Nottelefon hat die Rufnummer 0180-3000862. Die Hotline wurde 2002 eingerichtet. Bei dieser von der Kirche unabhängigen Anlaufstelle können Opfer über ihre Erfahrungen sprechen. Ihnen werden dann weitere Beratungsstellen genannt. Auf Wunsch der Opfer gibt Katharina B. den Namen des Täters ans Bistum weiter.
Telefon-Hotline der katholischen Kirche
Die Telefon-Hotline der katholischen Kirche hat die Nummer 0800-1201000. Die Nummer ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13 Uhr bis 20.30 Uhr freigeschaltet. Psychologen und Sozialarbeiter stehen hier seit Ende März als Ansprechpartner zur Verfügung. Psychologen und Opferverbände haben darauf hingewiesen, dass für viele Betroffene die Überwindung, sich ausgerechnet an eine Hotline der Kirche zu wenden, sehr groß ist.
Telefonberatung der Bundesregierung
Ende Mai hat auch die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, eine telefonische Anlaufstelle für Missbrauchsopfer eingerichtet. Die Nummer lautet 0800-2255530. Die Hotline ist montags von 8 bis 14 Uhr, dienstags, mittwochs und freitags von 16 bis 22 Uhr und sonntags von 14 bis 20 Uhr geschaltet. Insgesamt 65 Experten nehmen die Anrufe entgegen. Die Berichte der Betroffenen sollen dazu beitragen, konkrete Forderungen an die politik zu formulieren. Die Experten verweisen die Anrufer an weitere Hilfsangebote, leisten aber selber keine juristische oder therapeutische Beratung.


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