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Sexting: Gymnasiast muss Schmerzensgeld zahlen

Private Fotos (Symbolbild): "Einschneidende Wirkung auf die Entwicklung" Zur Großansicht
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Private Fotos (Symbolbild): "Einschneidende Wirkung auf die Entwicklung"

Ein 13-Jähriger bat seine Freundin um sexy Fotos - und verbreitete sie anschließend unter seinen Mitschülern. Für diese Gemeinheit muss er nun 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen, entschied ein Gericht.

Diese Liebesbeziehung fand ein jähes Ende: Zwei Gymnasiasten aus Berlin-Steglitz waren Anfang des vergangenen Jahres ein Paar - bis er seine Freundin mobbte. Der damals 13 Jahre alte Junge wollte von der Gleichaltrigen, dass sie ihm aufreizende Fotos von sich schickt. Die Jugendliche machte daraufhin Selfies von sich, auf denen sie teilweise unbekleidet und in Unterwäsche zu sehen war. Acht bis zehn Bilder vertraute sie ihrem Freund an. Doch der behielt sie nicht für sich, sondern verbreitete die Fotos im Freundeskreis.

Die Schülerin ging zu einem Anwalt und erreichte, dass der Junge eine Unterlassungserklärung abgab. Darin erklärte er, die Fotos nicht weiter zu verbreiten. Allerdings lehnte der Anwalt des Jungen Schmerzensgeld für das Mädchen ab. Daraufhin klagte sie Ende 2014 vor dem Amtsgericht Charlottenburg auf Erstattung von Rechtsanwaltskosten und Schmerzensgeld.

Nun hat das Gericht entschieden, dass der Junge 1000 Euro Strafe zahlen muss, und zwar aus eigenen Mitteln, wie die Anwaltskanzlei, die das Mädchen vertritt, SPIEGEL ONLINE sagte. Die Höhe des Schmerzensgeldes sei aber nur ein symbolischer Wert.

"Die Weiterverbreitung der Bilder durch den Beklagten macht aufgrund der einschneidenden Wirkung auf die Lebensführung und die Entwicklung der jugendlichen Klägerin eine Entschädigung in Geld zur Genugtuung unabweisbar", heißt es in einem Hinweis des Gerichts. Dem Jungen wurde die Unterlassungserklärung positiv angerechnet sowie, dass er die Bilder offensichtlich nur an einen kleinen Kreis an Personen verschickt habe.

Wie häufig Kinder und Jugendliche auf diesen Wegen gemobbt werden, ist schwer auszumachen. Studienergebnisse hängen etwa davon ab, wie oft die befragten Kinder und Jugendlichen Smartphones und das Internet nutzen. Und wie Mobbing definiert wird. Zudem sind sie abhängig davon, wer befragt wird - also etwa Opfer, vermeintliche Täter oder Lehrer. Auch das Alter und das Geschlecht der Jugendlichen spielt eine Rolle.

Allerdings hat sich Mobbing über Internet und Smartphones in den vergangenen Jahren verstärkt, sagen Wissenschaftler, die zu dem Thema forschen. Laut einer repräsentativen Befragung der ETH Zürich aus diesem Jahr wurde jeder zweite Jugendliche schon einmal Opfer von Cybermobbing. Eine Studie der Universitäten Münster und Hohenheim aus dem Jahr 2013 ergab, dass ein Drittel der Schüler von Mobbingattacken im Netz betroffen sind.

Mobbing: "Das hast du verdient, du Schlampe"

kha

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insgesamt 25 Beiträge
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1.
weißbrot 01.09.2015
1000€ Strafe oder Schmerzensgeld? SPON sollte sich entscheiden.
2.
c.PAF 01.09.2015
Endlich ist mal ein Anfang gemacht.
3. Top Tip gegen Nacktfotos:
an°n 01.09.2015
Keine machen.
4. Potentiell
jogola 01.09.2015
hat das Mädchen lebenslänglich. Wer weiß schon auf welchen Datenträgern Kopien der Bilder noch schlummern. Eine lebenslängliche Verpflichtung, sich um die Beseitigung noch auftauchender Exemplare zu kümmern, könnte dem Jungen vielleicht die Tragweite des Bockmistes, den er verzapft hat, vor Augen führen. Das wäre natürlich "Auge um Auge" - Rache nach den Regeln des Alten Testatmentes und nicht ganz "zeitgemäß".
5.
RenegadeOtis 01.09.2015
Zitat von jogolahat das Mädchen lebenslänglich. Wer weiß schon auf welchen Datenträgern Kopien der Bilder noch schlummern. Eine lebenslängliche Verpflichtung, sich um die Beseitigung noch auftauchender Exemplare zu kümmern, könnte dem Jungen vielleicht die Tragweite des Bockmistes, den er verzapft hat, vor Augen führen. Das wäre natürlich "Auge um Auge" - Rache nach den Regeln des Alten Testatmentes und nicht ganz "zeitgemäß".
"Auge um Auge, Zahn um Zahn" stellte eher eine gemäßigte, adäquate Bestrafung dar. Üblich war damals: Hinrichtung für Beleidigung, Enthauptung für Diebstahl etc. So wurde klargestellt, dass man nur so hoch bestraft wie der Schaden war, nicht unangemessen hoch. Von daher wären lebenslängliche Verpflichtungen wie Sie es verlangen exakt das Gegenteil davon.
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  • spon_input@spiegel.de

Stress im Netz - was habt Ihr schon erlebt?
  • DPA
    Wie häufig greifen Mitschüler oder Bekannte euch oder eure Freunde online an - beleidigen euch zum Beispiel im Chat oder über persönliche Nachrichten? Wie reagiert ihr darauf? Zu diesen Fragen suchen Wissenschaftler von der Universität Koblenz-Landau Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 19 Jahren für eine Online-Studie. Keine Angst, die Umfrage ist selbstverständlich anonym und das Ausfüllen des Fragebogens dauert nur einige Minuten. Am Ende werden unter allen Teilnehmern unter anderem ein Smartphone und eine Spielekonsole verlost. Klickt hier, um mitzumachen.
Mobbing im Internet
Was ist das?
Wenn jemand einen anderen Menschen absichtlich und über längere Zeit beleidigt, bedroht, bloßstellt oder belästigt, und wenn das im Internet oder per Smartphone geschieht, spricht man von Cybermobbing. Dazu gehört auch, wenn beschämende Fotos oder Videos von jemandem hochgeladen und verbreitet werden oder wenn jemand absichtlich nicht in eine Online-Gruppe eingeschlossen oder nachträglich ausgeschlossen wird. Zum Cybermobbing zählt auch, wenn jemand die Online-Identität von jemand anderem annimmt, um beschämende Inhalte zu veröffentlichen. Gerade unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter meist aus der Schule, einem Verein oder dem Wohnviertel. Dass sich Personen, die sich noch nie gesehen haben, im Internet mobben, ist sehr selten.
Wie entsteht es?
Spannungen in der Klasse verlagern sich oft ins Internet, wo unbeliebte Schüler dann anonym verspottet und belästigt werden. Manchmal brechen auch Freundschaften auseinander, und ehemals gute Freunde tragen ihren Konflikt im Netz aus. In manchen Gruppen gehört es zum alltäglichen Umgang, sich gegenseitig herunterzumachen. Mobbing im Internet kann aber auch aus Unachtsamkeit oder Langeweile entstehen. Oft ist Jugendlichen nicht bewusst, wie verletzend ein flapsiger Kommentar sein kann.
Wie erkennt man, wer betroffen ist?
Opfer von Mobbing sind oft bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt. Viele können schlecht schlafen und haben morgens vor der Schule Schmerzen oder andere Beschwerden. Sie werden selten zu Geburtstagen oder Partys eingeladen und wollen lieber von ihren Eltern abgeholt werden, statt mit dem Schulbus zu fahren. Wenn man sie darauf anspricht, spielen Jugendliche ihre Situation vor Erwachsenen oft herunter.
Wie schützt man sich?
Gebt möglichst wenige persönliche Daten im Internet preis, ladet möglichst wenige Bilder und Videos von euch hoch - vor allem keine Inhalte, auf denen ihr nackt seid - und macht niemals eure vollständige Adresse oder Handynummer öffentlich. Sprecht in sozialen Netzwerken nicht über persönliche Probleme. Überprüft eure Sicherheitseinstellungen und gebt euren Privatbereich nicht für jeden frei.
Wie kann man sich wehren?
Nehmt beleidigende E-Mails, Bilder oder Posts nicht einfach hin, aber antwortet auch nicht direkt darauf. Fragt lieber zuerst eure Eltern, einen Lehrer oder einen guten Freund, wie ihr damit umgehen sollt. Redet mit Menschen, denen ihr vertraut, und fresst den Ärger nicht in euch hinein. Speichert SMS, WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails und macht Screenshots von Seiten, auf denen ihr beleidigt werdet. Sperrt Leute, die euch belästigen und meldet Kommentare an den Betreiber der Webseite. Geht in besonders ernsten Fällen zur Polizei und erstattet Anzeige.
Was droht den Tätern?
Mobbing im Internet ist kein Straftatbestand, aber einzelne Straftaten vereinigen sich darin. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen oder Gewaltdarstellung. Alle diese Vergehen können mit bis zu einem Jahr im Gefängnis bestraft werden, in manchen Fällen sogar härter. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafunmündig. Bei Jugendlichen steht nicht die Bestrafung, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. In Betracht kommen deshalb in erster Linie erzieherische Weisungen und Auflagen im Sinne des Jugendstrafrechts.

Quellen: www.klicksafe.de, www.polizei-beratung.de
Wo bekommt man Hilfe?
Das Bündnis gegen Cybermobbing listet hier eine Reihe von Stellen auf, an die man sich wenden kann, wenn man im Internet oder über das Smartphone gemobbt wird.


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