Mobbing im Internet: Share dich fort!

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"Mit gemischten Gefühlen zur Arbeit" - Lehrer als Opfer

Niedergeschlagen: Manche Lehrer leiden unter den Beleidigungen im Netz Zur Großansicht
Corbis

Niedergeschlagen: Manche Lehrer leiden unter den Beleidigungen im Netz

Lehrer als Opfer

Ihr Image schätzt sie ziemlich realistisch ein: "Wir meckern am Tag so viele Leute an", sagt die Ethiklehrerin, "da ist es klar, dass die Schüler uns nicht lieben." Die Niedertracht und Gemeinheit der Worte, die sie über sich bei iShareGossip las, überraschte sie dann aber doch. Dass sie einen dicken Hintern habe, wisse sie ja selbst; sie wolle das jedoch nicht im Internet verewigt wissen - schon gar nicht so derb, wie es dort formuliert war.

Von dem Eintrag erfuhr sie an einem Mittwoch im Februar, der stellvertretende Schulleiter rief sie ins Büro und zeigte ihn ihr. "Da geht man am nächsten Tag mit gemischten Gefühlen zur Arbeit", sagt sie. Der "Tagesspiegel" berichtete sogar von Lehrern anderer Schulen, die die Klasse gewechselt hätten oder sich krankschreiben ließen, weil ihnen die Beleidigungen so nahe gehen.

Die Lehrerin hatte jetzt zwei Aufgaben zu lösen: einerseits die eigene Souveränität bewahren, sich nicht verunsichern lassen, andererseits das Problem angehen - als Ethiklehrerin gehört das Thema Cybermobbing zu ihrem Job.

Sie entschied sich gemeinsam mit der Schulleitung für die Offensive: Sie erstattete Anzeige und sprach das Thema im Unterricht an, immer mit dem Hinweis, dass auch die Polizei ermittelt. Einigen Schülern sei erst dann klargeworden, dass auch die Lehrer alle Einträge lesen könnten, sagt sie.

Eine Schülerin kam nach der Stunde zu ihr, entschuldigte sich für den beleidigenden Eintrag über die Lehrerin. Ein stilles Mädchen, es trägt Kopftuch, ist selbst etwas pummelig. "Da war ich perplex", sagt die Lehrerin. Es deckt sich mit Beobachtungen von Soziologen, die zum Thema Mobbing forschen: Opfer aus der Schule werden manchmal zu Tätern im Netz. Die Anzeige gegen das Mädchen zog die Lehrerin nicht zurück: "Wir wollen ein Signal setzen." Mehr hat das Mädchen allerdings nicht zu fürchten, es ist noch keine 14 Jahre alt und damit nicht strafmündig.

Die Lehrerin kontrolliert jetzt alle zwei Tage, ob sie bei iShareGossip neue Einträge findet. Es gehe ihr nicht um sich, sondern darum, die Schüler zu schützen. Gerade ist ihr ein Achtklässler aufgefallen, der im Unterricht immer stiller wurde. Im Netz steht, er sei dumm.

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insgesamt 38 Beiträge
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1. Quatsch
IsArenas 25.03.2011
Zitat von sysopDas Perfide: Die Opfer solcher Einträge schauen immer wieder auf die Seite; in der Freistunde laden sie sich neue Beleidigungen auf ihr Handy; es fällt ihnen schwer, abzuschalten.
Das ist nicht das "Perfide", hier liegt die Loesung: einfach NICHT die Seite anschauen. Und: nur wirklich einfaeltige Menschen finden es auf Dauer interessant, wenn jeder einfach poebeln darf - echtes Mobbing laeuft viel subtiler!
2. Narzissmus
zx6 25.03.2011
Zitat von sysopSie beleidigen, sie drohen, sie treiben Mitschüler und Lehrer in die Verzweiflung: Jugendliche pöbeln auf der anonymen Lästerseite iShareGossip in bisher ungekanntem Ausmaß. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Cybermobbing den Schulalltag verändert - und wie die Gegenwehr aussieht.
Der Grad, in dem solche Lästerplattformen Einfluß auf unser Leben haben, steht und fällt mit dem Grad an Narzissmus, den wir uns zugestehen. Mein Eindruck ist, daß das Maß, in dem wir erwarten, toll gefunden zu werden, in den letzten Jahrzehnten stark steigt. In der Erziehung wird gefordert, daß jemand nur dann ein starker Mensch werden kann, wenn ihm dauernd das Gefühl vermittelt wird, daß er toll ist. Im täglichen Umgang werden nicht wertschätzende Worte schnell als "verbale Gewalt" geächtet und die Mode suggeriert uns, daß einen die ganze Welt toll findet, wenn man nur die neueste Röhrenjeans von H&M hat. Je höher also der gesellschaftliche akzeptierte Narzissmus, desto tiefer fällt der Einzelne, wenn den mal jemand nicht bedient. Wer den Anspruch an die Welt hat, daß er toll gefunden wird, der kauft das mit ein. Wir sollten uns selbst eingestehen, daß wir nicht den Anspruch darauf haben, von allen toll gefunden zu werden. Everybody's darling is everybody's depp. zx6
3. Boykottaufruf
HansGusto 25.03.2011
Wenn das so schlimm ist, warum macht Spiegel Online dann die ganze Woche mit immer wieder neuen Hauptartikeln Werbung für die Seite? Gehirn einschalten, Schreibmaschine ausschalten.
4. gegen titelzwang!
klowasser 25.03.2011
Zitat von sysopSie beleidigen, sie drohen, sie treiben Mitschüler und Lehrer in die Verzweiflung: Jugendliche pöbeln auf der anonymen Lästerseite iShareGossip in bisher ungekanntem Ausmaß. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Cybermobbing den Schulalltag verändert - und wie die Gegenwehr aussieht. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,753034,00.html
Ist an sich nichts Neues. Über mich wurde ne Zeit lang gesagt, ich würde jeden Tag einen durchziehen. Aber was scherte es mich? Meine echten Freunde hatte ich ohnehin außerhalb der Schule...auf der Arbeit hat man ja normalerweise auch keine Freunde.
5. Hinschauen! Und zwar ganz genau!
infoseek 25.03.2011
Welche Geister auf isharegossip.com unterwegs sind, wird sehr anschaulich hier belegt: http://calimerosrumpelkammer.blogspot.com/2011/03/gehoren-kloturen-jetzt-verboten.html Im Gegensatz zu den Mainstreammedien, die nicht auf die Hintergründe eingehen, sondern sehr oberflächlich und uninformiert berichten, werden hier Fakten belegt und Roß und Reiter genannt. Und das ist ausgesprochen aufschlussreich. Nach dieser Lektüre kann keiner mehr behaupten, das Problem sei das Internet. Denn die "wallah meine Ehre isch fick disch un deine mudda un dein onkel und dein schwester ist fickschlampe"-Kids bringt nicht das Internet hervor, sondern die generiert das reale Leben, und dort mobben und prügeln sie auch schon lange ohne Maß und Ziel. Diese Kids sind sprachlich, emotional und intellektuell komplett entgleist - und es werden immer mehr. Da ist die Baustelle, und sonst nirgends. Wenn jetzt wieder nach Indizierung, Verboten, Stoppschildern etc. gerufen wird, zeigt das nur eins: Die Gesellschaft (Lehrer, Eltern, Polizei etc.) samt der zugehörigen Medien haben vor dem eigentlichen Problem längst kapituliert. Solange dieser Zustand des Ignorierens, Verdrängens und Schönredens anhält, wird auch ein Totalverbot des Internets kein Jota ändern. Leider scheint man auch beim SPIEGEL (SPON) das noch nicht ganz erkannt zu haben.
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