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Urteil: Mobbing-Opfer darf nicht zuschlagen

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Tatort Schule: Wie verhält man sich bei Mobbing?

Er wurde gehänselt, wehrte sich, schlug zu - und bekam einen Verweis. Dagegen klagten die Eltern des Berliner Gymnasiasten und unterlagen: Auch Mobbing-Opfer dürfen im Konflikt keine körperliche Gewalt anwenden, so das Gericht.

Mobbing schützt vor Strafe nicht, so in etwa lässt sich ein Urteil zusammenfassen, das gerade veröffentlicht wurde. Ein Schüler muss nämlich die Konsequenzen tragen, wenn er sich mit Gewalt gegen eine Hänselei wehrt. Das gilt auch, wenn der Schüler ein Opfer von Mobbing ist, wie das Verwaltungsgericht Berlin entschied.

Hintergrund ist eine Prügelei, die bereits 2012 stattfand. Zwei Schüler an einem Gymnasium in Berlin-Charlottenburg waren aneinandergeraten. Anlass des Streits war die Bemerkung eines Schülers, er habe Läuse in den Haaren des anderen gesichtet. Der so Gehänselte habe sich hierdurch provoziert gefühlt, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts. Laut einem Sprecher war die anschließende Prügelei nicht mehr rekonstruierbar. Beide Jungen hätten Prellungen davongetragen. Die Klassenkonferenz bestrafte beide, sie bekamen einen Verweis und mussten zur Mediationssitzung.

Gegen die Strafe klagten die Eltern des einen Schülers, sie fanden es ungerecht, ihren Sohn als Mobbingopfer zu bestrafen. Das Gericht wies die Klage ab.

Diese Entscheidung bestätigte das Verwaltungsgericht. Der Schüler habe durch sein Verhalten die "ordnungsgemäße Unterrichts- oder Erziehungsarbeit beeinträchtigt", hieß es in der Entscheidung. Zu den Zielen der Schule gehöre insbesondere, "zu lernen, Konflikte vernünftig und gewaltfrei zu lösen". Das Gericht ließ einen Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht zu.

Aktenzeichen: VG 3 K 320.13

otr/AFP

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Mobbing im Internet
Was ist das?
Wenn jemand einen anderen Menschen absichtlich und über längere Zeit beleidigt, bedroht, bloßstellt oder belästigt, und wenn das im Internet oder per Smartphone geschieht, spricht man von Cybermobbing. Dazu gehört auch, wenn beschämende Fotos oder Videos von jemandem hochgeladen und verbreitet werden oder wenn jemand absichtlich nicht in eine Online-Gruppe eingeschlossen oder nachträglich ausgeschlossen wird. Zum Cybermobbing zählt auch, wenn jemand die Online-Identität von jemand anderem annimmt, um beschämende Inhalte zu veröffentlichen. Gerade unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter meist aus der Schule, einem Verein oder dem Wohnviertel. Dass sich Personen, die sich noch nie gesehen haben, im Internet mobben, ist sehr selten.
Wie entsteht es?
Spannungen in der Klasse verlagern sich oft ins Internet, wo unbeliebte Schüler dann anonym verspottet und belästigt werden. Manchmal brechen auch Freundschaften auseinander, und ehemals gute Freunde tragen ihren Konflikt im Netz aus. In manchen Gruppen gehört es zum alltäglichen Umgang, sich gegenseitig herunterzumachen. Mobbing im Internet kann aber auch aus Unachtsamkeit oder Langeweile entstehen. Oft ist Jugendlichen nicht bewusst, wie verletzend ein flapsiger Kommentar sein kann.
Wie erkennt man, wer betroffen ist?
Opfer von Mobbing sind oft bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt. Viele können schlecht schlafen und haben morgens vor der Schule Schmerzen oder andere Beschwerden. Sie werden selten zu Geburtstagen oder Partys eingeladen und wollen lieber von ihren Eltern abgeholt werden, statt mit dem Schulbus zu fahren. Wenn man sie darauf anspricht, spielen Jugendliche ihre Situation vor Erwachsenen oft herunter.
Wie schützt man sich?
Gebt möglichst wenige persönliche Daten im Internet preis, ladet möglichst wenige Bilder und Videos von euch hoch - vor allem keine Inhalte, auf denen ihr nackt seid - und macht niemals eure vollständige Adresse oder Handynummer öffentlich. Sprecht in sozialen Netzwerken nicht über persönliche Probleme. Überprüft eure Sicherheitseinstellungen und gebt euren Privatbereich nicht für jeden frei.
Wie kann man sich wehren?
Nehmt beleidigende E-Mails, Bilder oder Posts nicht einfach hin, aber antwortet auch nicht direkt darauf. Fragt lieber zuerst eure Eltern, einen Lehrer oder einen guten Freund, wie ihr damit umgehen sollt. Redet mit Menschen, denen ihr vertraut, und fresst den Ärger nicht in euch hinein. Speichert SMS, WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails und macht Screenshots von Seiten, auf denen ihr beleidigt werdet. Sperrt Leute, die euch belästigen und meldet Kommentare an den Betreiber der Webseite. Geht in besonders ernsten Fällen zur Polizei und erstattet Anzeige.
Was droht den Tätern?
Mobbing im Internet ist kein Straftatbestand, aber einzelne Straftaten vereinigen sich darin. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen oder Gewaltdarstellung. Alle diese Vergehen können mit bis zu einem Jahr im Gefängnis bestraft werden, in manchen Fällen sogar härter. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafunmündig. Bei Jugendlichen steht nicht die Bestrafung, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. In Betracht kommen deshalb in erster Linie erzieherische Weisungen und Auflagen im Sinne des Jugendstrafrechts.

Quellen: www.klicksafe.de, www.polizei-beratung.de
Wo bekommt man Hilfe?
Das Bündnis gegen Cybermobbing listet hier eine Reihe von Stellen auf, an die man sich wenden kann, wenn man im Internet oder über das Smartphone gemobbt wird.
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Netz-Polizei: Diese Seiten helfen bei Cybermobbing


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