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Mobbing in der Schule: "Das hast du verdient, du Schlampe"

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Mobbingopfer: "Warum haben sich auf einmal alle gegen mich verschworen?" Zur Großansicht
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Mobbingopfer: "Warum haben sich auf einmal alle gegen mich verschworen?"

Katharina, 14, verliebt sich in einen Mitschüler - und schickt ihm Oben-ohne-Fotos. Der Junge leitet die Bilder an seine Kumpels weiter, und die senden sie an die ganze Schule. Der Anfang von acht furchtbaren Monaten für die Jugendliche.

"Geh sterben, bring dich um", riefen sie ihr zu. "Du Schlampe, Hure, Nutte". Schüler aus ihrer Klasse, aus der Parallelklasse, aus unteren und oberen Klassen. Von einem auf den anderen Tag veränderte sich das Leben von Katharina, einem Mädchen aus einer westdeutschen Kleinstadt.

Plötzlich war sie nicht mehr die Neue an der Schule, sie war nur noch das Mädchen, das Nacktbilder von sich verschickt: Oben-ohne-Fotos, die ein Schüler nach dem anderen weiterleitete. Die 14-Jährige wurde nun angestarrt, ausgegrenzt und fertiggemacht.

Dabei hatte Katharina, deren richtiger Name nicht genannt werden soll, nur einen Fehler gemacht. Sie hatte sich in den Falschen verliebt und ihm vertraut - so erzählt sie es. Ihre Geschichte zeigt, welche Macht Jugendliche mit dem Internet ausüben können. Jederzeit und anonym.

Mobbing über Internet und Smartphones hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt, sagen Wissenschaftler, die zu dem Thema forschen. Laut einer repräsentativen Befragung der ETH Zürich aus diesem Jahr wurde jeder zweite Jugendliche schon einmal Opfer von Cybermobbing. Eine Studie der Universitäten Münster und Hohenheim aus dem Jahr 2013 ergab, dass ein Drittel der Schüler von Mobbingattacken im Netz betroffen sind.

Wie häufig Kinder und Jugendliche allerdings wirklich online gemobbt werden, ist schwer auszumachen. Studienergebnisse hängen etwa davon ab, wie oft die befragten Kinder und Jugendlichen Smartphones und das Internet nutzen. Und wie Mobbing definiert wird. Zudem sind sie abhängig davon, wer befragt wird - also etwa Opfer, vermeintliche Täter oder Lehrer. Auch das Alter und das Geschlecht der Jugendlichen spielt eine Rolle.

Katharina will unbedingt mit dem Jungen zusammenkommen

Im November kommt Katharina neu an die Schule, ihre alte gefiel ihr nicht mehr. Sie wird nur zehn Tage bleiben. Katharina freundet sich mit ihren neuen Mitschülern an - und mit einem Jungen aus der Parallelklasse. "Er kam nett rüber und ist Skateboard gefahren", sagt Katharina. Die beiden haben sich auf Facebook geschrieben, dann Nummern ausgetauscht und über WhatsApp gechattet. Katharina verknallt sich, will unbedingt mit dem Jungen zusammenkommen. Er fordert sie auf, ihm Nacktbilder zu schicken. Wenn sie das täte, dann würde er sich überlegen, ob er ihr Freund sein würde, so schildert es Katharina. "Er hat mich erpresst", sagt sie heute.

Sie erzählt niemandem von der Forderung des Jungen, macht in ihrem Zimmer ein paar Oben-ohne-Bilder von sich und schickt sie ab. Es sei doch nichts dabei, denkt sie sich. Das machen andere schließlich auch. Aber der Junge behält die Bilder nicht für sich, sondern sendet sie an seine Kumpels weiter. Er lädt auch noch andere Fotos von Frauen aus dem Internet herunter, die ihren ganzen Körper zeigen, nur ihr Gesicht nicht. Der Junge sagt zu seinen Kumpels, auch das sei Katharina. "Haha, verarscht", wird er Katharina später per WhatsApp schreiben. Danach wird er sie blockieren. So erzählt Katharina die Geschichte.

Wenige Tage nachdem sie dem Jungen ihre Oben-ohne-Fotos geschickt hat, merkt Katharina, wie sie in der Schule beobachtet wird. Die Mitschüler fragen sie, was sie denn so im Internet treibe und sagen ihr, dass sie eine Schlampe sei und keine Ehre habe. Da wird ihr klar, dass der Junge sie verraten hat. "Ich habe es nicht hingekriegt, ihn darauf anzusprechen. Ich konnte mit niemandem mehr reden, weil ich mich so geschämt habe", sagt Katharina. Sie entscheidet sich für den einzigen Ausweg, den sie in dieser Situation sieht: Sie bleibt zu Hause. Einen Monat lang geht sie nicht mehr in die Schule. "Ich war psychisch am Ende", sagt sie.

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Mehr als ein halbes Jahr später sitzt Katharina im Wohnzimmer und erzählt, wie sie zum Mobbingopfer wurde. Sie trägt blauen Eyeliner, Hotpants mit Strass-Steinchen und eine pinkfarbene ärmellose Bluse mit weißer Stickerei. Ihre Haare hat sie blondiert. Im Wohnzimmer stehen blaue Ledersofas. Auf einem liegt eine Decke mit Leopardenmuster. Der Balkon zeigt auf den gepflegten Garten, in dem ein Apfelbaum steht. Alles ist ordentlich und sauber. Der Vater arbeitet im Schichtdienst, die Mutter kam vor zwei Jahrzehnten nach Deutschland, beide wirken sehr besorgt um ihre Tochter.

"Katharina trägt einen Teil der Schuld", sagt die Mutter

Als der Anruf aus der Schule kommt, geht die Mutter ans Telefon. Ein Lehrer sagt, Katharina habe Nacktbilder von sich verschickt. "Ich verstand erst nicht, was passiert war und konnte es nicht glauben", sagt die Mutter. Sie schaut sich die Bilder an. Auf drei Fotos erkennt sie ihre Tochter. "Das auf den anderen Fotos war nicht Katharina", sagt die Mutter. Die Eltern gehen mit ihrer Tochter in die Schule, sprechen mit der Sozialpädagogin der Schule. Die sammelt daraufhin die Handys der Jungs ein, die Katharinas Nacktbilder verbreitet haben und löscht die Fotos. Doch niemand kann prüfen, ob die Bilder noch irgendwo im Umlauf sind.

"Katharina trägt einen Teil der Schuld, weil sie die Bilder verschickt hat", sagt die Mutter. Und der Vater: "Wir haben abgewogen, Anzeige zu erstatten, aber wir wollten das so regeln. Wir wollten, dass die ganze Geschichte vergessen wird." Doch da ahnen die Eltern noch nicht, wie grausam Jugendliche sein können.

Nach einem Monat zu Hause beschließt Katharina, erneut die Schule zu wechseln. "Ich habe meine Eltern angefleht, mich nicht auf die alte Schule zurückzuschicken", erzählt sie. Eigentlich will sie auf eine ganz neue Schule, doch die Mutter sagt, sie solle wieder die Schule besuchen, auf der sie schon vier Jahre lang war und auf der sie Freunde hat. Katharina wechselt also zurück an ihre erste Schule. Doch auch da sind die Nacktbilder schon angekommen. Das Mobbing geht in die zweite Runde.

Die Mädchen wollten sie verprügeln

"Meine ehemaligen Freundinnen waren sauer auf mich, weil ich sie vernachlässigt hatte. Dann haben sie sich gerächt", sagt Katharina. Die Mädchen richten WhatsApp-Gruppen ein, verbreiten dort die Fotos und lästern übel über Katharina. Selbst als jemand schreibt, dass es illegal sei, solche Fotos zu verschicken, antwortet ein Mädchen: "Ich bin 13 und noch nicht strafmündig." Katharina stellt die Mädels zur Rede, will wissen, warum sie ihr das antun. "Das hast du verdient, du Schlampe", sagen sie zu ihr. Katharina beschwert sich bei einer Lehrerin, und als die Mädchen das mitbekommen, drohen sie ihr Prügel an.

"Ich wusste nicht, warum sich auf einmal alle gegen mich verschworen hatten", sagt Katharina. Nur ein Mensch hilft ihr aus dieser Situation heraus. Ihre beste Freundin. "Sie hat mich verteidigt und nicht geglaubt, was die anderen über mich sagten, weil sie mich besser kennt", sagt Katharina. "Ohne sie hätte ich das nie durchgestanden."

Katharina hat abgewartet, sie hat die ständigen Beleidigungen über sich ergehen lassen, sie ist an der Schule geblieben. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Katharina sagt, sie hätte gelernt, dass man vor jeder Tat die Konsequenzen bedenken müsse. Sie hat wieder Freundinnen, denen sie vertraut. Jetzt, rund acht Monate nachdem Katharina die Fotos verschickt hat, wird sie nur noch manchmal als Schlampe beschimpft.

Mobbing im Internet
Was ist das?
Wenn jemand einen anderen Menschen absichtlich und über längere Zeit beleidigt, bedroht, bloßstellt oder belästigt, und wenn das im Internet oder per Smartphone geschieht, spricht man von Cybermobbing. Dazu gehört auch, wenn beschämende Fotos oder Videos von jemandem hochgeladen und verbreitet werden oder wenn jemand absichtlich nicht in eine Online-Gruppe eingeschlossen oder nachträglich ausgeschlossen wird. Zum Cybermobbing zählt auch, wenn jemand die Online-Identität von jemand anderem annimmt, um beschämende Inhalte zu veröffentlichen. Gerade unter Kindern und Jugendlichen kennen sich Opfer und Täter meist aus der Schule, einem Verein oder dem Wohnviertel. Dass sich Personen, die sich noch nie gesehen haben, im Internet mobben, ist sehr selten.
Wie entsteht es?
Spannungen in der Klasse verlagern sich oft ins Internet, wo unbeliebte Schüler dann anonym verspottet und belästigt werden. Manchmal brechen auch Freundschaften auseinander, und ehemals gute Freunde tragen ihren Konflikt im Netz aus. In manchen Gruppen gehört es zum alltäglichen Umgang, sich gegenseitig herunterzumachen. Mobbing im Internet kann aber auch aus Unachtsamkeit oder Langeweile entstehen. Oft ist Jugendlichen nicht bewusst, wie verletzend ein flapsiger Kommentar sein kann.
Wie erkennt man, wer betroffen ist?
Opfer von Mobbing sind oft bedrückt, ungewöhnlich schweigsam oder angespannt. Viele können schlecht schlafen und haben morgens vor der Schule Schmerzen oder andere Beschwerden. Sie werden selten zu Geburtstagen oder Partys eingeladen und wollen lieber von ihren Eltern abgeholt werden, statt mit dem Schulbus zu fahren. Wenn man sie darauf anspricht, spielen Jugendliche ihre Situation vor Erwachsenen oft herunter.
Wie schützt man sich?
Gebt möglichst wenige persönliche Daten im Internet preis, ladet möglichst wenige Bilder und Videos von euch hoch - vor allem keine Inhalte, auf denen ihr nackt seid - und macht niemals eure vollständige Adresse oder Handynummer öffentlich. Sprecht in sozialen Netzwerken nicht über persönliche Probleme. Überprüft eure Sicherheitseinstellungen und gebt euren Privatbereich nicht für jeden frei.
Wie kann man sich wehren?
Nehmt beleidigende E-Mails, Bilder oder Posts nicht einfach hin, aber antwortet auch nicht direkt darauf. Fragt lieber zuerst eure Eltern, einen Lehrer oder einen guten Freund, wie ihr damit umgehen sollt. Redet mit Menschen, denen ihr vertraut, und fresst den Ärger nicht in euch hinein. Speichert SMS, WhatsApp-Nachrichten oder E-Mails und macht Screenshots von Seiten, auf denen ihr beleidigt werdet. Sperrt Leute, die euch belästigen und meldet Kommentare an den Betreiber der Webseite. Geht in besonders ernsten Fällen zur Polizei und erstattet Anzeige.
Was droht den Tätern?
Mobbing im Internet ist kein Straftatbestand, aber einzelne Straftaten vereinigen sich darin. Dazu gehören zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nötigung, Bedrohung, Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen oder Gewaltdarstellung. Alle diese Vergehen können mit bis zu einem Jahr im Gefängnis bestraft werden, in manchen Fällen sogar härter. Kinder unter 14 Jahren sind grundsätzlich strafunmündig. Bei Jugendlichen steht nicht die Bestrafung, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. In Betracht kommen deshalb in erster Linie erzieherische Weisungen und Auflagen im Sinne des Jugendstrafrechts.

Quellen: www.klicksafe.de, www.polizei-beratung.de
Wo bekommt man Hilfe?
Das Bündnis gegen Cybermobbing listet hier eine Reihe von Stellen auf, an die man sich wenden kann, wenn man im Internet oder über das Smartphone gemobbt wird.
Stress im Netz - was habt Ihr schon erlebt?
  • DPA
    Wie häufig greifen Mitschüler oder Bekannte euch oder eure Freunde online an - beleidigen euch zum Beispiel im Chat oder über persönliche Nachrichten? Wie reagiert ihr darauf? Zu diesen Fragen suchen Wissenschaftler von der Universität Koblenz-Landau Mädchen und Jungen im Alter von 13 bis 19 Jahren für eine Online-Studie. Keine Angst, die Umfrage ist selbstverständlich anonym und das Ausfüllen des Fragebogens dauert nur einige Minuten. Am Ende werden unter allen Teilnehmern unter anderem ein Smartphone und eine Spielekonsole verlost. Klickt hier, um mitzumachen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 270 Beiträge
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1. Sie koennte
Nonvaio01 30.07.2015
den Jungen und alle anderen verklagen wegen urhebererchts verletzung, es sind Ihr Fotos und Ohne Ihr einverstaendnis duerfen die nicht weitergegeben werden. Guter nebeneffekt ist das sich die kinder dann ueberlegen werden Fotos in zukunft zu teilen. Ich denke 10000€ pro weiterleitung ist angemessen, soviel, muss man ja auch fuer downloads etc zahlen. Das schreckt ab.
2. Pubertät – hier ist guter Rat teuer!
gamehill 30.07.2015
Natürlich hat das Mädchen einen Fehler gemacht – wahrscheinlich wäre es ihr im Analogzeitalter auch nicht viel anders ergangen. Nur, das wird sie selbst wissen und hilft ihr in diesem Moment wenig. Hier muss sie einfach durch und hoffen, dass die Zeit vergeht. Ewig über das Gleiche reden, wird bekanntlich fad, und so wird sich auch über diese Sache Gras wachsen. Dass auch Erwachsene nicht viel klüger sind, ist bekannt. Wie dumm sie sein können, wird u.a. auch hier lustig erzählt. http://www.thalia.ch/shop/home/artikeldetails/schwanzrasur/soulman/EAN9783738001891/ID40974661.html;jsessionid=7BA861E5ABC1677A2EFB429D52F86540.tc4p
3. Sofort hart reagieren - auch durch die Eltern
austenjane1776 30.07.2015
An meiner Schule gab es auch einen krassen Fall von Cybermobbing - auch gegen eine junge Frau, die von der Klasse unter der Führung eines jungen Mannes ausgegrenzt und schwer beleidigt wurde. (Dieser Frau ist nun gar nichts vorzuwerfen - sie hat wirklich nichts falsch gemacht - sie hatte einfach Pech) Der Vater stellte Strafanzeige. Der Bereichsleiter und der Schulsozialarbeiter machten der Klasse klar, dass das nicht geduldet wird. Alle Lehrer/innen der Klasse machten kurz ihre Position deutlich - wer mobbt, fliegt. (OK, wir sind Sek II. Da wird wirklich geflogen) Der Haupttäter wurde per Schulordnungsmaßnahme in eine andere Klasse versetzt. Mittlerweile ist er, weil zu schlecht, abgegangen. Die Schülerin wird - hoffentlich - die Nerven behalten und ihren Abschluss machen. Sie weiß aber auch, dass alle Lehrkräfte hinter ihr stehen.
4. Strafmündig? Das wäre mir egal!
bbär 30.07.2015
Whatsapp darf lt. Nutzungsbedingungen nur von Personen am 16 Jahren benutzt werden. Einen eigenen Vertrag darf ein Mädchen von 13 Jahren auch nicht haben. Also sind die Eltern für das Verhalten der Kinder haftbar. Und das würde ich durchziehen. Die Eltern sind sich ihre Verantwortung nicht bewusst, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Dann müssen sie das eben lernen. Freut mich, wenn Katharina die Situation für sich wieder in den Griff bekommen hat. So schnell wie es aufbraust, wird es auch wieder vergessen. Gut so.
5.
Zaunsfeld 30.07.2015
Strafanzeige wäre in diesem Falle die beste Lösung gewesen und zwar gegen jeden einzelnen, der die Fotos weiterverbreitet hat. Das Mädchen hat ein Recht am eigenen Bild und ebenso das Urheberrecht an den Bildern. Sie hätte es den Jungens richtig teuer machen können, dass sie die Bilder unerlaubt weiterverbreitet haben, zumindest denen, die 14 oder älter waren.
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