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11. Mai 2012, 17:25 Uhr

Notenmanipulation

Schüler hackten sich ums Abi

Zwei Lübecker Gymnasiasten wurden bei dem Versuch ertappt, ihre Noten für das Abitur digital zu überarbeiten. Dafür hackten die beiden sich in die Schulrechner. Besonders delikat: Die beiden sollten eigentlich im Auftrag des Gymnasiums das Schulnetzwerk verbessern.

Lübeck - Zwei Gymnasiasten aus Schleswig-Holstein sollen sich in das Netzwerk ihrer Schule gehackt haben, um ihre Abiturnoten zu manipulieren. Gegen die beiden 19-Jährigen werde wegen Ausspähens von Daten und Datenveränderung ermittelt, sagte ein Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft.

Aufgeflogen war der Fall bereits im März, als die damals 18-jährigen Schüler sich für ihre Abitur-Prüfung am Lübecker Johanneum anmelden wollten. Dabei fiel auf, dass die Punktzahlen der schriftlichen Leistungsnachweise von denen in der Schuldatenbank abwichen. Daraufhin prüfte das Gymnasium genauer.

Tatsächlich waren diverse Angriffsversuche im Computersystem protokolliert und ließen sich bis zu Rechnern in der Schule zurückverfolgen. "Offenbar wollten sie die Daten nachträglich ändern", sagt Schulleiter Rüdiger Bleich den "Lübecker Nachrichten". Hier sei eindeutig eine Grenze überschritten worden. Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass die Schüler auch Zugang zu Details der Abituraufgaben hatten.

Abschottung war "völlig unzureichend"

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, hatte das Bildungsministerium bereits im Februar 2011 auf erhebliche Mängel der IT-Sicherheit in den Schulen hingewiesen: "Schüler können sich oftmals Zugriff auf die Daten in den Schulrechnern verschaffen und werden sogar als Administratoren eingesetzt", sagt Weichert.

Dies war offenbar auch hier der Fall: Die Schüler waren gemeinsam in einer Arbeitsgruppe mit Lehrern und Software-Experten, die das interne Schulnetzwerk benutzerfreundlicher gestalten sollten. Diesen Auftrag haben die beiden offenbar für ihre eigenen Zwecke genutzt und von Schulrechnern aus ihren Hackerangriff gestartet. Dabei sei ihnen die Sache von Seiten der Schule ziemlich leicht gemacht worden: "Die Abschottung des Schulnetzwerkes war völlig unzureichend", sagt Weichert.

Die Arbeit am neuen Netzwerk soll zunächst mit den übrigen Schülern uneingeschränkt weitergehen, so der Direktor. Das Vertrauen sei da. Laut Landesbildungsministeriums ist dies der erste bekannte Fall dieser Art in Schleswig-Holstein. Mit den Abitur-Hackern einigte die Schulleitung sich darauf, dass die beiden das Gymnasium freiwillig verlassen. Besonders ärgerlich: Die beiden 19-Jährigen hätten das Aufbessern ihrer Noten gar nicht nötig gehabt, sagte der Schulleiter.

jon/dpa

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