Notenmanipulation: Schüler hackten sich ums Abi

Zwei Lübecker Gymnasiasten wurden bei dem Versuch ertappt, ihre Noten für das Abitur digital zu überarbeiten. Dafür hackten die beiden sich in die Schulrechner. Besonders delikat: Die beiden sollten eigentlich im Auftrag des Gymnasiums das Schulnetzwerk verbessern.

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Einsen für Nullen? Von einem Schulrechnern aus manipulierten zwei Schüler ihre Abi-Noten

Lübeck - Zwei Gymnasiasten aus Schleswig-Holstein sollen sich in das Netzwerk ihrer Schule gehackt haben, um ihre Abiturnoten zu manipulieren. Gegen die beiden 19-Jährigen werde wegen Ausspähens von Daten und Datenveränderung ermittelt, sagte ein Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft.

Aufgeflogen war der Fall bereits im März, als die damals 18-jährigen Schüler sich für ihre Abitur-Prüfung am Lübecker Johanneum anmelden wollten. Dabei fiel auf, dass die Punktzahlen der schriftlichen Leistungsnachweise von denen in der Schuldatenbank abwichen. Daraufhin prüfte das Gymnasium genauer.

Tatsächlich waren diverse Angriffsversuche im Computersystem protokolliert und ließen sich bis zu Rechnern in der Schule zurückverfolgen. "Offenbar wollten sie die Daten nachträglich ändern", sagt Schulleiter Rüdiger Bleich den "Lübecker Nachrichten". Hier sei eindeutig eine Grenze überschritten worden. Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass die Schüler auch Zugang zu Details der Abituraufgaben hatten.

Abschottung war "völlig unzureichend"

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, hatte das Bildungsministerium bereits im Februar 2011 auf erhebliche Mängel der IT-Sicherheit in den Schulen hingewiesen: "Schüler können sich oftmals Zugriff auf die Daten in den Schulrechnern verschaffen und werden sogar als Administratoren eingesetzt", sagt Weichert.

Dies war offenbar auch hier der Fall: Die Schüler waren gemeinsam in einer Arbeitsgruppe mit Lehrern und Software-Experten, die das interne Schulnetzwerk benutzerfreundlicher gestalten sollten. Diesen Auftrag haben die beiden offenbar für ihre eigenen Zwecke genutzt und von Schulrechnern aus ihren Hackerangriff gestartet. Dabei sei ihnen die Sache von Seiten der Schule ziemlich leicht gemacht worden: "Die Abschottung des Schulnetzwerkes war völlig unzureichend", sagt Weichert.

Die Arbeit am neuen Netzwerk soll zunächst mit den übrigen Schülern uneingeschränkt weitergehen, so der Direktor. Das Vertrauen sei da. Laut Landesbildungsministeriums ist dies der erste bekannte Fall dieser Art in Schleswig-Holstein. Mit den Abitur-Hackern einigte die Schulleitung sich darauf, dass die beiden das Gymnasium freiwillig verlassen. Besonders ärgerlich: Die beiden 19-Jährigen hätten das Aufbessern ihrer Noten gar nicht nötig gehabt, sagte der Schulleiter.

jon/dpa

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1. Wargames...
Rubeanus 11.05.2012
Zensuren im Schulcomputer frisieren? So etwas machte bereits 1983 David, der Held im Film Wargames: http://de.wikipedia.org/wiki/WarGames_–_Kriegsspiele
2. Wen wundert's?
trafozsatsfm 11.05.2012
---Zitat--- "Die Abschottung des Schulnetzwerkes war völlig unzureichend", sagt Weichert. ---Zitatende--- Und wen wundert das? An einer weiterführenden Schule werden meist zwischen 700 und 1200 Personen (Schüler, Lehrer...) irgendwie per EDV verwaltet. Jedes Unternehmen mit einer derartigen Mitarbeiterzahl hätte seine eigene EDV-Abteilung. An einer deutschen Schule übernehmen meist ein paar Mathelehrer für eine Ermäßigung von 1 bis 2 Stunden pro Woche die Betreuung des gesamten Netzwerkes, weil der Staat ja keine Systemadministratoren bezahlen will. Das aus solchen Hobby-Netzwerken nichts werden kann, sollte klar sein. In die meisten deutschen Schulnetzwerke könnte sich wahrscheinlich ein Siebtklässler nach dem Basic-Anfängerkurs reinhacken...
3. sparen am falschen fleck
seikor 11.05.2012
Mich wundert es, dass das nicht öfters passiert. Wenn in einer Schule mit deutlich über hundert zu verwaltenden Rechnern ein Lehrer, der sich das IT-Wissen vielleicht über das Internet angeeignet hat, mit nur wenigen Stunden pro Wochen das Netz am Laufen halten will, dann frage ich mich manchmal, wieso überhaupt noch die Bildschirme angehen... Leider wird hier zulasten unseres Nachwuchses am völlig falschen Fleck gespart.
4. ...das Problem
poly123 11.05.2012
liegt eher daran, dass Lehrer meinen, sie müssten IT "unterrichten" und dabei ihr eigenes Fachwissen unter Umständen überschätzen. Die heutige, junge Schülergeneration ist in die Technik rein - und aufgewachsen und kann vieles intuitivier, was dazu führt, dass Vertrauen geschenkt wird und dann wegen der Narrenfreiheit gnadenlos ausgenutzt wird.
5. Etwas läuft verkehrt,
caecilia_metella 12.05.2012
wenn schon Schüler glauben, sich durch Betrug Vorteile verschaffen zu können. Selbst wenn sie es in dem Fall angeblich "nicht nötig" hatten (Wer hat es denn nötig?), so zeigt es doch, dass es gewisse Versäumnisse gibt.
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