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Lehrer schreiben Mutmach-Brief: "Du bist wichtiger als jede Note"

Sind meine Noten gut genug? Kinder in Nordirland fiebern den Testergebnissen entgegen, die über ihre weiterführende Schule entscheiden. Ihre Lehrer machen ihnen Mut mit einem ungewöhnlichen Brief.

Es passiert nicht oft, dass Lehrer ihren Schülern einen Brief schreiben. Noch dazu einen, der so mitfühlend ist: Lehrer einer Schule in Nordirland haben den Testergebnissen ihrer Siebtklässler einen einseitigen Brief beigelegt, der seither in sozialen Netzwerken und in der Presse immer wieder zitiert wird.

"Bevor du den Umschlag mit deiner Punktzahl öffnest, wollen wir, dass du zuerst das hier liest", heißt es in dem Brief. Und weiter: "Vielleicht ist es nicht die Punktzahl, die du dir erhofft hast. Wenn das der Fall ist, ist es ganz normal, dass du enttäuscht bist." Die Lehrer der Grundschule Harmony Hill im nordirischen Lisburn seien jedoch nicht enttäuscht von den zehn- bis elfjährigen Schülern, deren Testergebnisse über den Wechsel an die weiterführenden Schulen entscheiden.

Brief an Schüler einer nordirischen Grundschule: "Wir sind sehr stolz auf euch" Zur Großansicht
Chris Lyttle/twitter

Brief an Schüler einer nordirischen Grundschule: "Wir sind sehr stolz auf euch"

Die Pädagogen schreiben: "Wir wissen, dass jeder von euch sehr hart gearbeitet hat." Das könne kein Test zunichtemachen. "Wir glauben, dass deine Einstellung und deine Persönlichkeit viel wichtiger sind als jede Note."

Das Kollegium gibt den Kindern auch einen Rat mit auf den Weg: "Macht uns stolz, egal, auf welche Schule ihr kommt. Gebt nicht gleich auf, wenn es hart auf hart kommt. Werdet gütige, mitfühlende, großzügige, liebende Erwachsene, die mit ihrer Lebensweise etwas Positives in dieser Welt bewirken."

Schulleiter Harry Greer sagte dem Sender BBC, die Aufmerksamkeit, die der Brief bekommen habe, habe sie alle überrascht. Seine Stellvertreterin habe die Idee mit dem Brief am Donnerstag vorgeschlagen und mit den Kollegen die Formulierungen abgestimmt. "Es ist sehr wichtig für uns, dass die Kinder gut aufgehoben sind und dass sie ganzheitlich wertgeschätzt werden, egal, was sie erreichen", sagte Greer.

Der Brief endet so rührend, wie er beginnt: "Denk dran, dass die Punktzahl in dem Umschlag nur die Note für ein paar Tests ist. Sie können nicht ausdrücken, wie wunderbar du bist!" Unterschrieben ist er "mit Liebe von allen Lehrern".

  • Corbis
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kha/lov

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Großartig!!!!
Pickeldie 02.02.2016
Mehr gibt's dazu nicht zu sagen!
2. Super!
Racer77 02.02.2016
Echt eine tolle Aktion der Schule den Schülern klar zu sagen, dass sie selbst als Mensch viel wichtiger sind als die Ergebnisse. Leider passiert das viel zu selten, dass eine Schule mal ihre Wertschätzung den Schülern zeigt.
3. So süß...
elCaputo 02.02.2016
Das Verständnis vom Beruf des Lehrers, von der "Wertigkeit" von Menschen und von der Bedeutung von Noten, das in diesem Brief zum Ausdruck kommt, ist wirklich vorbildlich ...... und dennoch verlogen und weltfremd idealistisch. Meine Schüler in der Hauptschule wussten schon im fünften (!) Schuljahr welchen Wert ihr Abschluss - so sie ihn denn schaffen würden - im weiteren Leben haben würde. Und das lag nicht daran, dass die Lehrer sie ständig daran erinnerten, welch schlechte Berufs- und damit Zukunftsaussichten sie mit dem Hauptschulabschluss erwarteten. Ein lieber Brief hätte an ihrer daraus resultierenden Resignation und Motivationslosigkeit nichts geändert, genauso wenig, wie er Helikoptereltern samt gehetztem Gymnasial-Nachwuchs-Homunkulus zähmen und besänftigen würde. Aber vielleicht ist das in Irland ja auch anders und es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Zeugnisse, Abschlüsse, Diplome, Noten, Doktortitel bzw. deren Fehlen völlig ohne Bedeutung sind.
4. Schule des Glücks.
event.staller 02.02.2016
Lehrer, die ihren Schülern so nahe stehen, lieben ihren Beruf und ihre Kinder. Soviel Warmherzigkeit verdient die Auszeichnung "Schule des Glück".
5. Bravo!
Greybird 02.02.2016
Hut ab für diese Geste der Menschlichkeit! Hat in einer immer schneller werdenden, vulgär-materialistischen Leistungsgesellschaft allerdings auch was von trotziger Realitätsverweigerung. @elCaputo Das unbarmherzige unseres Leistungssystems liegt auch im permanenten technischen Fortschritt. Vor 20 oder 30 Jahren wären Ihre Schüler mit Sicherheit willkommene Arbeitskräfte gewesen, mit entsprechenden Perspektiven. Aber im Rat-Race gilt nur die relative Leistung, kaum noch die absolute. Wir wollen Marktwirtschaft und soziale Stratifikation, weil wir uns davon einen größeren Kuchen erhoffen. Das manche davon nur immer kleiner werdende Stücke abkriegen, ist der brutale Preis dafür.
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