Deutsch ungenügend: Physiklehrer fällt wegen Sprachproblemen durchs Examen

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Physikunterricht (Archivbild): Lehrer müssen Deutsch beherrschen

Sprechen Sie Deutsch: Wegen mangelnder Sprachkenntnisse war ein Kasache zweimal durchs deutsche Lehramtsexamen gefallen. Zu Recht, befand ein Gericht. Inhaltliche Brillanz reicht demnach nicht - wer Lehrer werden will, muss sich auch korrekt ausdrücken können.

In der Physik geht es häufig um die Gesetze von Energie, Kraft und Geschwindigkeit. Ausgedrückt werden sie in Formeln, die wiederum der Graus vieler Schüler sind - und ihrer Lehrer, die sie ihnen anhand von Experimenten, Eselsbrücken oder knallharten Formeltests einzubläuen versuchen.

Welche Rolle spielt dabei die korrekte Grammatik? Eine große, befanden jetzt die Richter am Verwaltungsgericht Kassel. Sie lehnten die Klage eines Studenten ab, der wegen sprachlicher Defizite durchs Lehramtsexamen gefallen war. Ein Kandidat, der seine Ergebnisse nicht in halbwegs richtige Sätze fassen kann, falle bei der Lehramtsprüfung durch, entschied das Gericht, wie jetzt bekannt wurde.

Geklagt hatte ein Mann aus Kasachstan. Er war 1993 nach Deutschland gekommen und hatte ab 2005 in Gießen Mathematik und Physik für das Lehramt an Haupt- und Realschulen studiert. Beim Examen zeigten sich die Prüfer mit seinen fachlichen Leistungen zufrieden. Dennoch wurden die erste und auch die Wiederholungsklausur in Physik im Jahr 2008 als "mangelhaft" bewertet. Damit galt die gesamte Prüfung als endgültig nicht bestanden.

Grund für die schlechte Bewertung waren reihenweise sprachliche Mängel, auf fast jeder Seite der Klausuren hatte der angehende Lehrer "schwerwiegende Fehler" gemacht. Er beherrsche weder Grammatik noch Rechtschreibung oder Zeichensetzung, befanden die Prüfer.

Man habe ihn doch verstanden, argumentiert der Student

Gegen diese Entscheidung des Prüfungsamts reichte der Student Klage ein. Er wollte damit erreichen, dass die Wiederholungsklausur Physik mit mindestens "ausreichend" bewertet wird und damit die gesamte Prüfung als bestanden gilt. Sollte er mit diesem Antrag scheitern, wollte er eine Neubewertung seiner Prüfungsleistung unter Einbeziehung der Auffassung des Gerichts erreichen - wenigstens wollte er jedoch die Möglichkeit erhalten, die Physik-Klausur ein drittes Mal zu schreiben.

Der Student argumentierte: Seine fachlichen Leistungen seien ja anerkannt worden, man habe ihn also verstanden. Demnach könne sein Deutsch so schlecht nicht sein. Folglich sei die Klausurnote "mangelhaft" nicht gerechtfertigt. Außerdem dürfe, so der Kläger, die Bewertung der Sprache bei einer Klausur, die unter Zeitdruck und ohne Hilfsmittel geschrieben werden muss, nicht so streng sein.

Das Verwaltungsgericht gab nun jedoch den Prüfern recht: Ganz unabhängig von der fachlichen Qualifikation müsse sich ein Uni-Prüfling sprachlich korrekt ausdrücken können. "Darum kann ein Kandidat, der die Sprache nicht angemessen beherrscht, die Prüfung nicht bestehen", teilten die Kasseler Richter mit.

Ganz besonders gelte dies für das Lehrerexamen. "Insbesondere Pädagogen müssten in der Lage sein, ihr Fachwissen durch korrekten und sicheren Gebrauch der Sprache zu vermitteln."

Die Kammer hat die Berufung zum Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel bereits zugelassen.

Aktenzeichen: 3 K 1407/11.KS

lgr/jur

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insgesamt 103 Beiträge
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1.
carrington 07.08.2013
Zitat von sysopDPASprechen Sie Deutsch: Wegen mangelnder Sprachkenntnisse war ein Kasache zweimal durchs deutsche Lehramtsexamen gefallen. Zu Recht, befand ein Gericht. Inhaltliche Brillianz reicht demnach nicht - wer Lehrer werden will, muss sich auch korrekt ausdrücken können. http://www.spiegel.de/schulspiegel/physiklehrer-faellt-wegen-schlechter-deutschkenntnisse-durch-a-915348.html
Ein Lehrer benötigt in jedem Fach grundlegende Orthographie- und Grammatikkenntnisse.
2. Das sehe ich schon lange so !
eaglefighter 07.08.2013
Egal wie schlau einer ist: aber ohne korrekte Sprache kann ! er gar nicht schlau sein ! Zu Leben gehört auch nicht nur Essen, sondern auch Trinken !
3. Fachidioten
bénichousaraute 07.08.2013
gehören in die Forschung, nicht vor Schulklassen. Dort geht es nämlich um Wissensvermittlung, und die passiert nunmal sprachlich. Das Urteil ist richtig.
4.
io_gbg 07.08.2013
Zitat von sysopDPASprechen Sie Deutsch: Wegen mangelnder Sprachkenntnisse war ein Kasache zweimal durchs deutsche Lehramtsexamen gefallen. Zu Recht, befand ein Gericht. Inhaltliche Brillianz reicht demnach nicht - wer Lehrer werden will, muss sich auch korrekt ausdrücken können. http://www.spiegel.de/schulspiegel/physiklehrer-faellt-wegen-schlechter-deutschkenntnisse-durch-a-915348.html
Da hat wohl ein Rechtsanwalt Kapital aus der Sache schlagen wollen anstatt dem Klienten anständigerweise von einem Verfahren abzuraten. Anders kann man kaum erklären, dass jemand, der auf Lehramt studiert hat, es nicht versteht, dass man sich - gerade als Lehrer -, in der Sprache in Wort und Schrift präzise und verständlich ausdrücken muss.
5.
io_gbg 07.08.2013
Zitat von bénichousarautegehören in die Forschung, nicht vor Schulklassen. Dort geht es nämlich um Wissensvermittlung, und die passiert nunmal sprachlich. Das Urteil ist richtig.
Mit schlechtem Deutsch hätte er auch in der Forschung keinerlei Chance (und da bräuchte er auch noch sehr gute Englisch-Kenntnisse und -Fähigkeiten). Ich verstehe nicht einmal, wie er überhaupt die ersten Semester Lehramt durchstehen konnte. Werden da keine schriftlichen Arbeiten verlangt, kein Vortrag von Referaten? Die Standards scheinen dann ja ganz unten zu sein. Bei mir wäre der jedenfalls nicht weiter gekommen.
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