Privatschule geschlossen: Prügelnde Lehrer an Herz Jesu

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Wegen wiederholter Misshandlungen von Schülern wird die Herz-Jesu-Realschule in Saarbrücken geschlossen. Zu häufig wurde nach Ansicht der Schulbehörde den Kindern der Lernstoff eingeprügelt. Doch an der Grundschule und im Internat darf der Lehrbetrieb weitergehen.

Als der Schulaufsichtsbeamte Jürgen Corneli im Dezember bei der Herz-Jesu-Realschule in Saarbrücken anrief und Pater Firmin Udressy noch am selben Tag einen Blitzbesuch ankündigte, schwante dem Rektor wahrscheinlich Böses. Eine Woche zuvor hatte er einen Lehrer zunächst mündlich, dann drei Tage später auch schriftlich abgemahnt. Dieser hatte in der Pause zwei Neuntklässlern ins Genick geschlagen.

Schüler unterm Kruzifix (in einer Nürnberger Grundschule): Unzulässige Züchtigung an einer Saarbrücker Privatschule
DPA

Schüler unterm Kruzifix (in einer Nürnberger Grundschule): Unzulässige Züchtigung an einer Saarbrücker Privatschule

Doch das Schulamt wollte nur auf einen harmlosen Routinebesuch vorbeischauen, bei dem es um Unterrichtsausfall und die Einhaltung von Lehrplänen ging. Und als der Beamte den Pater fragte: "Wie läuft's?", konnte dieser antworten: "Alles bestens. Wir sind auf dem richtigen Weg." Den Prügelvorfall erwähnte der Rektor nicht, trotz der Vorfälle im vergangenen Jahr. Pater Udressy stammt aus der Schweiz und spricht lieber Französisch als Deutsch, so erklärte ein Sprecher der Schule das Versäumnis.

Die Schläge im Dezember allerdings waren nicht die ersten, die auf dem Schulgelände der Herz-Jesu-Schule ausgeteilt wurden, und sie sollten auch nicht die letzten sein. Vergangene Woche setzte es von dem abgemahnten Lehrer wieder Ohrfeigen in der Pause. Und da konnte Pater Udressy dann nicht anders, als den Lehrer zu feuern und dem Schulaufseher Corneli in einem Fax alle Misshandlungen zu beichten.

Nun schließt das Schulamt die von religiösen Traditionalisten getragene Realschule, wie Kultusminister Jürgen Schreier (CDU) bestätigte. Der Minister zeigte sich empört darüber, dass die Übergriffe zunächst verheimlicht wurden, obwohl in der Zwischenzeit eine Inspektion stattgefunden habe. Der betroffene Lehrer sei vom Dienst suspendiert. "Das wurde auch Zeit. Die Schule wurde unter dem Zauberwort 'Züchtigung' gegründet, und diesen Geist wird sie nicht los", kommentierte der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Gillo die Schließung.

Seit Jahren immer wieder Prügel-Vorwürfe

Schon vor einem Jahr war die Privatschule abgemahnt worden, nachdem von Schlägen, Tritten und Schülerarrest in einem Keller berichtet worden war. Damals leitete auch die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren ein, das nach ihrer Auskunft noch nicht abgeschlossen ist. Nach den neuerlichen Prügelvorwürfen soll der Realschule mit 50 Schülern die Lehrgenehmigung zum Ende des Schuljahres entzogen werden.

Träger der Realschule, der Grundschule und des Internats ist der Don-Bosco-Schulverein, hinter dem die Priesterbruderschaft des Hl. Pius X. steht. Der Verein in Saarbrücken hat nichts mit dem Don-Bosco-Werk des Salesianer-Ordens zu tun, das unter anderem Schulen in Rostock, Hildesheim, Regensburg und Essen betreibt. Die Saarbrücker benutzten lediglich ebenfalls den nicht geschützten Namen des 1934 heilig gesprochenen italienischen Priesters Johannes Don Bosco.

Die Herz-Jesu-Schule will Einspruch einlegen. "Wir haben nichts verheimlicht und uns keines Vergehens schuldig gemacht", beteuert Sprecher Harald Messmer. Mit einer Schließung bestrafe man nur die Schüler. Die Eltern seien bestürzt über die Schließung.

Natürlich habe der ohrfeigende Lehrer falsch gehandelt und es sei richtig, ihn zu entlassen, betont die stellvertretende Elternsprecherin Daniela Baré. Er sei aber einer der beliebtesten Lehrer gewesen. "Meine Jungs haben ihn sehr gemocht. Er hat sich für so viele Dinge engagiert", sagt sie über den Pädagogen. Außerdem müsse doch nicht jede Abmahnung dem Ministerium auf die Nase gebunden werden. "Sonst würde sich das Papier dort ja stapeln", meint Baré.

Lehrer durften weiter unterrichten

Die Mutter eines ehemaligen Schülers sieht das anders. Sie erstattete im letzten Jahr Anzeige wegen Körperverletzung. Man habe ihren Sohn geschlagen, getreten und im Keller eingesperrt. Zunächst tat die Schule dies als "Rachefeldzug" der Mutter ab. Ihr Sohn war kurz zuvor von der Schule geflogen, weil er "wiederholt störte und nicht diszipliniert genug war", so damals Rektor Udressy.

Dass es an der konservativen Ordensschule seit Jahren mehrere Beschwerden über Misshandlungen gab, räumte Udressy im vergangenen Jahr ein. Er spielte die Anschuldigungen jedoch herunter: "Das gibt es doch überall." Die beschuldigten Lehrer durften deshalb weiter unterrichten.

Wenn die Realschule nun im Sommer geschlossen wird, geht der Betrieb in der Don-Bosco-Grundschule St. Arnual mit 23 Kindern und dem Internat mit 27 Schülern weiter. Beliebt sind diese Schulen nicht nur bei strenggläubigen Traditionalisten und Anhängern des exkommunizierten Erzbischofs Marcel Lefebvre, auf den sich die Don-Bosco-Bruderschaft einst gründete.

Auch nicht religiöse Eltern schicken ihre Kinder an die Ordensschule mit ihren kleinen Klassen, wenn das staatliche System an seine pädagogischen Grenzen stößt. Die Herz-Jesu-Schule lockt mit einer erschwinglichen Ganztagsbetreuung und Hausaufgabenhilfe. Dafür nehmen die Anhänger der Schule offenbar auch in Kauf, dass ihre Kinder körperlich gezüchtigt werden.

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