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Schüler als Romeo und Julia: "Ich kann hier nicht den Gangster geben"

So schön kann 415 Jahre alte Liebe sein: Über hundert Schüler haben als Rapper und HipHop-Tänzer mit einem Sinfonieorchester "Romeo und Julia" aufgeführt. Konzertmusiker und Teenager waren begeistert voneinander - und von der bekanntesten Liebesgeschichte der Welt.

Schüler-Liebesgeschichte: HipHop trifft Shakespeare Fotos
SWR

Kann man HipHop zu klassischer Musik tanzen? Man kann. 120 Schüler aus dem Südwesten haben es bewiesen. Das Sinfonieorchester des Südwestrundfunks hat den Klassiker "Romeo und Julia" neu interpretiert. Und auf der Bühne standen die Nachwuchsrapper und HipHop-Tänzer des Freiburger Musikprojekts "Romeo feat. Julia".

"Musikalische Grenzen werden aufgehoben", sagte Projektleiterin und Regisseurin Sigrun Fritsch. Immer mit dabei sind während der Proben Fernsehkameras, denn ab 1. Oktober läuft das Experiment als tägliche TV-Doku. Acht junge Rapper sind mit dabei, sie wurden Anfang des Jahres deutschlandweit gecastet. Abiturient Kelvyn Ajala, 18, aus Wiesbaden spielt den Romeo. In Deutschrap und mit rhythmischen Bewegungen wirbt er um die Liebe seines Lebens. Die Orchestermusik passt dazu, fügt sich ein.

"Es ist ungewohnt", sagt Kelvyn. Als Rapper muss er sich auf den Stoff und das Orchester einstellen. "Ich kann hier nicht den Gangster-Rapper geben, das würde nicht passen und zudem dem Original schaden." Denn authentisch soll die vor mehr als vier Jahrhunderten entstandene Geschichte bleiben - auch wenn sie gerappt wird.

"Romeo und Julia" - reloaded

"Es stoßen Welten aufeinander. Und das Schöne ist: Es funktioniert", sagt François-Xavier Roth, Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters. Er hat die musikalische Leitung des Projekts. In einer alten Lokhalle im Freiburger Güterbahnhof sorgen die Orchestermusiker für den klassischen Part der Inszenierung, bringen das bekannte und bewährte Stück von William Shakespeare auf die Bühne. Doch "Romeo und Julia" hat sich verändert: 415 Jahre nach seiner Veröffentlichung bekommt Shakespeares Werk ein neues Gewand.

Hier können Sie das Video zu "Romeo feat. Julia" auf YouTube sehen

Das Projekt soll Jugendliche an einen klassischen Stoff heranführen und gleichzeitig jugendliche Musik in den Fokus rücken. "Wir wollen, dass Alt und Jung gemeinsam verstehen, was Sache ist", sagt der Rap-Coach Robin Haefs. Die Musik soll verbinden, nicht trennen. "Schon das gemeinsame Proben und Experimentieren hat gezeigt, dass Musik, die gemeinsam gemacht wird, zusammenführt." Es sei schnell gegenseitiges Verständnis entstanden. "Respekt, wie es Rappern wichtig ist, gab es von Beginn an auf beiden Seiten."


Vom 1. Oktober an wird der KiKa die tägliche TV-Dokumentation "Romeo feat. Julia" in 20 Folgen ausstrahlen.

Von Jürgen Ruf/dpa/son

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1. Durchgeknallt
Zenturio.Aerobus 22.07.2012
Zitat von sysopSWRSo schön kann 415 Jahre alte Liebe sein: Über 100 Schüler haben als Rapper und Hip-Hop-Tänzer mit einem Sinfonieorchester "Romeo und Julia" aufgeführt. Konzert-Musiker und Teenager waren begeistert voneinander - und von der bekannteste Liebesgeschichte der Welt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,845598,00.html
Hauptsache, die Inszenierung ist genügend durchgeknallt. Ist das der Sinn des Theaters?
2. Was für ein Quatsch!
hannahcalenbach 22.07.2012
Offenbar kann man Jugendliche heute nur noch mit dem HipHopRap-Quatsch hinter ihrem vollversorgten Ofen hervorlocken - ob's sinnvoll oder völlig sinnfrei ist. Fragt man in den Ghettos dieses Landes die Unterschichtler ohne jede Ausbildung, was sie werden wollen, dann hört man "Superstar bei Dieter Bohlen" oder "Rap-Star". Einfach nur dämlich. Und die Schar fantasieloser Pädagogen, die die Unis dieser Republik verlassen, gehen den Weg des geringsten Widerstandes, heißt: "Ey, cool, kids, yeah, lasst uns den alten Shakespeare in Rap machen... Kriegt auch jeder ne 1 dafür!" Meine Güte, was für ein kulturell desolates Land ist dieses Bullerbü-Deutschland!
3. Endlich...
matteo51 22.07.2012
Zitat von sysopSWRSo schön kann 415 Jahre alte Liebe sein: Über 100 Schüler haben als Rapper und Hip-Hop-Tänzer mit einem Sinfonieorchester "Romeo und Julia" aufgeführt. Konzert-Musiker und Teenager waren begeistert voneinander - und von der bekannteste Liebesgeschichte der Welt. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,845598,00.html
...kommt so ein Projekt. Ich wundere mich, dass das so lange gedauert hat. Super - so geht Kunst:)
4. Großartig
SirVimes 22.07.2012
Es ist erstaunlich: im Film sieht man eine Gruppe junger Menschen, die sich richtig ins Zeug legen, etwas auf die Beine stellen und auf der Basis dessen was sie können, Schritte in eine neue Richtungen machen. Ob das ganze am Ende ein Kunstwerk ergibt, dass in der Wertschätzung der ersten Kommentatoren hier bestehen bleiben könnte, sein dahin gestellt, aber: die Jugendlichen hatten offenbar Freude, motivieren sich gegenseitig und machen die Welt etwas bunter. Schlecht gelaunte Gesellschaftskritik hat das noch nie geschafft.
5. hip hop
matteo51 22.07.2012
.... IST eine kunstform, genau wie jazz - ich möchte nicht wissen, was für eine explosion (im besten sinne) wir bekommen würden, wenn sich mozart mit einem hip hopper treffen würde:).... und wenn die jugend so auch an klassischen stoff herangeführt wird - was will man mehr? J.U.H.U.!
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