Rechts-Streit: Waldorfschulen klagen gegen NPD-Funktionär

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Andreas Molau, Spitzenkandidat der niedersächsischen NPD, plant ein "Waldorfschullandheim für national gesinnte Familien". Dagegen klagt der Bund der Waldorfschulen. Molau ist ehemaliger Waldorf-Lehrer - und nennt die Steiner-Pädagogik eine "gute deutsche Sache".

Der Bund der Freien Waldorfschulen geht juristisch gegen einen NPD-Politiker vor, der eine Bildungseinrichtung mit dem Begriff "Waldorf" belegen will. Man habe beim Landgericht Berlin eine Unterlassungsklage gegen den niedersächsischen NPD-Spitzenkandidaten Andreas Molau eingereicht, teilte am Montag der Verband mit, unter dessen Dach 208 deutsche Waldorf- und Rudolf-Steiner-Schulen mit rund 80.000 Schülern vereinigt sind.

NPD-Funktionär Molau: Zwist um den Waldorf-Begriff
DDP

NPD-Funktionär Molau: Zwist um den Waldorf-Begriff

In Brandenburg plant Molau ein "Waldorfschullandheim für national gesinnte Familien". Der Verband will ihm untersagen, dafür die Bezeichnung "Waldorf" zu verwenden. Zentrales Anliegen der Waldorf-Pädagogik sei die Entwicklung freier, sich selbst bestimmender Individuen. Unvereinbar damit sei "'Nationale Gesinnung', die Ausgrenzung von Menschen auf Grund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und autoritäre Gesellschaftsstrukturen, wie sie von Molau propagiert werden", erklärte der Verband. "Eine Waldorfschule, die auf der Grundlage der von Andreas Molau vertretenen Denkrichtung aufbaut, kann und wird es niemals geben."

Molau ist NPD-Multifunktionär, unter anderem im Bundesvorstand für Bildung zuständig und tritt als Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei bei der Landtagswahl am 27. Januar an. Acht Jahre lang unterrichtete er Deutsch, Geschichte und Politik an einer Braunschweiger Waldorfschule, bis 2004 seine Parteikarriere begann: Zunächst war er Mitarbeiter des sächsischen NPD-Landtagsfraktion, dann sammelte er weitere Ämter, etwa als Berater des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt.

Bei seinem fliegenden Wechsel zur NPD vor drei Jahren waren seine damaligen Lehrerkollegen an der Freien Waldorfschule Braunschweig völlig perplex. Bevor Molau dort zu unterrichten begann, war er politisch zwar keineswegs ein unbeschriebenes Blatt, hatte als Kulturredakteur bei der "Jungen Freiheit" und für andere rechte Blätter gearbeitet. Aber davon wusste an der Schule offenbar niemand ( SPIEGEL ONLINE berichtete). Die Schulleitung trennte sich per Aufhebungsvertrag von Molau, erteilte ihm Hausverbot und setzte wegen "massiver Gefährdung des Schulfriedens" auch seine beiden Kinder vor die Tür.

"Es wird uns schon ein passender Name einfallen"

Im Streit um das geplante "Waldorfschullandheim" will Molau rechtlich prüfen lassen, "in welcher Art der Begriff Waldorf geschützt ist". Gegen "Pädagogik im Sinne Rudolf Steiners" könne sich der Bund der Waldorfschulen allerdings nicht wehren. "Es wird uns schon ein passender Name einfallen, um diese Zusammenhänge auch nach außen hin deutlich zu machen", so Molau in einer Stellungnahme bereits Anfang August, als sich der Streit um das Namensrecht mit dem Bund der Waldorfschulen anbahnte.

Während der Verband keinerlei Berührungspunkte zwischen "nationaler Gesinnung" und Steiners Pädagogik sieht, hält der NPD-Mann beides für vereinbar. Steiner habe "stets völkisch argumentiert"; die "ganze Waldorfschulpädadagogik" sei eine "gute deutsche Sache", erklärte er.

Das "Schullandheim" plant Molau im brandenburgischen Rauen, wo er im Sommer "mit meiner Familie das 'Gut Johannesberg' erworben" habe. Im Oktober schrieb er in einer persönlichen Erklärung, der Verkäufer sei "nach eigenen Angaben ehemaliges Mitglied der Waffen-SS". Es geht um ein knapp 20 Hektar großes Gelände; um den Kauf gab es massiven juristischen Zwist. Bis heute sind die tatsächlichen Besitzverhältnisse nicht völlig klar.

In einem "offenen Brief an alle Einwohner von Rauen" hatte Molau im August geschrieben, dass er "auch als Pädagoge in meinem Beruf weiterarbeiten" wolle. Ob er tatsächlich eine Schule plant, geht daraus nicht eindeutig hervor - dann müsste Molau eine Genehmigung beim brandenburgischen Bildungsministerium beantragen - die dürfte er kaum bekommen. Seinen eigenen Angaben zufolge geht es um "Jugend- und Erwachsenenbildung", um "künstlerische, kulturelle und politische Seminare und Freizeitangebote".

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