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Russischer Schulhof: Hausmeister schippt Kunstwerke in den Schnee

Ein Interview von

Schnee-Bild von Semjon Bucharin Zur Großansicht
Semenbukharin/Instagram

Schnee-Bild von Semjon Bucharin

Der russische Schul-Hausmeister Semjon Bucharin zeichnet mit seiner Schaufel Bilder in den Schnee. Wenn es zur Pause klingelt, ist der Zauber vorbei.

SPIEGEL ONLINE: Herr Bucharin, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kunstwerke in den Schnee zu zeichnen?

Semjon Bucharin: Ich habe vor vier Jahren begonnen, eher zufällig. Der erste Schnee des Winters war auf den Schulhof gefallen - der ist bei uns ganz leicht, wie Pulver. Ich habe gemerkt, dass man mit Schippe und Besen leicht Muster hinein zeichnen kann.

Zur Person
Semjon Bucharin, 54, Hausmeister am Lyzeum Nr. 25 in Ischewsk, eine russischen Provinzstadt, 1000 Kilometer östlich von Moskau.
SPIEGEL ONLINE: Wie viele Motive zeichnen Sie pro Winter?

Bucharin: Das ist unterschiedlich, meist etwa ein Dutzend. Immer dann, wenn das Wetter es erlaubt. Die beste Saison ist Ende Oktober, Anfang November, wenn hier in Ischewsk der erste Schnee fällt. Er lässt sich leicht wegräumen, darunter kommt der dunkle Asphalt des Schulhofs zum Vorschein. Wenn viel Schnee fällt, wird es schwer, weil sich Eisschichten bilden.

SPIEGEL ONLINE: Achten Sie beim Zeichnen darauf, wie die Motive aus den höheren Stockwerken der Schule aussehen?

Bucharin: Nein, ich mache das intuitiv.

Muster im Schnee: "Ich mache das in meinen Pausen" Zur Großansicht
Semenbukharin/Instagram

Muster im Schnee: "Ich mache das in meinen Pausen"

SPIEGEL ONLINE: Wie lange halten Ihre Schneebilder?

Bucharin: Manchmal ein, manchmal zwei Stunden. Die Schüler benutzen den Schulhof ja auch in der Pause, danach sind die Bilder meistens weg.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren die Schüler auf Ihre Bilder?

Bucharin: Den meisten gefallen sie gut. Manche kommen sogar zu mir und wünschen sich ein Motiv, zum Geburtstag zum Beispiel. Oft werde ich auch gebeten, ein Bild aus Anlass eines Feiertags zu machen - zu Russlands Tag des Vaterlandsverteidigers am 23. Februar zum Beispiel, oder zum 8. März, dem Weltfrauentag. Ich mache das dann, wenn der Schnee es erlaubt.

SPIEGEL ONLINE: Gab es schon Ärger, weil Ihre Chefs finden, Sie sollten lieber Ihre Arbeit erledigen?

Bucharin: Überhaupt nicht. Ich brauche ja auch nicht lange für die Bilder, 15 bis 20 Minuten. Ich mache das in meinen Pausen. Für mich ist das Erholung.

instagram.com/p/2ct-6VBYlX/ Instagram / Screenshot Zur Großansicht
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SPIEGEL ONLINE: Sind Sie immer Hausmeister gewesen?

Bucharin: An dieser Schule bin ich seit fünf Jahren. Ich habe davor als Bergmann in Schächten gearbeitet und als Bauarbeiter. Ursprünglich habe ich zwei Jahre lang eine künstlerische Ausbildung absolviert, aber nie in dem Bereich gearbeitet.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie keine Arbeit in Ihrem Beruf gefunden?

Bucharin: Eine Stelle finden ist das eine, davon leben etwas anderes. Künstler verdienen nichts.

Zum Autor
Benjamin Bidder ist Korrespondent von SPIEGEL ONLINE in Moskau und berichtet regelmäßig über die Krise in der Ukraine - unter anderem aus Moskau, Kiew, Odessa, Donezk.

E-Mail: Benjamin_Bidder@spiegel.de

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