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Schüler ohne Abschluss: Bundesregierung will Zahl der Schulabbrecher halbieren

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat eine Initiative von Bund und Ländern angekündigt, um binnen fünf Jahren die Zahl der Schulabbrecher zu halbieren. Wie das konkret gelingen soll, ließ sie allerdings offen.

Düsseldorf - "Ich möchte 2007 gemeinsam mit den Ländern eine Offensive für den Bildungsaufstieg ins Leben rufen", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan der "Rheinischen Post". "Mein Ziel ist es, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu halbieren"; dies solle in den kommenden fünf Jahren gelingen.

Grafik: Schüler ohne Abschluss
Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Grafik: Schüler ohne Abschluss

Zudem müssten die Schüler stärker zu den technischen Fächern hingeführt werden, sagte die CDU-Politikerin. "Das ist eine zwingende Voraussetzung, um am Ende genügend junge Leute für die Bereiche ausbilden und hoch qualifizieren zu können, in denen künftig die Musik spielt." Nur so könne Deutschland auch in der Bildung im europäischen Wettbewerb eine starke Rolle spielen.

Die Wirtschaft beklagt die mangelnde Qualifikation vieler Jugendlicher. "Die Schere zwischen Jugendlichen, die ohne Hilfe keinen Einstieg mehr ins Berufsleben schaffen, und Unternehmen, die immer höhere Anforderungen an ihre Mitarbeiter stellen müssen, öffnet sich zusehends", sagte Georg Ludwig Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der Zeitung. Braun bemängelte zudem, dass Jugendliche mit unzureichenden Schulleistungen oft auch nicht wüssten, wie wichtig Zuverlässigkeit, Leistungsbereitschaft oder angemessene Umgangsformen seien.

Laut Statistischem Bundesamt verlässt etwa jeder Zwölfte die Schule, ohne den Hauptschulabschluss erworben zu haben. So gab es 2004 rund 80.000 Schulabbrecher. Bei Jugendlichen ausländischer Herkunft liegt die Quote bei 17,5 Prozent. Die Zahlen sind seit Jahren nahezu konstant; für das Schuljahr 2005/2006 liegen sie noch nicht vor. Hinzu kommen nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft 246.000 Berufsschüler ohne Abschluss. Die Abbrecher kosteten den Staat rund 1,5 Milliarden Euro.

Schavan blieb bei der geforderten Halbierung der Zahl der Schulabbrecher vage und machte keine Angaben, wie dieses Ziel erreicht werden soll. Die Schulpolitik ist Ländersache. Dort hatte die Bundesregierung schon vor der Föderalismusreform wenig zu melden, jetzt praktisch gar nichts mehr. Die Bildungsgewerkschaft GEW meldete Zweifel an der von Schavan angekündigten "Bildungsoffensive" an. "Das Problem ist doch, wie solche Ankündigungen und Wünsche umgesetzt werden", sagte der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne.

sto/ddp/ap/Reuters

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