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Schüler über Flüchtlinge: "Das Thema ist uns wichtig"

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Unterricht in Bayern: Mahmad (Mitte) aus Syrien nimmt an der Musikstunde teil Zur Großansicht
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Unterricht in Bayern: Mahmad (Mitte) aus Syrien nimmt an der Musikstunde teil

Die Integration von Flüchtlingen stellt Schulen vor große Aufgaben. Kann das klappen? Betroffene Schüler sind laut einer neuen Umfrage skeptisch. Doch wer selbst Migranten kennt, bei dem steigt die Zuversicht.

An Katjas Schule in Franken sind die Flüchtlinge, die derzeit nach Deutschland kommen, ein großes Thema. Es gab eine Ausstellung, die über ihre Situation informierte. Eine Schülerin ging durch die Klassen und erzählte vom Engagement der Arbeitskreises Asyl in der Stadt. Und die Schülerzeitungsredaktion machte Flüchtlinge zu einem Schwerpunkt. "Das Thema erschien uns zu wichtig, als es mit einem Artikel abzuhaken", sagt die 15-jährige Katja. "Direkten Kontakt mit Flüchtlingen hatten wir allerdings an unserer Schule nicht, die konnte ich leider nur außerhalb sammeln."

Das könnte sich ändern. Mindestens 325.000 junge Flüchtlinge brauchen in diesem Jahr einen Platz an einer Schule, schätzt die Kultusministerkonferenz. Doch wie gut ist das Bildungssystem darauf vorbereitet? Eine repräsentative Umfrage unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt nun: Eine große Mehrheit ist eher skeptisch, ob die Schulen für vielen jungen Flüchtlinge gewappnet sind.

53 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, das deutsche Schulsystem sei nicht so gut auf eine wachsende Anzahl von Schülern mit Migrationshintergrund vorbereitet. 21 Prozent sehen die Schulen sogar eher schlecht aufgestellt. Das Umfrageinstitut Forsa hatte von Ende Oktober und bis Anfang November 1000 Menschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren befragt. In Auftrag gegeben hatte die Erhebung der wirtschaftsnahe Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gemeinsam mit den SOS Kinderdörfern und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Tatsächlich sind bei der Integration der Flüchtlinge in die Schulen noch viele Fragen offen.Die Länder suchen händeringend nach Deutschlehrern für Willkommensklassen, der Chef des Philologenverbandes überlegte,ob zu viele Migranten in einer Klasse den Leistungen der übrigen Schüler schaden könnten.

Fragt man die jungen Menschen nach Lösungen, ohne dabei Antwortmöglichkeiten vorzugeben, nennen sie denn auch als erstes einen besseren Betreuungsschlüssel (35 Prozent), mehr Sprachförderung (24 Prozent) und mehr speziell geschulte Sprachlehrer (22 Prozent). Alles richtig, alles wichtige Punkte, über die gerade viel diskutiert wird.

Aufschlussreich werden die Ergebnisse, wenn man die Befragten mit und ohne Migrationshintergrund vergleicht. Junge Menschen, die selbst aus dem Ausland oder aus Zuwandererfamilien stammen, sind deutlich optimistischer als der Rest: 31 Prozent der Befragten mit ausländischen Wurzeln gehen davon aus, dass das deutsche Schulsystem gut oder sehr gut auf einen wachsenden Migrantenanteil vorbereitet sind. Unter den jungen Menschen ohne Migrationshintergrund sagen das nur 22 Prozent.

Ganz ähnlich ist das Bild, wenn man Befragte mit vielen und mit wenigen ausländischen Mitschülern vergleicht. Von denen, die eine Klasse mit vielen oder sehr vielen Zuwandererkindern besuchen, glauben 29 Prozent, dass die Schulen hierzulande gut bis sehr gut auf mehr Migranten vorbereitet sind. Unter denen, die kaum Kontakt zu Migranten in ihrer Klasse haben, sind es dagegen nur 19 Prozent. Es gilt offenbar: Persönliche Erfahrung mit Migranten stimmen zuversichtlicher - trotz aller Herausforderungen.

Die Forsa-Befragung hat zudem ermittelt, wie gerecht junge Menschen das Schulsystem halten. Das Ergebnis muss zu denken geben: 55 Prozent der 14- bis 21-Jährigen bezweifeln, dass Kinder im Großen und Ganzen unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft die gleichen Bildungschancen haben.

Bemerkenswert dabei: Je jünger die Befragten sind, desto größer ist ihr Zutrauen darin, dass es in der Schule gerecht zugeht. Unter den 14- bis 16-Jährigen ist noch eine Mehrheit von 53 Prozent dieser Ansicht. Bei den 19- bis 21-Jährigen sind es dagegen nur 37 Prozent, die überwiegende Mehrheit glaubt nicht an die Chancengleichheit in der Schule.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1.
women_1900 09.12.2015
wem? Den Lehrern, den Journalisten, den Sozialorganisationen oder wirklich den Schüler/Innen?
2. Die Situation...
fatherted98 09.12.2015
..in ähnlich wie die in den 70er Jahren. Da wurden 14-16 jährige Türken, die als Famileinnachzug in Deutschland ankamen, in Grundschulen gesteckt (natürlich eigene Klassen). Ergebnis...viele der 1-4 Klässler wurden jeden Tag von diesen jungen Männern verprügelt, ausgenommen und erpresst (ja...sowas ist nicht neu und gab es auch schon in den 70ern...nur damals hat es keinen interessiert...vor allem keinen Lehrer oder die Polizei). Wenn man jetzt den gleichen Fehler macht...viel Spaß. Zur Integration Gleichaltrieger: Wir hatten zwei Mädchen aus Jugoslawien (damals hieß das noch so) in der Klasse 1-4. Die konnten kein Wort Deutsch...nach 4 Jahren sprachen die sehr gut Deutsch...aber wir hatten fast ein Schuljahr an Stoff verloren im Vergleich zu den Parallelklassen....das wird wohl in vielen Fällen jetzt nicht anders werden.
3. Die deutliche Mehrheit sieht es also negativ
ditor 09.12.2015
Da nutzt auch kein einfach besseres Kennenlernen. Wenn man Mitschüler hat die sprachbedingt mehr Aufmerksamkeit brauchen verlangsamt das natürlich massiv den Unterricht. Der Einzelne mag das Problem nicht mal direkt mitbekommen, wenn aber zB beim Wechsel in die weiterführenden Schulen die Schüler aus anderen Schulen erheblich weiter waren, dann fragt sich auch die Jugend woran es wohl gelegen hat.
4.
vox veritas 09.12.2015
Kinder kann man halt noch formen. Deshalb hatte die SPD ja auch vor, die Lufthoheit über den Kinderbetten zu erobern (stammt von Olaf Scholz, 2003). http://www.zeit.de/2003/12/Vom_Stamokap_zum_Kinderbett
5. Schulischer Auftrag
K3pl3r 09.12.2015
Meiner Meinung nach haben Schulen den Auftrag Kinder zu bilden und zu fördern. Für das schulische Zusammenleben ergeben sich daraus aber gewisse Voraussetzungen. Wie zum Beispiel Sprache, Sozialverhalten und Grundlagen schulischen Arbeitens wie es in den Vorschulen bereits beigebracht und erarbeitet wird. Die Schulen zu "Aufbewahrungseinrichtungen" für Migrantenkinder zu machen und den Schulbetrieb damit weiter zu belasten halte ich für den falschen Weg. Schulen sollen nun inkludieren, jetzt auch noch integrieren und am besten auch- man erinnert sich- wieder erziehen; das wird auf Kosten der Kinder gehen. Daher soll der Staat sich andere Aufbewahrungseinrichtungen suchen, aber bitte nicht unsere Schulen. Sobald diese Kinder die Grundlagen drauf haben und damit auch eine echte Chance im Schulalltag mitzukommen können diese gerne in die Schule. Aber so nicht, das wird nur Frust und Ärger geben.
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