Schüler und Lehrer bei Facebook: Die Regeln der Freundschaft

Von Markus Böhm

Lehrer Jan-Martin Klinge, 30: "Ich kommentiere peinliche Schülerfotos"

Lehrer Klinge: "Für Schüler von Vorteil, virtuell mit mir befreundet zu sein" Zur Großansicht
Jan-Martin Klinge

Lehrer Klinge: "Für Schüler von Vorteil, virtuell mit mir befreundet zu sein"

"Klar kann man als Lehrer bei Facebook mit Schülern befreundet sein. Man braucht nur die Kompetenz, mit dem Netzwerk umgehen zu können - auch technisch. Ich selbst habe rund 50 Schüler als Facebook-Freunde, eingeordnet in eine Liste mit dem Titel 'Öffentlich'. Das heißt: Alle, die auf dieser Liste stehen, bekommen nur das mit, was auch für jeden anderen Facebook-Nutzer sichtbar ist. Das sind Dinge, die ich so auch öffentlich auf einem Marktplatz herausschreien würde.

Gestern habe ich zum Beispiel ein Foto meines Unterrichtsmaterials hochgeladen, mit dem Kommentar: 'Das muss alles noch laminiert werden.' Stelle ich dagegen ein Foto von der Einschulung meiner Tochter ins Netz, dann sehen das ausschließlich meine Familie und meine engen Freunde.

Obwohl die Schüler nicht alles von mir erfahren, ist es für sie von Vorteil, virtuell mit mir befreundet zu sein. Über Facebook können sie mir unkompliziert Fragen stellen oder Unterrichtsmaterial anfordern. Mittlerweile nutzen sogar Eltern die Plattform, um mich zu kontaktieren.

Und auch unter dem erzieherischen Aspekt ist es nicht verkehrt, einen Lehrer unter seinen Freunden zu haben. Peinliche Schülerfotos kommentiere ich manchmal mit: 'Bist du sicher, dass du willst, dass dein Lehrer das sieht?' Danach verschwinden die Bilder meistens ziemlich schnell aus dem Internet. Die Schüler lernen auf diese Weise, sich richtig nach außen darzustellen - oder sich zumindest mit den Privatsphäreeinstellungen von Facebook auseinanderzusetzen. Das machen in letzter Zeit immer mehr Schüler - ein gutes Zeichen.

Tabu sollte es für einen Lehrer sein, Freundschaftseinladungen an seine Schüler zu schicken. Sie wären praktisch gezwungen, die Einladung anzunehmen. Anderenfalls müssten sie befürchten, dass ihnen Nachteile entstehen. Allgemein sollte eine Internetfreundschaft nie überschätzt werden. Nur, weil ein Schüler mit mir bei Facebook befreundet ist, ist er im Unterricht nicht plötzlich der beste Freund des Lehrers."

Jan-Martin Klinge, 30, unterrichtet an einer Realschule in Siegen

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insgesamt 47 Beiträge
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    Seite 1    
1. Alle Menschen werden "Facebook-Freunde"
gvqwr 29.11.2011
Das ist wieder einmal ein Beleg dafür, wie irreführend es ist, wenn man Unternehmen wie "Facebook" solche Begriffe wie "Freundschaft" überlässt. Vielleicht denken manche Menschen in ein paar Jahren oder Jahrzehnten tatsächlich, dass eine wirkliche Freundschaft nur dann bestehen könne, wenn man das bei "Facebook" so angeklickt hat. Ich für meinen Teil möchte diesen Unternehmen Begriffe wie "Freundschaft" nicht überlassen. Schiller war wohl ein genialer Visionär, als er vor über zweihundert Jahren dichtete: Alle Menschen werden "Facebook-Freunde".
2. x
emmelmann 29.11.2011
Ich habe einige Jahre in einer ArGe (Hartz 4) gearbeitet. Da gab es doch wirklich Hilfeempfänger, die mich gesucht haben (habe nicht den vollstänigen Namen angegeben) und auch noch angeklickt hatten. Das muss wirklich nicht sein...
3. Titelbild
Korken 29.11.2011
Na, wer hat nur wegen des Titelbildes auf den Artikel geklickt? Ich habe kein Profil bei Facebook, aber was die Lehrer in ihrer (natürlich legalen) Freizeit machen sollte der Schule doch egal sein. Leitlinien oder Empfehlungen kann es geben, aber Vorschriften zur Facebooknutzung?
4. Zucker!
gmarkus11 29.11.2011
[QUOTE=Korken;9228371]Na, wer hat nur wegen des Titelbildes auf den Artikel geklickt? Ich! Ist die nicht süß? Tja, so klickt man auf Artikel, die einen eigentlich gar nicht so interessieren :)
5. ...
sojus 29.11.2011
---Zitat--- Das wirft neue Fragen auf: Wie sollen Schüler und Lehrer im Netz miteinander umgehen? Dürfen sie sich virtuell befreunden? Geht es Lehrer etwas an, was ihre Schüler in ihrer Freizeit in dem sozialen Netzwerk veröffentlichen? Und wie ist es umgekehrt? ---Zitatende--- Diese Frage kann man wohl reduzieren auf: "Dürfen sich Lehrer mit Schülern befreunden? In welchem "Medium" das passiert, ist letztlich zweitrangig. Ich frage mich wirklich in welchem Land ich lebe, dass solche Fragen stellt?
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