Austausch-Log Finnland: Weiß, weiß, weiß ist alles, was ich seh'

Henrike in Finnland: Rentier-Führerschein am Polarkreis Fotos
Henrike Rathje

Hurra, Lappland: Auf einem Trip in den ganz hohen Norden trifft Austauschschülerin Henrike Rathje den Weihnachtsmann in seiner Heimat, macht einen Rentier-Führerschein und sieht Nordlichter. Außerdem erlebt sie einen Tag, auf den die jungen Finnen ihr ganzes Leben warten - und bleibt cool.

Ich weiß, ich schreibe oft über Schnee, aber davon gibt es in Finnland nun mal eine ganze Menge. Aber deswegen fällt hier nicht die Schule aus. So kalt ist das doch gar nicht, sagen die Finnen. Die ersten zwei Monate fand ich das wunderbar, aber nun wird es mir langsam zu viel. Denn oft liegen nur wenige Stunden zwischen einer Märchenwelt und Schneematsch.

Da war meine Reise nach Lappland eine gute Ablenkung. Gemeinsam mit 85 anderen Austauschschülern aus Japan, Brasilien, Thailand und Neuseeland fuhren wir eine Woche mit unserer Austauschorganisation in die Nähe des Polarkreises. Es war lustig, mit so vielen unterschiedlichen Nationen unterwegs zu sein. Unterhalten haben wir uns auf Englisch, und manchmal haben wir auch versucht, Finnisch miteinander zu sprechen.

Jeden Tag gab es ein offizielles Programm: Neben Ski-Abfahrt, Snowboard oder Langlauf konnten wir auch Eislochfischen oder Schneeschuhwandern ausprobieren. An einem Abend bin ich mit einem Dutzend anderer Austauschschüler zu einem Hügel gelaufen, um von dort die Nordlichter zu beobachten. Die sind übrigens gar nicht so intensiv, wie man es von Bildern kennt. Trotzdem ist es beeindruckend: Man sieht helle Sterne, den Mond und dazu ein leichtes grünes Schimmern, was sich die ganze Zeit verändert.

Begegnung mit dem Weihnachtsmann

Am letzten Tag unseres Trips haben wir den Weihnachtsmann in der Nähe von Rovaniemi in seinem eigenen Dorf besucht. Dort war echt viel los, und wir hatten Pech: Als wir ankamen, machte der Weihnachtsmann gerade Mittagsschlaf.

Danach durften wir ihn allerdings in seinem liebevoll dekorierten Weihnachtsbüro besuchen. Er war ein sehr freundlich Mann und hat jeden gefragt, woher er kommt. Aus Zeitmangel haben wir dann ein gemeinsames Gruppenbild mit dem Weihnachtsmann gemacht, was ganz schön chaotisch war. Das Dorf selbst ist allerdings sehr kommerziell: Alles war voll mit Souvenirshops.

Vom Weihnachtsmann ging es gleich weiter zu einer Rentier-Farm am Polarkreis. Dort konnten wir auf einem Schlitten den Rentier-Führerschein machen. Der Besitzer hat uns eine kurze Einführung gegeben und erklärt, wie man ein Rentier lenkt: Dafür wird mit den langen Zügeln gegen die Flanke gehauen oder die Leine fest angezogen.

Dabei habe ich gelernt: Rentiere sehen zwar echt lustig aus, können aber auch überraschend schnell sprinten. Zum Glück hat fast immer meine Freundin gelenkt, ich musste nur hinten sitzen und mich festhalten.

Nacht der Prinzessinnen

Direkt nach der Lappland-Fahrt fand eine der wichtigsten Veranstaltungen für Finnen in meinem Alter statt: der Abtanzball. Termine für den Friseur, das Make-up sowie die Kleider werden teilweise schon ein Jahr vorher organisiert. Tanzpartner zur Sicherheit auch doppelt gebucht.

Ich glaube, einige Mädchen gehen nur deshalb auf die Lukio, die gymnasiale Oberstufe, damit sie auf diesem Abtanzball feiern dürfen. An diesem Tag können sich alle Mädchen wie Prinzessinnen fühlen. Sie sehen mit ihren langen und bunten Kleidern auch tatsächlich ein wenig so aus.

Ich habe auch mitgemacht und ein Ballkleid getragen. Als Tanzpartner hatte ich einen Zehntklässler, der für den Abtanzball eigentlich noch ein Schuljahr zu jung ist. Aufgeregt war ich nicht. Aber ich habe auch nicht mein ganzes Leben auf diesen Tag gewartet.

Getanzt wurde alles: Von einem langsamen Walzer über einen schnellen finnischen Humppa bis zu einer ausgefallenen Choreografie. Die denkt sich jeder Jahrgang selbst aus. Unsere Schule wurde für die Choreografie in diesem Jahr sogar auf Platz eins der finnischen Abtanzbälle bei YouTube gewählt.

In Finnland gibt es übrigens keine richtigen Osterferien. Wir haben nur den Karfreitag und Ostermontag frei. Meine Gastfamilie meinte, wir würden Ostern nicht richtig feiern, und ich könnte Freunde besuchen.

Da ich es eigentlich gewohnt bin, an Ostern mit meiner Familie die Verwandtschaft zu besuchen und etwas zu unternehmen, mache ich mich schon auf etwas Heimweh gefasst. Wahrscheinlich werde ich aber für meine Gastfamilie selbst Osterhase spielen, genug Süßigkeiten zum Verstecken gibt es ja auch in Finnland.

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1. 'Loistava Baana'
susiwolf 30.03.2013
Rike, die Begeisterte. Hat sie auch ein bisschen 'Samisch' gelernt ? Das wird dort nämlich -vielleicht etwas nördlicher- mehr und mehr gesprochen und ... gelernt/gelehrt. Nun ist Rovaniemi und der Weihnachtsmann nicht unbedingt Lappland - zu kommerziell. Und dass das 'Büro des 'joulupukki' (Weihnachtsmann) im Grunde aus vielen Computern besteht, von wo aus Briefe aus aller Welt beantwortet werden; nun gut, muss nicht jeder wissen ;-) Die Weite Lapplands unterscheidet sich schon vom übrigen Finnland; der 'ewige und weisse Schnee' lässt im Übrigen das 'lange Dunkel der Nacht' etwas vergessen. Bei Minustemperaturen bis 40° und häufig vorzufindenden 'Donnerbalken' (huussi, puucee) wäre übrigens in der Weite der Natur die Bodenständigkeit und Bescheidenheit eine gute Erfahrung. Der bekannte finnische Raggae- Sänger Jukka Poika hat d-a-s mit seinem Lied gut auf den Punkt gebracht - wenn man denn dort sitzet: "Hän haluu huusin" >Usein maailmassa avarassa, ei toivon kipinää näy, vaan tässä huoneessa ahtahassa meille aina hyvin käy< ... In etwa: >Da draussen in der grossen Welt verliert sich noch der letzte Funken Hoffnung, aber hier in diesem kleinen Raum sind wir frei von Sorgen< ;--------) http://www.youtube.com/watch?v=NccvbZSwU90X9o0QQkVlmM&feature=related Sonst 'mal google'n Insgesamt ein schöner und treffender Bericht von Henrike.
2. Aurora Borealis nicht intensiv ?
ekenkis 30.03.2013
Nun, die Aurora Borealis ist genausowenig immer intensiv wie der Rhein immer Hochwasser führt. Aber wenn man mal da oben wohnt oder häufiger im Winter dorthin reist kann man schon unglaubliche, phantastische Nordlichter erleben. Doch, es gibt die intensiven, die einem die Sprache verschlagen, liebe Henrike.
3. Andere Länder, andere Sitten
natalia23 31.03.2013
Zu den Besonderheiten Finnlands, des Landes mit 187.888 Seen, gehören das Nordlicht, die Polarnacht und der Polartag, der mehr als zwei Monate dauern kann, sowie der Ostsee-Archipel Aland mit seinen 6.500 Inseln – und ohne Zweifel auch das Dorf am Ohrenberg inmitten der wilden Natur Lapplands, wo der Weihnachtsmann wohnt. Er fährt seine Geschenke mit einem Schlitten aus, der von bis zwölf Rentieren durch die Luft gezogen wird. Ded Moros („Väterchen Frost“) kommt zum Silvester zu den russischen Kindern mit einem großen Sack voller Geschenke. Er fährt einen bunten Schlitten, gezogen von drei schönen Schimmeln - die russische Troika. Nicht nur Ded Moros allein findet Gefallen daran. Zur Neujahrszeit sind die verschneiten Straßen voll mit Einheimischen und ihren Gästen, die sich in bunten schellenden Schlitten vergnügen. Troikas mit ihren bimmelnden Glocken und klangvollem Hufengeklapper gehören fest zur russischen Kultur.
4. Austauschorganisation STEPIN sehr negativ
prosaschmidt 08.04.2013
Wer einen Auslandsaufenthalt macht sollte darauf achten, dass die vermittelnde Organisation seriös ist. Leider mussten wir mit STEPIN sehr schlechte Erfahrungen im Austauschjahr 2012/2013 machen. Der Betreuer im Gastland war nicht kompetent, oft überhaupt nicht erreichbar. Er machte sogar falsche Angaben zur einer neuen Gastfamilie, als ein Wechsel notwendig wurde. Stepin in Deutschland hat uns nicht unterstützt, die Situation vor Ort nicht überprüft und keine Maßnahmen zur Klärung ergriffen. Ich vermute, dass Stepin mehr Schüler annimmt, als es gute Gastfamilien gibt, - und darauf hofft, dass sich die Schüler selbst organisieren und über Schule/Freunde irgendwo eine Lösung finden, nachdem Stepin nur eine Zwischenlösung, aber keine dauerhafte Gastfamilie, finden konnte. Schliesslich haben wir das Programm abgebrochen, obwohl ich mich im Land eigentlich sehr wohl gefühlt habe, nette Freunde gefunden hatte, in der Schule sehr gut zurecht kam, gute Noten hatte... Das alles hat mir Stepin kaputt gemacht. Statt einer Erstattung habe ich von Stepin nur eine Rechnung über die Umbuchungsgebühren für den Rückflug bekommen. Eigentlich zynisch.
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