Von Oliver Trenkamp
Ausgewogen soll es sein, nicht zu fett, dafür aber möglichst frisch zubereitet und am besten noch bio. Nur kosten soll das Essen an Schulen und Kitas so gut wie nichts. 50 Cent, so viel bleibt etwa in Berlin für den Einkauf der Ware pro Schüler und Mahlzeit, wenn alle anderen Kosten abgezogen sind. Für 50 Cent sollen Catering-Firmen den Kindern ein vernünftiges Mittagessen anbieten - was kaum zu leisten ist. Das zeigte kürzlich eine Studie: Das Essen ist zu billig, um gut zu sein.
Es war der Anstoß für eine große Debatte in der Hauptstadt. Eltern forderten mehr Geld, mehr Kontrollen, mehr Qualität; Bildungspolitiker versprachen eine offene Debatte und Verbesserungen; Caterer hatten bereits zuvor Ausschreibungen boykottiert, um zu protestieren.
Jetzt befeuert die Durchfall-Epidemie in mittlerweile fünf Bundesländern den Streit erneut. Zwar ist die Ursache für die vielen Krankheitsfälle noch unklar, doch schnell geriet das Schulessen in Verdacht: Viele der betroffenen Kitas und Schulen wurden vom selben Unternehmen beliefert. "Deshalb weist alles auf einen lebensmittelbedingten Ausbruch hin", sagte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts.
Eine der größten Magen-Darm-Erkrankungswellen der letzten Jahre
Doch noch prüfen Behörden und Wissenschaftler, ob es diesen Zusammenhang wirklich gibt. Unklar ist bislang auch, ob Noroviren, Salmonellen oder gar natürliche Gifte Auslöser für eine der bundesweit größten Magen-Darm-Erkrankungswellen der vergangenen Jahre waren.
Vorsichtshalber hat die Berliner Bildungsverwaltung empfohlen, Lieferungen des Catering-Unternehmens vorerst nicht an Kinder auszugeben. Die Firma wiederum vermutet die Ursache woanders, sie teilte mit: "Aus ein und derselben Küche hat das gleiche Essen aus den gleichen Produktionsprozessen bis zu 80 Schulen und Kitas erreicht. Nur in vier Einrichtungen kam es nach unserem Kenntnisstand zu Erkrankungen."
Unabhängig von der Epidemie zeigen sich die vielen Probleme, die es beim Schulessen gibt - und die seit dem Trend zur Ganztagsschule noch einmal drängender geworden sind:
Natürlich ist auch bei gutem und teurem Schulessen nicht ausgeschlossen, dass Krankheitserreger auftauchen. Zumal die Kontrollmöglichkeiten begrenzt sind bei all den Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen in Deutschland. Ein Experte der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene wies darauf hin, dass Kontrollen nicht alles abfangen können. Auch wenn alles in Ordnung scheint, könne es am nächsten Tag Verunreinigungen geben.
Unstrittig ist allerdings: Schlechte Ernährung schadet der Gesundheit. Selbst wenn also das Schulessen nicht die Ursache der Durchfall-Epidemie sein sollte, macht Geiz beim Essen die Kinder auf Dauer krank.
Mit Material von dpa und dapd
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