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14. November 2012, 17:46 Uhr

Geld für Schulhefte

Rektor soll Eltern ausgetrickst haben

Hat er die Eltern zur Kasse gebeten und das Geld dann eingesteckt? Ein hessischer Schulleiter ließ offenbar mindestens 10.000 Euro für Arbeitshefte einsammeln, die von der Schule längst bezahlt waren. Dann ging er in Ruhestand - und seine Nachfolgerin wurde misstrauisch.

Eigentlich hätten die Schüler die neuen Arbeitshefte kostenlos benutzen dürfen - doch der Rektor soll trotzdem Geld von den Eltern verlangt und die Hefte doppelt abgerechnet haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda wegen Betrugs gegen den inzwischen pensionierten Leiter einer Haupt- und Realschule in Hessen.

Es soll um rund 10.000 Euro gehen, allein für das vergangene Schuljahr. "Die Frage ist aber auch, was in den Schuljahren davor war", sagte Rainer Heblik, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Mittwoch. Das Schulamt hatte den Rektor angezeigt. Wohin das Geld der Eltern floss, ist unklar.

Die neue Rektorin sei hellhörig geworden, nachdem ihr Vorgänger Mitte September in die Schule gekommen sei und die Sekretärin gebeten habe, ihm eine "größere Summe" Geld aus dem Tresor zu geben, sagte der Leiter des Fuldaer Schulamts, Michael von Rüden. In dem Safe habe das Geld der Eltern für die Arbeitshefte gelegen. Die Rektorin habe die Schulaufsicht auf den Fall aufmerksam gemacht.

Es geht demnach um Arbeitshefte für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Schule hat sie für die Klassen fünf bis acht angeschafft - und schon bezahlt. Sie seien mit dem Geld bezahlt worden, das das Land der Schule für die Lernmittelfreiheit zugeteilt habe, sagte von Rüden.

Die Lehrer seien "aus allen Wolken gefallen", sagt der Schulamtsleiter

Der ehemalige Schulleiter hatte offenbar die Klassenlehrer gebeten, den Betrag von 30 Euro für drei Hefte pro Schüler einzusammeln. Die hätten mit den Rechnungen der Schule nichts zu tun und seien "aus allen Wolken gefallen", als sie von den Vorwürfen erfahren hätten, so schildert es der Schulamtsleiter.

Der pensionierte Rektor erklärt die größere Summe, die er sich aus dem Tresor geben ließ, anders: Er habe den Betrag im alten Schuljahr vorgestreckt und damit unter anderem Sport- und Bastelartikel bezahlt, berichtet die "Fuldaer Zeitung". Dafür habe er auch Rechnungen vorgelegt. Die Schule habe daraufhin bei der Firma angerufen, die auf einer der Rechnungen genannt war, sagte von Rüden. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Rechnung fingiert gewesen sei.

Als die "Fuldaer Zeitung" beim Beschuldigten direkt nachfragte, sagte der, das Schulamt habe ihn nicht detailliert mit den Vorwürfen konfrontiert. Er wisse offiziell nichts von einer Aufforderung, Rechnungen vorzulegen. Ob diese gefälscht gewesen seien? "Das ist mir nicht bekannt. Dazu kann ich mich nicht äußern", zitiert das Blatt den Ex-Rektor.

son/dpa

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