Geld für Schulhefte: Rektor soll Eltern ausgetrickst haben

Hat er die Eltern zur Kasse gebeten und das Geld dann eingesteckt? Ein hessischer Schulleiter ließ offenbar mindestens 10.000 Euro für Arbeitshefte einsammeln, die von der Schule längst bezahlt waren. Dann ging er in Ruhestand - und seine Nachfolgerin wurde misstrauisch.

Deutschstunde (Symbolbild): Schulleiter soll für Arbeitshefte doppelt abkassiert haben Zur Großansicht
DPA

Deutschstunde (Symbolbild): Schulleiter soll für Arbeitshefte doppelt abkassiert haben

Eigentlich hätten die Schüler die neuen Arbeitshefte kostenlos benutzen dürfen - doch der Rektor soll trotzdem Geld von den Eltern verlangt und die Hefte doppelt abgerechnet haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda wegen Betrugs gegen den inzwischen pensionierten Leiter einer Haupt- und Realschule in Hessen.

Es soll um rund 10.000 Euro gehen, allein für das vergangene Schuljahr. "Die Frage ist aber auch, was in den Schuljahren davor war", sagte Rainer Heblik, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Mittwoch. Das Schulamt hatte den Rektor angezeigt. Wohin das Geld der Eltern floss, ist unklar.

Die neue Rektorin sei hellhörig geworden, nachdem ihr Vorgänger Mitte September in die Schule gekommen sei und die Sekretärin gebeten habe, ihm eine "größere Summe" Geld aus dem Tresor zu geben, sagte der Leiter des Fuldaer Schulamts, Michael von Rüden. In dem Safe habe das Geld der Eltern für die Arbeitshefte gelegen. Die Rektorin habe die Schulaufsicht auf den Fall aufmerksam gemacht.

Es geht demnach um Arbeitshefte für die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Die Schule hat sie für die Klassen fünf bis acht angeschafft - und schon bezahlt. Sie seien mit dem Geld bezahlt worden, das das Land der Schule für die Lernmittelfreiheit zugeteilt habe, sagte von Rüden.

Die Lehrer seien "aus allen Wolken gefallen", sagt der Schulamtsleiter

Der ehemalige Schulleiter hatte offenbar die Klassenlehrer gebeten, den Betrag von 30 Euro für drei Hefte pro Schüler einzusammeln. Die hätten mit den Rechnungen der Schule nichts zu tun und seien "aus allen Wolken gefallen", als sie von den Vorwürfen erfahren hätten, so schildert es der Schulamtsleiter.

Der pensionierte Rektor erklärt die größere Summe, die er sich aus dem Tresor geben ließ, anders: Er habe den Betrag im alten Schuljahr vorgestreckt und damit unter anderem Sport- und Bastelartikel bezahlt, berichtet die "Fuldaer Zeitung". Dafür habe er auch Rechnungen vorgelegt. Die Schule habe daraufhin bei der Firma angerufen, die auf einer der Rechnungen genannt war, sagte von Rüden. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Rechnung fingiert gewesen sei.

Als die "Fuldaer Zeitung" beim Beschuldigten direkt nachfragte, sagte der, das Schulamt habe ihn nicht detailliert mit den Vorwürfen konfrontiert. Er wisse offiziell nichts von einer Aufforderung, Rechnungen vorzulegen. Ob diese gefälscht gewesen seien? "Das ist mir nicht bekannt. Dazu kann ich mich nicht äußern", zitiert das Blatt den Ex-Rektor.

son/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ach wie einfach ...
westerwäller 14.11.2012
... hätten es die Lehrer an den Schulen ... ... wenn Korruption die einzige Charakterschwäche in den Schulleitungen wäre... Eigentlich nicht verwunderlich. Bedenkt man, was die alles anstellen mussten, um ihre Stellung zu bekommen. Kleiner Tipp: Hervorragende Leistungen im Unterricht war nicht dabei ... Früher war es noch einfach in Hessen: Wer am längsten das SPD-Parteibuch hatte, bzw. den höchsten Rang im Kreistag wurde es. War eine saubere, vorhersehbare Sache. Jetzt gibt es ein Auswahlverfahren. Zwar steht der Gewinner schon vorher fest, aber dem Anschein ist Genüge getan....
2. Armer Rektor?
alice_m01 14.11.2012
Achje - ist das Gehalt von Schulrektoren denn so kärglich, dass man seine Rente dann noch mit dilettantischen Tricks aufbessern muss? Nein, ernsthaft, da ist man sprachlos. Was für ein Vorbild ist so eine Führungskraft wohl für die ganzen Lehrer an den betroffenen Schulen, die wesentlich weniger verdienen? Die dürften sich wohl ziemlich ver.... vorkommen, da sie die Moneten für den betrügerischen Chef sogar noch selbst einsammeln mussten. Manche kriegen den Hals eben nicht voll genug.
3. ........
janne2109 14.11.2012
sofort entlassen, wäre fein wenn er denn hat-- auch die Pensionsansprüche für null und nichtig zu erklären.
4. Heftchengeld
tourbillon 14.11.2012
Hat man es als Rektor in Deutschland wirklich nötig, das Heftchengeld seiner Schüler, beziehungsweise deren Eltern zu klauen? Hat er auch nicht die Möglichkeiten oder den Intellekt um wenigstens in würdigerem Ausmass zu unterschlagen. Peinlich!
5.
joey2312 14.11.2012
Zitat von sysopHat er die Eltern zur Kasse gebeten und das Geld dann eingesteckt? Ein hessischer Schulleiter ließ offenbar Geld für Arbeitshefte einsammeln, die von der Schule längst bezahlt waren. Dann ging er in Ruhestand - und seine Nachfolgerin wurde misstrauisch. Schulleiter soll Geld von Eltern in Hessen doppelt abkassiert haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/schulleiter-soll-geld-von-eltern-in-hessen-doppelt-abkassiert-haben-a-867293.html)
Tja früher hat man sich über die lahmen "Kuschelpädagogen" aufgeregt und wollte unbedingt erfolgs- und leistungsorientiertere Leute an den Schulen haben. Jetzt hat man sich eine ganze Generation egomanischer Karrieristen mit CDU/FDP-Parteibuch geholt, die natürlich wegen der für ihre Ansprüche viel zu geringen Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten unter Umständen auch mal zu anderen, ihrem Charakter entsprechenden Mitteln greifen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles zum Thema Arbeitsplatz Schule
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 15 Kommentare

Social Networks