Schwule in US-Schulbüchern: Eltern beklagen "sexuelle Gehirnwäsche"

Konservative Eltern halten es für "unmoralische Indoktrination", wenn in Schulbüchern etwas über schwule und lesbische Amerikaner steht. Deshalb wettern sie gegen ein neues Gesetz, das vorschreibt: Auch die Errungenschaften sexueller Minderheiten gehören zur Geschichte.

Schwuler US-Politiker Harvey Milk: Bald Thema in kalifornischen Schulbüchern? Zur Großansicht
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Schwuler US-Politiker Harvey Milk: Bald Thema in kalifornischen Schulbüchern?

"Geschichte sollte ehrlich sein", ließ Jerry Brown mitteilen, Gouverneur von Kalifornien. Deshalb sollen in kalifornischen Schulbüchern künftig auch die Errungenschaften schwuler, lesbischer und transsexueller Amerikaner vorkommen. Ein entsprechendes Gesetz unterzeichnete Brown am Freitag. Damit ist Kalifornien der erste US-Bundesstaat mit einer entsprechenden Regelung.

Das Gesetz stelle sicher, so Brown, dass künftig der Beitrag aller Amerikaner, egal mit welchem Hintergrund, in den Schulbüchern gewürdigt werde. Er nannte es "einen wichtigen Schritt für unseren Staat". Das Gesetz verlangt zudem, dass auch der Beitrag behinderter Menschen gewürdigt wird.

Bislang ist in Kalifornien bereits geregelt, dass Schulbücher die Belange von Indianern berücksichtigen sowie von Amerikanern mit afrikanischen, mexikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln.

Gegen das neue Gesetz gibt es allerdings Widerstand. Die Republikaner im Parlament stimmten dagegen. Und Konservative wettern, der Gouverneur würde die Rechte besorgter Eltern mit Füßen treten. Der Aktivist Randy Thomasson sagte, die Mehrheit der Mütter und Väter wolle keine "sexuelle Gehirnwäsche" für ihre Kinder. Die einzige Möglichkeit, wie Kinder der "unmoralischen Indoktrination" entgehen könnten, sei es, sie aus dem öffentlichen Schulsystem zu nehmen.

Damit allerdings kann er sich noch Zeit lassen: Da Kalifornien das Geld fehlt, werden die neuen Vorgaben wohl erst im Jahr 2015 Eingang in die Schulbücher finden, wie die Schulbehörde mitteilte.

otr/Reuters

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1. Mir wird ganz übel
Gani, 16.07.2011
"Gegen das neue Gesetz gibt es allerdings Widerstand. Die Republikaner im Parlament stimmten dagegen. Und Konservative wettern, der Gouverneur würde die Rechte besorgter Eltern mit Füßen treten." Zunächst einmal haben diese 'besorgten Eltern' das Recht sich auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. "Der Aktivist Randy Thomasson sagte, die Mehrheit der Mütter und Väter wolle keine "sexuelle Gehirnwäsche" für ihre Kinder. Die einzige Möglichkeit, wie Kinder der "unmoralischen Indoktrination" entgehen könnten, sei es, sie aus dem öffentlichen Schulsystem zu nehmen." Und da fällt mir nur ein Wort ein: Faschist.
2. vernebelter Verstand
kyon 16.07.2011
Zitat von sysopKonservative Eltern halten es für "unmoralische Indoktrination", wenn in Schulbüchern etwas über schwule und lesbische Amerikaner steht. Deshalb wettern sie gegen ein neues Gesetz, das vorschreibt: Auch die Errungenschaften sexueller Minderheiten gehören zur Geschichte. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,774739,00.html
Religiöse Irrationalitäten in Schulbüchern sind also keine Indoktrinationen, die Darstellung der Realität ist eine Indoktrination. Die "Frucht vom Baum der Erkenntnis" hat in den USA wohl einigen ach so religiösen Leuten den Verstand vernebelt.
3. ...
husker 16.07.2011
Naja, ich finde ja, die Amerikaner benötigen generell mehr geschichtliches Grundwissen - eben das, was über "american history" hinausgeht. Errungenschaften des Schlafzimmerbereichs sehe ich da nicht als besonders pädagogisch wertvoll, auch wenn ich gleich für diese Aussage Haue kassieren werde. Schule kann eben nicht alles abdecken; Es steht doch jedem Interessierten frei, sich Sachbücher zu dieser speziellen Thematik zu Gemüte zu führen. Genauso wie es bei tausenden Themen hier auch der Fall ist; Z.B. chinesisch/japanische Geschichte.
4. .
touri 16.07.2011
Das kann einen wirklich sprachlos machen. Kinder werden also reihenweise schwul oder lesbisch, weil in der Biographie einer bedeutenden Persöhnlichkeit in einem Absatz steht, dass diese homosexuell war/ist? Die Reps sind nur noch lächerlich, und ich zweifele mittlerweile an dem Geisteszustand der Leute, die diese noch wählen.
5. ...
debreczen 16.07.2011
Zitat von Gani"Gegen das neue Gesetz gibt es allerdings Widerstand. Die Republikaner im Parlament stimmten dagegen. Und Konservative wettern, der Gouverneur würde die Rechte besorgter Eltern mit Füßen treten." Zunächst einmal haben diese 'besorgten Eltern' das Recht sich auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. "Der Aktivist Randy Thomasson sagte, die Mehrheit der Mütter und Väter wolle keine "sexuelle Gehirnwäsche" für ihre Kinder. Die einzige Möglichkeit, wie Kinder der "unmoralischen Indoktrination" entgehen könnten, sei es, sie aus dem öffentlichen Schulsystem zu nehmen." Und da fällt mir nur ein Wort ein: Faschist.
- in Amerika steht es jedem frei, seine Kinder selbst zu unterrichten, der "Aktivist" fordert also nicht zum Gesetzesbruch auf. Er verlangt auch nicht "faschistoid" (oder "bolschewistisch"), daß sich alle seiner Meinung anschlössen. Er beschränkt sich auf das öffentliche Kundtun seiner Auffassung, die er anscheinend (nicht, daß es darauf ankäme) mit anderen teilt. Dies fällt unter Meinungsfreiheit - gerade im parlamentarischen Meinungsstreit! Meinungsfreiheit gilt auch für Meinungen, die mir überhaupt nicht passen. Ebenso wie sich die rechtsstaatlichen Werte gerade an Mördern und Kinderschändern beweisen müssen, wird der Grad der Meinungsfreiheit daran gemessen, wie ich mit Meinungen umgehe, die mir aus tiefstem Herzen zuwider sind. Wer Meinungsfreiheit nach "guten" und "schlechten" Meinungen selektiert, landet bei Ulbrichts berüchtigtem Ausspruch, daß die DDR sehr wohl Pressefreiheit kenne, nur eben keine Freiheit für die bürgerliche Presse. Abgesehen davon dürfte das wieder mal eine dieser Meldungen sein, mit denen Nordamerika als Haufen dümmlicher Provinzsektierer dargestellt wird, da läßt es sich dann aus grünrotkorrekter Vorstadtwarte so schön darüber erheben.
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