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Als Frau bei der Bundeswehr: Drüber! Drunter! Abfedern!

Flecktarnmuster, Helm und Handschuhe: Die 19-jährige Franka Pohl tauschte für das Jugendmagazin "Spiesser" einen Tag Highheels gegen Bundeswehrstiefel. Sie ließ sich anschreien, aus Gruben ziehen - und fühlte sich dabei kurz wie im Kindergarten.

Ortstermin Bundeswehr: Highheels und Hindernisse Fotos
Daniel Scholz

"Wer mit Highheels über Pflaster hüpfen kann, hat kein Problem mit der Hindernisbahn der Bundeswehr." Mit diesen motivierenden Worten im Ohr verlasse ich die Wohnung. Bei dem Versuch gleichzeitig zu gähnen und zu lächeln, verkrampft mein Gesicht und mein Blick wandert zur Uhr. 4.30 Uhr. Eine Uhrzeit zum ins Bett gehen. Aber: Der Bund ruft!

Mit dem Vorhaben, es allen zu zeigen, marschiere ich dem Fotografen entgegen - glücklicherweise auch kein Frühaufsteher, wie sich nach etlichen Minuten Schweigen und einer Kaffeepause herausstellt. Eine Autopanne, ein Treffen mit den gelben Engeln und eine anschließende Fahrt in die falsche Richtung (Frankenhausen, Bad Frankenberg... wer hätte geahnt, dass es da einen Unterschied gibt?) besiegeln in meinen Gedanken bereits mein Schicksal. Pünktlichkeit ist eine Tugend bei der Bundeswehr - und ich bin bestimmt schon zum Abschuss freigegeben!

Als wir mit zwei Stunden Verspätung auf dem "militärischen Sicherheitsgelände" ankommen, werde ich von allen Seiten beäugt. Nicht nur durch meine Zivilkleidung falle ich auf, sondern auch durch mein Geschlecht. Die Frauenquote bei der Bundeswehr liegt bei schlappen neun Prozent. Und Stöckelschuhe trägt von diesen knapp 18.000 Soldatinnen wohl niemand. Nachdem ich äh, leider, den sechs Kilometer langen Marsch mit 15 Kilo schwerem Gepäck zum Aufwärmen verpasst habe, muss ich mich für die Hindernisbahn fertig machen. Also: Ab in die Uniform!

"Das ist das schlimmste Hindernis für Frauen"

Ehe ich mich versehe, nehme ich einen viel zu schweren Rucksack in Empfang. Inhalt: tannengrünes Hemd, T-Shirt, Hose, Helm und Jacke. Als der Oberstleutnant vor der Umkleidekabine den Bund der Hose kontrolliert und meine Schnürsenkel nachzieht, fühle ich mich kurz wie im Kindergarten.

Die ersten Schritte in den Stiefeln zerstören meine "Du-schaffst-das"- Mentalität: Mit Highheels über Kopfsteinpflaster zu hüpfen, erfordert Konzentration, aber mit kiloschweren Stiefeln einen Fuß vor den anderen zu setzen, Kraft. Und die habe ich nicht.

Meine Kameraden grinsen voll Vorfreude, als der Ausbilder mit einer Erklärrunde der Hindernisbahn beginnt. Ich höre nur "drüber", "drunter" und "abfedern". Während ich neben dem Ausbilder hertrabe, fliegen meine Kameraden nur so über die Hindernisse. Abrupt bleibt der Ausbilder stehen und zeigt auf ein Loch: "Von allen zehn Hindernissen ist das das schlimmste für Frauen." Ich frage nach der Gleichberechtigung und bekomme prompt eine Antwort: "Die Gleichberechtigung besteht darin, dass Sie das gleich genauso durchziehen müssen, wie Ihre Kameraden." Er grinst, ich bekomme Angst. "Unsere Männer machen das einmal im Quartal. Fünf Durchgänge unter Zeitdruck. Und jetzt: Lauf! Der Kamerad wird dich begleiten."

Um mich herum wird alles schwarz

Während ich über Stock und über Stein springe, geht mir ständig durch den Kopf "Wären wir im Krieg, würden alle wegen mir draufgehen". Was eine Gruppe von zehn Männern in weniger als zwei Minuten schafft, erfordert bei einem echten "Spiesser" vier Minuten. Das könnte auch daran liegen, dass meine Logik es mir schlichtweg verbietet, in ein Loch zu springen, von dem ich weiß, dass ich da eh nicht mehr rauskomme.

In der zweiten Runde ist die Schamgrenze so weit gesunken, dass mir der lachende Fotograf egal ist. Den Stau, den ich durch mein Tempo verursache, ignoriere ich, und vom leistungsstärksten Kameraden lasse ich mich bereitwillig aus sämtlichen Gruben heben. Beim Anlauf zur dritten Runde fragt mich der Ausbilder, ob ich denn nie Sport mache. Er wiederholt seine Frage dreimal und erhält doch keine Antwort. Es tut mir leid, aber meine Luft reicht nur noch fürs Atmen. Während meine eh nicht vorhandenen Kräfte immer mehr schwinden, ruft der Ausbilder umso lauter. "Das Tempo anziehen! Los, hol die letzten Kräfte aus dir raus!" Welche Kräfte er meint, ist mir schleierhaft.

In die letzte Grube lasse ich mich nur noch erschöpft fallen und warte auf meinen Retter. Er schultert mich und lässt mich auf allen Vieren vor dem Ausbilder landen. Da weiß ich: Nach Runde drei ist Schluss. Der Ausbilder weiß es scheinbar nicht und fragt ernsthaft, ob ich Lust auf eine vierte Runde habe. Ich schüttle den Kopf, lege mich auf den Boden und alles um mich herum wird schwarz. Ich schlafe nicht. Ich ruhe nur ein wenig die Augen a...

Wie ich nach Hause gekommen bin? Vermutlich hat mich der Fotograf dort abgesetzt und ich bin ins Bett gerobbt. Meine Highheels werde ich zwar nie wieder gegen Bundeswehrstiefel tauschen. Aber dank dieser Erfahrung weiß ich: Auf die Kameraden kann man sich verlassen. Die ziehen einen (im wahrsten Sinne des Wortes) aus dem Dreck.

Von Franka Pohl für die Jugendzeitschrift "Spiesser"

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