Sexueller Missbrauch durch Lehrer: Schülerin bekommt Entschädigung

Ein früherer Lehrer in Rheinland-Pfalz hatte Sex mit einer 14-jährigen Schülerin - und wurde freigesprochen. Das Mädchen scheiterte auch mit einer Schadensersatzklage. Jetzt zahlt ihr das Land eine Summe in unbekannter Höhe. Ihr wolle man so "weitere gerichtliche Auseinandersetzungen" ersparen.

Nach dem Rechtsstreit um den Sexskandal eines Lehrers aus dem Kreis Neuwied zahlt das Land Rheinland-Pfalz einer ehemaligen Schülerin eine Entschädigung. "Mit dieser Vereinbarung sollen der Familie weitere gerichtliche Auseinandersetzungen erspart werden", sagte eine Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz und bestätigte damit einen Bericht des SWR. Über die Ende April beschlossene Summe wollte sie keine Auskunft geben.

Im Jahr 2007 hatte der ehemalige Hauptschullehrer mehrfach Sex mit der damals 14-jährigen Schülerin. Das Landgericht Koblenz hatte Ende vergangenen Jahres eine Schadensersatzklage gegen ihn abgewiesen - zuvor war er vor dem Oberlandesgericht (OLG) Koblenz in einem Strafverfahren freigesprochen worden. Weil der Mann lediglich der Vertretungslehrer des Mädchens war, habe kein Obhutsverhältnis bestanden, begründeten die OLG-Richter ihren umstrittenen Freispruch. Danach setzten sich die juristischen Auseinandersetzungen um den Mann fort.

So war der mittlerweile aus dem Schuldienst entlassene Lehrer im April wegen eines anderen Vorfalls zu einer Zahlung von 2000 Euro Schadensersatz wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener verurteilt worden. Er hatte einer Schülerin zwischen die Beine gegriffen.

Der erste Freispruch hatte bundesweit Empörung und Diskussionen ausgelöst. Rheinland-Pfalz hatte die Gesetze verschärft und Lehrern den Sex mit Schülern komplett verboten. "Sexuelle Kontakte zwischen Lehrkräften und Schülerinnen oder Schülern sind mit dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag unvereinbar und daher unzulässig", heißt es seitdem im Gesetz. Auch andere Bundesländer wollen das Schulrecht dahingehend verschärfen. Darauf hatten sich die Kultusminister im März 2012 geeinigt.


HIER FINDEN SIE ALLE TEXTE ZU DEM FALL IM ÜBERBLICK:

otr/dpa

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1.
Plasmabruzzler 13.05.2013
Zitat von sysopEin früherer Lehrer in Rheinland-Pfalz hatte Sex mit einer 14-jährigen Schülerin - und wurde freigesprochen. Das Mädchen scheiterte auch mit einer Schadensersatzklage. Jetzt zahlt ihr das Land eine Summe in unbekannter Höhe. Ihr wolle man so "weitere gerichtliche Auseinandersetzungen" ersparen.
1. Wie hoch ist die Summe? Schließlich kommt der Steuerzahler für etwas auf, dass besagter Mann offenbar nicht begangen hat. 2. welche weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen können denn überhaupt noch folgen? Kann es sein, dass besagter Lehrer doch nicht gänzlich frei von Schuld ist und so ein Schweigen der Schülerin erkauft wird?
2.
Blaue Fee 13.05.2013
Tja, da scheint sich das Bundesland wohl doch nicht so wohl zu fühlen, dass sie einen anscheinend pädophil veranlagten Lehrer beschäftigt haben, der ja, wie hier bestätigt, schon mal auffällig geworden war. Mich würde die Summe des Schweigegeldes auch interessieren.
3. Gewaltenteilung?
Johor 13.05.2013
Man fragt sich, was das Land Rheinland-Pfalz damit bezwecken will. Das kommt einem Schuldspruch durch die Legislative gleich, obwohl die Judikative keine Schuld erkannt hat. Hier wird doch das rechtsstaatliche Prinzip der Gewaltenteilung angegriffen... Der Lehrer wird nicht belangt, aber das Mädchen bekommt eine Entschädigung, die ihm nach Urteil der Legislative nicht zustehen würde. Das ganze noch auf Kosten der Steuerzahler. Mag vielleicht gut gemeint sein, aber nach dem Prinzip der Gleichheit, müssten nun nicht alle vermeindlichen Opfer einer Straftat, deren möglicher Täter freigesprochen wurde, eine Entschädigung vom Land oder Staat bekommen?
4. Entweder oder!
grobian24 13.05.2013
Entweder ist es eine Strafttat gewesen, dann hätte das ein Gericht auch so entscheiden müssen oder nicht. Der Fall das das Opfer anerkannt und entschädigt wird der Täter jedoch frei gesprochen wird ist in einem "Rechtsstaat" mindestens eine Spekulation über die fehlende Bestrafung des Täters wert.
5. Ist doch ganz einfach:
aldamann 14.05.2013
Vollzeit-Angestellte und Beamte haben zu den Kindern ein Schutzbefohlenen-Verhältnis, Vertretungslehrer hingegen offenbar 'nen Freifahrtsschein zum Kinderf...n. Das ist nicht gerecht, aber anscheinend Gesetz. Und jetzt will wohl die Exekutive "Gerechtigkeit" schaffen, wo die Legislative gepennt hat und die Judikative deswegen keine andere Wahl hatte, als so zu entscheiden. So zumindest habe ich das Urteil und diesen Artikel interpretiert.
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