Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener, so lautete der Vorwurf, von dem der Lehrer freigesprochen wurde. Er hatte 22 Mal Sex mit einer Schülerin. Er war 32, sie 14.
Sexueller Missbrauch Schutzbefohlener, so lautet der Verdacht, wegen dem die Staatsanwaltschaft Koblenz jetzt erneut gegen den Mann ermittelt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner. Die ältere Schwester des Mädchens sei zur Vernehmung vorgeladen worden, berichten übereinstimmend mehrere Zeitungen, darunter die "Rhein Zeitung"; der Brief der Staatsanwaltschaft kam demnach vor wenigen Tagen bei der Familie an.
Die Vorgeschichte: Der Lehrer arbeitete seit 2003 an der Schule der beiden Schwestern im rheinland-pfälzischen Kreis Neuwied, er unterrichtete katholische Religion, Englisch und Geschichte. Auf einer Klassenfahrt kamen er und die jüngere Schwester sich näher, der Mann saß auf der Busfahrt neben dem Mädchen. Danach unterhielten sie sich immer mal wieder auf dem Pausenhof und in Online-Chats. Im Januar 2007 kam es dann zum ersten sexuellen Kontakt. Fast fünf Monate lang trafen sich der Lehrer und die Schülerin, unter anderem im Putzraum der Schule. Als das Verhältnis bekannt wurde, suspendierte man den Lehrer.
"Ich war fassungslos", sagt die Mutter
Das Amtsgericht Neuwied verurteilte den Mann zu zwei Jahren auf Bewährung, das Landesgericht Koblenz bestätigte das Urteil, doch das Oberlandesgericht Koblenz hob es im Dezember 2011 auf. Begründung: Es habe kein "Obhutsverhältnis" gegeben, das Mädchen sei dem Lehrer nicht im Sinne des Gesetzes zur Erziehung anvertraut gewesen. Denn er sei in ihrer Klasse nur dreimal als Vertretungslehrer eingesprungen. Zudem gab er Tanzstunden. "Ich war fassungslos", sagte die Mutter des Mädchens nach dem Urteil im Interview mit dem "Stern".
Jetzt wird erneut ermittelt. Denn offenbar hat es der Pädagoge erst bei der älteren Schwester des Mädchens versucht. Im "Stern" sagte die Schwester, er habe sie im Klassenraum an sich gedrückt und ihr unter den Pullover gefasst. Das "Hamburger Abendblatt" berichtet zudem von langen E-Mails, die der Lehrer dem Mädchen geschrieben und in denen er deutliche Avancen gemacht haben soll. Das Mädchen hat den Mann aber zurückgewiesen. Das hatte die Schwester der "Rhein Zeitung" zufolge bereits vor zweieinhalb Jahren ausgesagt. Jetzt muss sie erneut dazu Stellung nehmen.
In diesem Fall kam es zwar zu keinem sexuellen Verkehr, jedoch könnten die juristischen Folgen für den Lehrer schwerer wiegen: Denn die ältere Schwester unterrichtete er als Klassenlehrer.
otr
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