Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Sexualkundeunterricht: Schüler sollen Pornos schauen

Pornos im Sexualkundeunterricht - das fordert ein dänischer Professor. Nun ziehen die Jusos aus der Schweiz nach: Nur so könnten die Schüler lernen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Die Handlungen sind oft platt, die Dialoge schlecht und die Szenen hart - gute Filme sehen, unbestritten, anders aus. Doch ein Professor für Sexualkunde in Dänemark setzt sich nun dafür ein, dass Hardcore-Pornos an öffentlichen Schulen gezeigt werden.

Christian Graugaard sagt, Teenager sollten lernen, wie sich "normaler" Sex von jenem in Pornos unterscheide, wie die dänische Zeitung "The Local" berichtet. Der Sexualkundeunterricht müsse nicht langweilig und technisch sein, so der Sexualwissenschaftler der Universität Aalborg. Es müsse kein Unterricht sein, in dem man ein Kondom über eine Gurke rolle. "Unsere Kinder sollten zu kritischen Konsumenten erzogen werden, die Pornos mit einer gewissen Distanz und Reflektion sehen", sagte Graugaard dem dänischen Radiosender DR.

Fast alle Jungen im Teenageralter und 86 Prozent der Mädchen in den nordischen Ländern hätten einer Studie zufolge schon mal Pornos gesehen. Schulen sollten den Teenagern deshalb helfen, zu verstehen, dass ihr eigenes Sexleben nicht das widerspiegeln sollte, was sie online sähen.

Ein Sexualpädagoge sollte anwesend sein

Die Idee, in Schulen Pornos zu zeigen, findet auch bei den Schweizer Jungsozialisten Anklang. "Schon Primarschüler bekommen auf dem Pausenplatz harte Pornos auf dem Handy zu Gesicht", sagte Juso-Präsident Fabian Molina der Schweizer Ausgabe der Zeitung "20 Minuten". Diese Tendenz nehme zu und führe dazu, dass Kindern ein falsches Bild von Sexualität vermittelt werde.

Schülern auf weiterführenden Schulen sollten daher im Sexualkundeunterricht Pornos gezeigt werden, allerdings zusammen mit einem Sexualpädagogen. Nur so könnten die Schüler lernen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, sagte Molina. Indem man Pornografie thematisiere, würde sie auch an Reiz verlieren.

Fotostrecke

8  Bilder
Aufklärungsunterricht weltweit: Wie sollte Sex vermittelt werden?
Auch die grüne Nationalrätin Maya Graf unterstützt den Vorschlag der Jusos: Oberstufenschülern im Sexualkundeunterrichts unter Aufsicht eines Sexualexperten Pornofilme zu zeigen, sei sicher prüfenswert, sagte sie "20 Minuten".

Pornografie steht in Deutschland nicht auf dem Lehrplan

In Deutschland gibt es kein Bundesland, in dem Pornografie auf dem Lehrplan steht. Dabei kommt ein Großteil der Jugendlichen mit solchen Inhalten in Berührung: 77 Prozent der 14- bis 19-jährigen Jungen und 38 Prozent der gleichaltrigen Mädchen haben bereits pornografische Inhalte gesehen. Das hatte der Kommunikationsforscher Jens Vogelgesang von der Uni Münster in einer Studie ermittelt. "Dieser Medienrealität kann man als Jugendlicher nicht ausweichen", sagte Vogelgesang im Dezember dem SPIEGEL.

Christian Scheidt, Mitarbeiter des Landesinstituts für Schule in Bremen, berät Lehrer, wie sie mit Sexualthemen an der Schule umgehen sollen. Die Forderung nach Pornos im Unterricht lehnt er entschieden ab. Er findet es allerdings wichtig, dass die Lehrer mit dem Pornokonsum der Teenager umzugehen lernen. Über Pornos werde Zuhause kaum gesprochen.

Dem SPIEGEL sagte Scheidt: "Wenn wir die Jugendlichen nicht über die Sexfilme aufklären, dann überlassen wir der Pornoindustrie die Hoheit über die Kinderzimmer." Es helfe Kindern, wenn sie etwas über die Realität beim Porno-Dreh erfahren: die Bezahlung, die Schmerzen, den Drogenkonsum, das Frauenbild.

Anmerkung der Redaktion: Christian Scheidt legt Wert auf die Feststellung, dass er die Forderung nach Pornos im Schulunterricht ausdrücklich nicht unterstützt. In einer früheren Version des Textes fehlte dieser Hinweis. Wir haben ihn ergänzt.

kha

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
pauschaltourist 19.03.2015
Das einzige Fach, in dem ich ne 1 bekommen haette...
2. In Ruhe lassen!
zostrianos 19.03.2015
Nun will man den armen Schülern den verbliebenen Rest an Heimlichkeit auch noch nehmen. Können uns diese Sexualpädagogen nicht einfach in Ruhe lassen! Müssen wir alles mit ihnen bequatschen?
3. wozu Pornos
les2005 19.03.2015
Wie man weiß, haben die meisten Kinder eh schon Pornos gesehen, es wird also wenig Sinn machen, ihnen in der Schule auch noch welche zu zeigen. Sinnvoll wäre allemal eine Auseinandersetzung damit, wie sich Sexualiltät in der Realität von Pornos unterscheidet, und wie der Unterschied zwischen vor und hinter den Kulissen bei Pornos aussieht.
4. Wissenslücke
archback 19.03.2015
Zitat: "etwas über die Realität beim Porno-Dreh erfahren: die Bezahlung, die Schmerzen, den Drogenkonsum, das Frauenbild." Das müssten auch die meisten erwachsenen Konsumenten. Wir erfahren doch auch, unter welchen Bedingungen unsere Jeans hergestellt werden.
5. Versteh' ich nicht
stefan.hemmer 19.03.2015
Im Unterricht Pornos schauen, um den Unterschied zwischen Realität und Fiktion zu verdeutlichen. Der Porno zeigt dann also die Fiktion. Und wie möchten die Damen und Herren Pädagogen bitteschön im Unterricht die Realität darstellen? Da kommen sie doch hoffentlich ohne "Action" aus. Warum sollte das nicht auch bei der Fiktion möglich sein? Und im übrigen bin ich sicher, dass die Schüler den Unterschied zwischen Realität und Fiktion auch ohne Hilfe ihrer Lehrer problemlos selbst erkennen werden.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Social Networks