Überwachung mit Microchips: Brasilianer verwanzen Schuluniformen

Schwere Zeiten für Schwänzer: In Brasilien lässt die Stadt Vitória da Conquista Microchips in die Kleidung von Schülern einnähen. Ein Computer kann dann erfassen, wann die Kinder und Jugendlichen die Lehranstalt betreten. Wer unpünktlich ist, muss mit einer SMS an die Eltern rechnen.

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Brasilianische Schüler: "Ihr Kind ist noch immer nicht in der Schule angekommen"

Hamburg - Um die Zahl notorischer Schulschwänzer zu reduzieren, hat die Stadt Vitória da Conquista in Brasilien damit begonnen, Computerchips an Schuluniformen anzubringen. 20.000 Schülern an 25 öffentlichen Schulen wurde bereits ein Mikrochip auf die Ärmel oder unter das Schulwappen genäht.

Die sogenannte intelligente Uniform lässt einen Computer wissen, wann die Kinder den Pausenhof betreten, und setzt dann eine SMS ab. Die Chips ähneln den elektronischen Bauelementen, die in vielen Ländern auch zur Verfolgung von Tieren eingesetzt werden.

Auch die Eltern werden per Mobilfunk informiert: Erscheint ein Kind bis 20 Minuten nach dem Unterricht nicht in der Klasse, wird eine Meldung mit dem Satz gesendet: "Ihr Kind ist noch immer nicht in der Schule angekommen."

Die skurrile Überwachung wurde angeblich eingeführt, um die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern zu verbessern. Die meisten Mütter und Väter wüssten nicht, dass ihre Kinder im Unterricht häufig fehlen, sagte der Erziehungsbeauftragte der Stadt Coriolano Moraes: "Wir haben festgestellt, dass viele Eltern ihre Kinder zwar zur Schule bringen, aber nicht sehen, ob sie auch tatsächlich hineingehen", sagte Moraes der Nachrichtenagentur AP.

"Wir können damit einen Trend setzen"

Oft seien die Eltern überrascht, wenn sie erfahren, wie oft ihre Sprösslinge tatsächlich dem Unterricht fernbleiben. Jetzt werden sie nach dreimaligem Versäumen aufgefordert, die Fehlzeiten ihrer Kinder zu erklären. Sollte dies nicht passieren, werde es eine Meldung an die Schulbehörde geben, so Moraes.

Vitória da Conquista sei vermutlich die erste Stadt in Brasilien "und vielleicht auch in der Welt", die dieses System nutze, sagte Moraes. "Ich glaube, wir können damit einen Trend setzen." Es gebe bereits viele Anfragen von anderen Schulen aus ganz Brasilien. "Alle wollen wissen, wie es funktioniert", so der Erziehungsbeauftragte.

Bis zum Jahr 2013 sollen alle Schüler an öffentlichen Schulen der Stadt zwischen 4 und 14 Jahren ein Shirt mit dem Ortungssystem erhalten. Die lokale Regierung hat über 500.000 Euro in die Umrüstung der Schulkleidung investiert. Die Behörden von Vitória da Conquista versichern, dass die T-Shirts ganz normal zu waschen seien und auch ohne Beschädigung der Chips gebügelt werden können.

jon

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insgesamt 21 Beiträge
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1. ...
Rodri 23.03.2012
Zitat von sysopAPSchwere Zeiten für Schwänzer: In Brasilien lässt die Stadt Vitória da Conquista Microchips in die Kleidung von Schülern einnähen. Ein Computer kann dann erfassen, wann die Kinder und Jugendlichen die Lehranstalt betreten. Wer unpünktlich ist, muss mit einer SMS an die Eltern rechnen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,823248,00.html
Ich finde die Idee echt stark. Sollte man hier auch machen. Besonders in Großstädten gibt es doch in Deutschland Zehntausende Schulschwänzer.
2. Meine Jacke hat am Unterricht teilgenommen ...
MKasp 23.03.2012
"Wir haben festgestellt, dass viele Eltern ihre Kinder zwar zur Schule bringen, aber nicht sehen, ob sie auch tatsächlich hineingehen", sagte Moraes der Nachrichtenagentur AP." Mein Pullover hat am Unterricht teilgenommen ... Da hat ein Verkäufer von Technologie einfach mal wieder einen Dummen gefunden. Öffentliches Geld nennt man in der Wirtschaft auch "dummes Geld", weil die Entscheider in der Regel minderqualifiziert und wirtschaftlichem Denken entfremdet sind: Da kann man richtig Kasse machen! Diese dümmliche Experiment verletzt die Menschenwürde der Kinder, nicht nur deren Datenschutz.
3.
Whitejack 23.03.2012
Was genau soll das bringen? Dass das Kind nicht in der Schule ist, kann der Lehrer doch auch ohne Mikrochip feststellen. Fehlzeiten werden eingetragen, bleiben sie unentschuldigt, werden die Eltern informiert. Wo also ist der Mehrwert dieser Chips, außer dass sie den Staat Geld kosten und einen weiteren Schritt in Richtung permanente Überwachung gehen? Wenn Eltern sich nicht für ihre Kinder interessieren, werden auch die Mikrochips nichts helfen. Interessieren Sie sich, dann genügt es vollkommen, wenn die Information "ihr Kind hat geschwänzt" nachmittags eintrifft. Und zudem, wie ein Vorposter schrieb, kann auch eine Jacke das Schulgebäude "betreten" und in ihm verbleiben, obwohl der Träger sich längst wieder verdrückt hat. Was ich da herauslese ist, dass die Lehrer mit dem Elternkontakt überfordert sind und nun einen Mikrochip die Aufgabe machen lassen wollen, die eigentlich ihre eigene wäre. Aber sorry, Chips sind zu dumm für Kindererziehung, die können nur "ein" und "aus".
4.
Tom S. Jaeger 23.03.2012
Warum bekommen die kleinen nicht kameras implantiert und kleine schockhalsbänder die sie zur Vernunft bringen wenn sie etwas tun was gegen geltende regeln verstößt? Oder Stacheldraht und Selbstschussanlagen ums Gelände. Machbar. Allles Machbar.
5. Kameras sind zu teuer
felisconcolor 23.03.2012
Zitat von Tom S. JaegerWarum bekommen die kleinen nicht kameras implantiert und kleine schockhalsbänder die sie zur Vernunft bringen wenn sie etwas tun was gegen geltende regeln verstößt? Oder Stacheldraht und Selbstschussanlagen ums Gelände. Machbar. Allles Machbar.
die Halsbänder reichen. Mit einem Timer und einem Transponder versehen. Wer dann nicht zwischen 8 und 14 Uhr innerhald des Schulgeländes ist wird gebritzelt. Coole Idee Dann braucht es auch keine Betonmauern mit Stacheldraht. Ach ja um das ganze spannend zu machen. Werden die Kinder nach dem Zufallsprinzip gekoppelt. Haut ein Kind ab wird auch das zweite gebritzelt. Woher kenn ich das nur? Da gab es doch mal einen Film.
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