Streit um Privat-Gymnasium: Rückschlag für Gegner der Opus-Dei-Schule

Ein Gymnasium nur für Jungen, betrieben von streng konservativen katholischen Eltern, die dem Opus Dei nahestehen? Die brandenburgische Landesregierung wollte eine solche Schule verhindern. Sie griff aber zu einer juristisch heiklen Begründung - und unterlag jetzt erneut vor Gericht.

Der Rechtsstreit zieht sich seit Jahren hin, jetzt musste das Bildungsministerium von Brandenburg erneut einen juristischen Rückschlag hinnehmen: Ein in Potsdam geplantes Jungen-Gymnasium, vorangetrieben von Eltern mit Verbindung zum erzkatholischen Bund Opus Dei, darf womöglich doch gebaut werden.

Das Ministerium hatte vor Jahren schon die Genehmigung der Schule abgelehnt, mit der Begründung, eine reine Jungenschule sei nicht gesetzeskonform. Brandenburgs Schulgesetz sieht - für öffentliche Schulen - gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen vor. Im Ministerium ist man der Meinung, das gelte auch für Privatschulen. Das Potsdamer Verwaltungsgericht entschied dann allerdings, ein bloßer Hinweis auf die Koedukation reiche nicht aus, um eine Schule nicht zu genehmigen. Über den Genehmigungsantrag müsse neu entschieden werden. Dagegen legte das Ministerium Berufung ein - und scheiterte am Donnerstag vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.

Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass ein Jungen-Gymnasium wegen der von der Verfassung garantierten Privatschulfreiheit auch im Land Brandenburg genehmungsfähig sei. Es sei weder ersichtlich noch nachgewiesen, dass die alleinige Unterrichtung und Erziehung von Jungen oder Mädchen dem Erziehungsziel einer Gleichstellung und Gleichbehandlung der Geschlechter grundsätzlich widerspreche. Ob dies auf Grundlage des vorliegenden Schulkonzeptes anders zu beurteilen sei, müsse das Ministerium neu entscheiden.

Von Anfang an stieß das Schul-Vorhaben der Elterninitiative auf Kritik, auch weil sich die Schulplaner zu ihrer Verbindung zu Opus Dei bekennen. Der Bund Opus Dei, 1928 in Spanien von Josemaria Escriva de Balaguer gegründet, ist seit Jahrzehnten umstritten. Weltweit bekannt wurde er auch durch Dan Browns Bestseller "Sakrileg" und die Verfilmung mit Tom Hanks. Darin wird die Organisation als mächtiger wie verschwörerischer Geheimbund beschrieben, dessen Mitglieder sich mit Bußgürteln und Peitschen selbst kasteien - was die katholische Kirche als "Zerrbild" zurückwies.

Von Kritikern wird Opus Dei als sektenhaft, streng hierarchisch organisiert oder gar totalitär beschrieben. 85.000 Mitglieder hat die Organisation nach eigenen Angaben weltweit, 600 davon in Deutschland.

Doch mit Zweifeln am Schultärger argumentierte das Ministerium nicht, sondern einzig mit dem Koedukations-Argument - und war damit jetzt erneut nicht erfolgreich.

Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp bedauerte die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts: "Gemeinsame Erziehung ist mehr als nur eine Methode - sie ist ein Strukturprinzip unseres öffentlichen Schulsystems", so Jungkamp. "Hiervon sollten auch freie Schulträger nicht abweichen dürfen." Das Land werde nun die Urteilsgründe abwarten und dann prüfen, welche Konsequenzen es zieht.

otr/AFP

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insgesamt 45 Beiträge
miezemaus 08.09.2011
gut, dass jetzt gerade der Papst vorbeischaut....Das Urteil wird den Stellvertreter unseres Gottes freuen!
gut, dass jetzt gerade der Papst vorbeischaut....Das Urteil wird den Stellvertreter unseres Gottes freuen!
brox/walker 08.09.2011
Ich war auch auf einem reinen Jungengymnasium, war eine schöne Zeit und Tendenzen Frauen zu unterdrücken oder sie als nicht gleichberechtigt zu sehen sind bei mir auch nicht vorhanden ;-)
Ich war auch auf einem reinen Jungengymnasium, war eine schöne Zeit und Tendenzen Frauen zu unterdrücken oder sie als nicht gleichberechtigt zu sehen sind bei mir auch nicht vorhanden ;-)
unterländer 08.09.2011
Mir gehen diese verlogenen "Bildungs"politiker auf die Nerven. Andernorts werden Studiengänge nur für Frauen eingerichtet. Von der gleichen Klientel, die jetzt gegen eine reine Jungenschule argumentieren, werden [...]
Zitat von sysopEin Gymnasium nur für Jungen, betrieben von streng konservativen katholischen Eltern, die dem Opus Dei nahestehen? Die Brandenburger Landesregierung wollte eine solche Schule verhindern. Sie griff aber zu einer juristisch heiklen Begründung - und unterlag jetzt erneut vor Gericht. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,785192,00.html
Mir gehen diese verlogenen "Bildungs"politiker auf die Nerven. Andernorts werden Studiengänge nur für Frauen eingerichtet. Von der gleichen Klientel, die jetzt gegen eine reine Jungenschule argumentieren, werden Klassen nur für Mädchen gefordert, weil deren Entwicklung (von mir übrigens unbestritten) durch die Koedukation behindert wird. Jungs kommen meist etwas später in die Gänge als die Mädchen. Die Politiker in Brandenburg, die gegen die Schule zu Felde ziehen, sollen mit offenem Visier kämpfen. Sie sind doch nicht gegen die Schule, weil das eine Jungenschule ist, sondern weil sie von einer umstrittenen Vereinigung betrieben wird. Dazu kann man doch stehen, da muss man sich doch nicht verlogen hinter der angeblich zwingenden Koedukation verstecken.
Silver Surfer 08.09.2011
Das geht doch garnicht Katholische Jungenschule in dem Roten Brandenburg Pfui Teufel Hätten mal geleich ne Kornaschule für Jungs machen sollen Dann hätte sich keiner Aufgeregt, ganz im gegenteil die hätten noch jede Menge [...]
Das geht doch garnicht Katholische Jungenschule in dem Roten Brandenburg Pfui Teufel Hätten mal geleich ne Kornaschule für Jungs machen sollen Dann hätte sich keiner Aufgeregt, ganz im gegenteil die hätten noch jede Menge Kentet in den Ar... geschoben bekommen. Da hätte es auch keine Rolle gespielt was dort Unterichtet wird. Siehe Fadth Akademie in Bonn
timwa 08.09.2011
Mit der Ablehnung hat das Bildungsministerium doch nur versucht, vom eigenen Versagen in der Bildungspolitik abzulenken. Die Misere an den Schulen in Brandenburg würde durch eine vom Schulträger garantierte anspruchsvolle private [...]
Mit der Ablehnung hat das Bildungsministerium doch nur versucht, vom eigenen Versagen in der Bildungspolitik abzulenken. Die Misere an den Schulen in Brandenburg würde durch eine vom Schulträger garantierte anspruchsvolle private Jungenschule noch offensichtlicher.
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  • Donnerstag, 08.09.2011 – 18:12 Uhr
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